Am Sonntag ist Muttertag. Eigentlich nicht zu übersehen, denn in den Einkaufsstraßen springen den Passanten die Muttertags-Geschenke beinahe entgegen. Rote Herzen mit der Aufschrift „Mama ist die Beste“ hängen in den Schaufenstern. Aber ähnlich der Diskussion über den Valentinstag stellt sich auch beim Muttertag die Frage: Hat dieser Tag denn überhaupt noch eine Bedeutung oder hat er nur noch einen kommerziellen Zweck?

In Singen sind die Meinungen gespalten. Für die einen ist auch dieses Jahr der Muttertag nach wie vor ein bedeutender Sonntag. Für andere ist es wiederum ein ganz gewöhnlicher Tag.

Bärbel Buhmann blickt dem Sonntag positiv entgegen, sie ist der Ansicht: „Es ist ein besonderer Tag, an dem jede Mutter geehrt werden sollte“. Außerdem sieht sie den Muttertag als eine Chance: „Selbst wenn das Verhältnis zwischen Mutter und Kind gerade nicht gut ist, bietet dieser Tag eine Möglichkeit, einen Schritt auf die Mutter zuzugehen“, sagt sie.

Für Bettina Dierking hingegen ist es „ein ganz normaler Tag“. Sie ist der Meinung, die Wertschätzung sollte nicht auf einen Tag beschränkt sein: "Die Anerkennung und Liebe sollte das ganze Jahr über gezeigt werden.“ Roswita Kulcsar aus Überlingen am Ried teilt diese Ansicht, auch sie sagt: „Wenn man die Mutter nicht das ganze Jahr über ehrt, dann braucht man auch keinen bestimmten Tag dafür.“

Natürlich profitieren von diesem Tag nicht nur die Mütter. Blumenhändler, Parfümerien oder Süßwarenhändler nutzen die Chance und werben mit ihren einmaligen Muttertags-Angeboten. Wodurch die Tradition für einige doch ein wenig an Charme verliert.

Luzia Mutter meint: „Es wäre schade, wenn der Muttertag bedeutungslos wird, aber ich möchte den Kommerz auch nicht unbedingt unterstützen“. Bettina Dierking sagt: „Der Muttertag ist bestimmt für den ein oder anderen wichtig, zum Beispiel für die Blumenläden. Aber da geht es ja eher um die Wirtschaft." Trotzdem steht einer kleinen Aufmerksamkeit oder einer Überraschung am Muttertag nichts im Wege. Das finden Julia Karpow und Cecilia Chiamcio. „Wir machen Mami glücklich am Muttertag“, sagen sie und lachen.

Der Grundgedanke des Brauchs, der schon mehr als 100 Jahre alt ist, ist klar. Es sollte ein Tag sein, um die Mama für ihren schönen aber auch anstrengenden Job zu ehren. Das wird sonst schnell mal vergessen. Mehr Wertschätzung für eine oft stark runtergeschraubte Tätigkeit, lautet deshalb die Devise. Zum Beispiel für Tanja Walk: "Etwas Selbstgebasteltes oder ein vorbereitetes Frühstück ist eine schöne Idee, um den Muttertag ein bisschen besonders zu machen." Und das ganz unabhängig von den anderen 364 Tagen des Jahres.