Das historische Gasthaus Sternen in der Ortsmitte von Bohlingen soll Zuwachs bekommen. In direkter Nachbarschaft zur Bäckerei Reize ist auf dem Areal ein modernes, dreigeschossiges Gebäude mit einem Flachdach geplant. Eine Bauvoranfrage mit Plänen und Animationen haben die neuen Besitzer im Ortschaftsrat nun erstmals vorgestellt. Das Interesse an der öffentlichen Sitzung war groß, 25 Bürger wollten aus erster Hand erfahren was aus dem Fachwerkhaus gemacht werde. Den Einwohnern von Bohlingen ist der „Sternen“ als Lebensader des Dorfes sehr ans Herzen gewachsen.

Tilo Brügel, stellvertretender Leiter der Stadtplanung Singen, und Thomas Mügge, Abteilungsleiter des Baurechtsamtes der Stadt Singen, stellten die Pläne der Bauherren detailliert vor. „Der Sternen mit dem Walmdach ist in Bohlingen ein individuelles Gebäude, der um 1790 entstandene Bau ist dem Zeitalter des Barock zuzuordnen“, erläuterte Brügel.

Die Animation veranschaulicht, wie die Neugestaltung des Sternen-Areals in der Ortsmitte in Bohlingen einmal aussehen könnte. Neben dem historischen Fachwerkgebäude des alten Gasthauses Sternen soll ein dreigeschossiger Neubau mit einem Flachdach entstehen. Im alten und neuen Gebäude sollen vier Ferienwohnungen und 15 Fremdenzimmer entstehen. <em>Animation: Graf & Moest Architekten/</em><em>Ramira</em><em> da Silva</em>
Die Animation veranschaulicht, wie die Neugestaltung des Sternen-Areals in der Ortsmitte in Bohlingen einmal aussehen könnte. Neben dem historischen Fachwerkgebäude des alten Gasthauses Sternen soll ein dreigeschossiger Neubau mit einem Flachdach entstehen. Im alten und neuen Gebäude sollen vier Ferienwohnungen und 15 Fremdenzimmer entstehen. Animation: Graf & Moest Architekten/Ramira da Silva | Bild: Lisa Jahns

Fügt sich das neue, moderne Gebäude mit dem Flachdach in die Umgebung ein? – das war eine spannende Frage, sowohl für die Bauherrn als auch die Behörden. Weil für das Areal des Sternen kein Bebauungsplan vorliegt, stand der flachen Dachform im Grundsatz nichts im Wege. Und: Das moderne Gebäude bilde eine gute Harmonie und beeinträchtige den Blick auf das markante Fachwerkhaus nebenan nicht, erklärten die Experten. Das Gesamtkonzept für beide Häuser sieht eine Gastronomie, Hotel und Ferienwohnungen vor, in dieser Form sei der Betrieb für einen künftigen Pächter wirtschaftlich. Insgesamt vier Ferienwohnungen und 15 Gästezimmer sollen in beiden Gebäuden entstehen, im Erdgeschoss des Neubaus wird zudem eine Küche eingebaut.

Ein Glasanbau verbindet den Neubau mit dem Saal des neuen Restaurants im Erdgeschoss des bisherigen Gasthauses. Als weitere Neuheit soll direkt an der Aach eine Gartenwirtschaft entstehen.

„Die Investoren zeigen Mut und bieten ein logisches Konzept“, freute sich Ortschaftsrat Werner Müller als einer von vielen positiv gestimmten Rednern. Es gibt allerdings noch Knackpunkte mit Potential zum Nachbessern. Weil sich das Sternen-Areal mitten im Dorf befindet, sind Parkplätze Mangelware. „Für das Bauprojekt sind rechtlich insgesamt 21 Stellplätze notwendig, neun Parkplätze sind auf dem Grundstück verteilt, 13 weitere Plätze sind über die Straße hinweg hinter dem Feuerwehrhaus festgeschrieben“, erklärte Thomas Mügge vom Baurechtsamt die etwas schwierige Lösung.

Die örtliche Feuerwehr machte schon auf regelmäßige Übungen von ihr und der Jugendfeuerwehr in diesem Bereich aufmerksam. „Wenn Autos dann zum Sternen-Parkplatz über diesen Bereich fahren, könnte das Gefahren mit sich bringen“, merkte Siegmar Peter von der Feuerwehr an. Deshalb sieht die Planung vor, die künftige Zufahrt für Parkplatzbenutzer des Gasthaus Sternen und für Angehörige der Feuerwehr in einer Ringführung nur über die Fabrikstraße erfolgen zu lassen. Ebenfalls kritisch bewertete Ortschaftsrat Kai Fritsche die allgemeine Parkplatzsituation rund um das Sternen-Areal: „Ein Wildparken im Dorf ist vorprogrammiert, darum sollten mehr Parkmöglichkeiten geschaffen werden.“

Diese Hinweise wollen die jetzigen Besitzer Thomas Relling und Stefan Dunaiski denn auch in die weiteren Planungen aufnehmen. Ansonsten zeigte sich der Ortschaftsrat vom Bauprojekt begeistert und unterstützte die Bauvoranfrage einstimmig, und zwar mit acht Ja-Stimmen.

So geht es weiter

Die jetzigen Besitzer des Sternen in der Ortsmitte bei der Aachbücke in Bohlingen haben in der Zwischenzeit das Fachwerkhaus innen komplett entkernt, im Außenbereich wurde der neuere Anbau abgerissen. Mit künftigen Betreibern des Objektes stehen die Besitzer bereits in Kontakt. In der Sitzung des Ortschafsrats beschäftigte die Bürger unter anderem der Zeitplan. Auf die Zustimmung des Ortschaftsrates zur Bauvoranfrage müssen nun die Anwohner gehört werden und der Bauausschuss des Singener Gemeinderates muss einen Beschluss fassen. Ein Bauantrag könnte dann in drei Monaten genehmigungsfähig sein. Nach ersten Einschätzungen könnte bei einem optimalen Ablauf das neue Sternenareal zum Frühjahr 2019 fertiggestellt sein. Übrigens: Die von den Bauherren beauftragte Architektin Susann Graf ist eine gebürtige Bohlingerin, ihr Vater war der bekannte Architekt Martin Graf. (hir)