Kommenden Samstag sollen in Singen drei weitere sogenannte Stolpersteine verlegt werden, die an Opfer des Nationalsozialismus in der Stadt erinnern sollen. Das kündigt Hans-Peter Storz an, der Sprecher der Gruppe. 70 solcher Erinnerungssteine wurden in den vergangenen Jahren bereits verlegt. Sie glänzen als Messing-Steine im Trottoir vieler Straßen, vor Wohnhäusern, auch vor Singens Rathaus. Die Steine lassen den Passanten nicht wirklich stolpern und sind eben im Boden verlegt. Doch sie fallen ins Auge und lassen den Betrachter optisch darüber stolpern und machen aufmerksam. Die Messingplatten sind Kunstwerke, die vom Kölner Gunter Demnig bundesweit verlegt werden. Auf den Tafeln sind die Namen und kurze Schicksale der Opfer aus der Nazizeit notiert.

"Wir wollen am Samstag, 2. Juli, drei Steine verlegen, und zwar in der Mühlenstraße 23, in der Mittelstraße 4 und in der Görresstraße 4", kündigt Hans-Peter Storz an. Gemeinsam mit rund einem Dutzend Mitstreitern hat er die neuen Stationen festgelegt. Es sind die letzten selbst gewählten Wohnorte der Opfer.

<p>Für drei neue Stolpersteine machen sich in Singen (von rechts) Hans-Peter Storz, Rainer und Heidi Haug, Hans Kapp und OB Bernd Häusler stark.

Für drei neue Stolpersteine machen sich in Singen (von rechts) Hans-Peter Storz, Rainer und Heidi Haug, Hans Kapp und OB Bernd Häusler stark. | Bild: Stadt Singen

Auch wenn die Nazizeit schon mehr als 70 Jahre vorüber ist, ist die Erinnerung an sie wichtiger denn je, sagt Storz. "Gerade jetzt, wo ein Rechtsruck quer durch Europa geht", erklärt er. Auch Oberbürgermeister Bernd Häusler hat sich in diesem Sinne geäußert. Er und der Gemeinderat unterstützen die Stolperstein-Initiative. Bezahlt werden die pflastersteingroßen Kunstwerke von privaten Spendern und Unterstützern.

Dass die ausgewählten Personen mit ihrer Lebensgeschichte auch nach dieser langen Zeit noch immer Diskussionen unter Nachkommen auslösen können, hat die Singener Gruppe ganz aktuell erfahren. Ein Stein, der zusätzlich noch geplant war, wird vorerst nicht verlegt, weil es Diskussionen mit Angehörigen der Person gegeben hatte. "Das löst noch immer Emotionen aus", weiß Storz. Das wiederum sei gut, denn dann sei das Erinnern mit den Steinen höchst lebendig.