"Als ich noch in die Grundschule ging, habe ich mit dem Taekwondo begonnen", erzählt Patrick Gräber und fügt lachend hinzu: "Meine Eltern hatten mich einfach angemeldet, damit ich mich regelmäßig bewege und überschüssige Energie abbaue." Das Talent des damals Siebenjährigen erkannte sein Trainer schnell. Patrick war von Anfang an ebenso mit Ehrgeiz wie mit Freude dabei. "Taekwondo war für mich schon damals Action pur. Die zahlreichen Bewegungen, sich körperlich auspowern, das war wirklich meins."

Und diese Begeisterung, gepaart mit enormem Talent, sollte sich schnell auszahlen. Sein sportlicher Weg führte zum Taekwondo Club Singen sowie zu einem Verein in Schaffhausen, der ein besonders gutes Wettkampftraining bot.

Gräber entschied sich gegen die Profilaufbahn

Der Sportler erwarb mit hartem Training und Disziplin die höchste Auszeichnung, den schwarzen Gürtel, der auch als "die Farbe der Meister" bezeichnet wird. Im Jahr 2015 wurde er Baden-Württembergischer Vizemeister, in seinem persönlichen Erfolgsjahr 2016 gewann er die Baden-Württembergische Meisterschaft und wurde Drittplatzierter bei der Schweizer Meisterschaft.

Dann kam er an einen Scheideweg, musst sich festlegen, ob er in den Profibereich wechseln wollte. Er hätte sogar einen Sponsor gehabt, entschied sich letztendlich aber gegen den Profibereich und für seinen Job.

Der inzwischen 25 jährige erklärt: "Man macht sich kein Bild davon, wie viel man für eine Profilaufbahn trainieren muss, zwei Mal täglich ist fast Standard, das lässt sich mit einem Vollzeitberuf fast nicht vereinbaren. So sehr ich auch für den Sport brenne, auf Sponsoren angewiesen zu sein, ist eine heikle Sache. Ich habe langfristig gedacht und den sicheren Weg gewählt und übe jetzt meinen Beruf als Einkäufer aus." Augenzwinkernd fügt er hinzu: "Man soll eben aufhören, wenn es am schönsten ist."

Training für Kids

Nichtsdestotrotz ist Patrick Gräber seinem Sport treu geblieben und trainiert neben einem strammen Fitnessprogramm zwei Mal wöchentlich im Singener Verein. Seine Leidenschaft für Taekwondo gibt er gerne weiter und unterrichtet Erwachsene und Kinder.

"Taekwondo kann im Prinzip jeder machen", sagt er. "Je früher man anfängt, desto besser. In unserem Verein nehmen wir Kinder ab der 4. Klasse." Es sei spannend zu beobachten, wie unterschiedlich Motivation und Fähigkeiten der Kinder sind, und ihre Entwicklung zu verfolgen. Voraussetzung für das Taekwondotraining sei der Spaß am Sport, so Gräber.

Die soziale Seite der Kampfkunst

Um erfolgreich zu sein, bräuchten die Kinder Willenskraft und Disziplin. Motivieren würden sie sich gegenseitig, indem sie sich an denen orientieren, die bereits einen "höheren Gürtel" hätten. "Unser Trainier-Team möchte den Kindern den Sport näherbringen, hinter dem wir voll und ganz stehen." Taekwondo hat schließlich nicht nur eine sportliche, sondern auch eine soziale und pädagogische Komponente. "Die Kinder lernen frühzeitig, sich ein Ziel zu stecken und merken, dass sie etwas tun müssen, um dieses zu erreichen. Diese Haltung lässt sich auch in den privaten und schulischen Bereich übertragen", so Patrick Gräber.

Lektionen für das Leben

Neben der Schulung von Konzentration, Reaktion, Schnelligkeit, Gleichgewichtssinn, Körperspannung, und Atem- und Körperkontrolle, würden die Kinder ihre eigenen Grenzen und Fähigkeiten besser kennenlernen und ein gutes Selbstbewusstsein entwickeln, erklärt Patrick Gräber. Nicht zuletzt spielen zudem der gegenseitige Respekt und das Gefühl sich wehren zu können eine entscheidende Rolle.

Und noch eines ist dem Sportler ganz wichtig. "Im Training tragen wir alle die gleichen weißen Anzüge. Es gibt keine Markenklamotten, kein arm, kein reich. Und durch den geringen Vereinsbeitrag ist der Sport für jeden finanziell zugänglich."