Nach einem längeren Planungsprozess samt Bürgerbeteiligung wurde jetzt die erste Fahrradstraße in Singen eröffnet. Die Strecke von der Bruderhofstraße bis zum Hegau-Gymnasium ist nun für Radfahrer in fünf bis sechs Minuten zu bewältigen.

Was lange währt, wird endlich gut – so lautet bekanntlich ein Spruch. Dieser passt auch zur Umsetzung der Fahrradstraße, denn es war ein längerer Prozess, bis sie nun offiziell eröffnet werden konnte. „Wir haben auch die Bürger mit einbezogen und dabei auch kritische Stimmen gehört“, sagte Oberbürgermeister Bernd Häusler. Viele Bürgern waren mit ihren Rädern zum Treffpunkt am Hegau-Gymnasium gekommen, um auf der neuen Fahrradstraße zu fahren. „Ich bin überglücklich, dass die Fahrradstraße eine so positive Resonanz erfährt“, sagte die Radverkehrsbeauftragte Petra Jacobi.

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Die Bürgerbeteiligung sei sinnvoll gewesen und hätte sehr gut geklappt. Anfang Mai hatte es eine nichtöffentliche Versammlung mit Anwohnern gegeben. Kurz darauf hatte sich der Ausschuss für Stadtplanung und Bauen für die Umsetzung entschieden und Wünsche der Anwohner berücksichtigt. Die Fahrradstraße wird im Bereich „Im Iben“ zwischen der Beethovenstraße und der Reichenaustraße unterbrochen. Dort ist es so eng, dass Anwohner befürchteten, sie können dort dann nicht mehr parken. Deshalb sei man diesen Kompromiss eingegangen.

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Auch von den Anwohnern waren einige bei der Eröffnung mit dem Rad gekommen. So zum Beispiel Brigitte und Erich Mallner sowie Fritz Möhrle. „Wenn ich aus meiner Einfahrt rausfahre, muss ich nun noch stärker aufpassen“, sagt Möhrle. Vor allem zu Stoßzeiten vor Schulbeginn oder wenn die Schule aus ist, denn viele Schüler dürften die Fahrradstraße nun nutzen. Aber insgesamt ändere sich nicht viel, weil nun die Fahrradfahrer in ihrer Straße Vorfahrt haben, so Brigitte Mallner.

Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Die Route der ersten Fahrradstraße führt von der Bruderhofstraße über die Straße „Im Iben“ bis zur Uhlandstraße, dann über die Schillerstraße bis zum Hegau-Gymnasium. Auf der Fahrradstraße dürfen Radfahrer übrigens nebeneinander fahren. An querenden Straßen, wo keine rote Markierung auf der Kreuzung ist, zum Beispiel an der Widerholdstraße, Beethovenstraße und Uhlandstraße, müssen Radler auf den querenden Verkehr achten.

Die Umbaumaßnahmen im Bereich des Belags, der sowieso erneuert werden musste, und die Anpassung der Kanaldeckel kosteten insgesamt 200 000 Euro. Dazu kommen rund 40 000 Euro für die Markierungs- und Beschilderungsarbeiten, so OB Häusler. Auch die Bodendelle in der August-Ruf-Straße an der Querung der Alemannenstraße wurde im Rahmen dieser Maßnahmen entfernt.

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Für die Zukunft plant die Stadt weitere Fahrradstraßen zwischen dem Twielfeld über den Randenbahnweg zum Gambrinus, in der Südstadt im Bereich der Worblinger Straße bis zur Unterführung bei der Maggi sowie vom Bruderhofgebiet in Richtung Innenstadt. „Diese Planungen sind zwar schon weiter fortgeschritten, aber noch nicht vom Gemeinderat beschlossen“, sagte Häusler. Eine Fahrradstraße von der Südstadt in die Innenstadt würde Christian Siebold jedenfalls begrüßen. Wenn die Umsetzung nun allerdings so lange dauere wie die Sanierung des Radwegs an der Rielasinger Straße, werde bis zur Realisierung wohl noch einige Zeit ins Land gehen.

 

Fakten und Termine

Eine Fahrradstraße ist an dem Verkehrszeichen mit einem weißen Fahrrad in einem blauen Kreis und dem schwarzen Schriftzug „Fahrradstraße“ auf weißem Hintergrund erkennbar. Auf einer explizit ausgeschilderten Fahrradstraße hat der Radverkehr Vorrang und sie darf nicht durch andere Fahrzeuge befahren oder von Fußgängern benutzt werden. Ausnahmen sind nur dann zugelassen, wenn für weiteren Verkehr ein Zusatzschild angebracht wird und maximal Tempo 30 erlaubt ist. Am Donnerstag, 24. Oktober findet ab 18 Uhr im Bürgersaal des Rathauses ein Bürgerworkshop über mögliche Routen für eine Radschnellverbindung von Konstanz über Radolfzell nach Singen statt.