Es war ein längerer Weg von der Grund- und Hauptschule zur Gemeinschaftsschule. Jetzt fehlen der Singener Beethovenschule nur noch ein paar Klassenräume zum perfekten Lernort. Glücklich wirken Schüler und Lehrer schon heute. Beim Besuch der Redaktion auf dem Schulhof herrscht am Schulsporttag eine fröhliche, beinahe freundschaftliche Atmosphäre zwischen Lehrern und Schülern. Während der Unterrichtszeiten befolgen in der Schule alle Anwesenden eine Flüstkultur auf den Gängen. "Ruhe ist eine der Grundvoraussetzungen für das Gelingen des neuen Schulmodells", erklärt Schulleiter Oliver Schmohl. Er ist überzeugter Vertreter der Gemeinschaftschule. Vor drei Jahren hat er zusammen mit seinem Lehrerkollegium begonnen, die Schule zu reformieren.

"Ab der fünften Klasse arbeiten wir in drei Stufen", erklärt Schmohl. In gemischten Klassen werde Grundlagenniveau, mittleres Niveau und erweitertes Niveau vermittelt. "Das entspricht den klassischen Schularten Haupt- und Realschule sowie Gymnasium. Dazu kommt der Sonderschulbereich." Die Lehrer leiten die Schüler zur Selbstständigkeit an und erwarten schließlich, dass diese das Erlernte in so genannten Kern-Nachweisen (also Klassenarbeiten) unter Beweis stellen. "Jeder Schüler schreibt seine Arbeit dann, wenn er sich bereit dazu fühlt", erklärt Schmohl. Der Stoff werde weitgehend individuell vermittelt. Das erfordere Vertrauen zwischen Schülern und Lehrern. "Wir haben deutlich mehr Anfragen von Eltern für diesen Schultyp, als wir befriedigen können", sagt Schmohl.

Die zweite Voraussetzung ist baulicher Natur. Nachdem die Mensa steht und den Ganztagesunterricht ermöglicht, fehlen jetzt Klassenräume. Mit einem dreigeschossigen Anbau soll das Hauptgebäude nach Westen erweitert werden. Auf jedem Stockwerk sind zwei Lernlandschaften sowie Fachräume entstehen. Während die Lernlandschaften wie Großraumbüros gestaltet werden, sollen auf den Fluren Rückzugsräume, so genannte Differenzierungsräume, für Gruppenarbeit entstehen.

Grundsätzlich findet der Anbau, über den ein barrierefreier Zugang zum Schulgebäude ermöglicht wird, im Gemeinderat große Zustimmung. Diskutiert wurde allerdings über den Verzicht auf den Passivhausstandard in dem Neubau. Hierdurch können rund 300 000 Euro eingespart werden. Allerdings hatte sich die Stadt im Rahmen des Energy-Awards bei öffentlichen Neubauten dazu verpflichtet.

Auch die Waldeckschule hatte sich für die Umwandlung zur Gemeinschaftsschule beworben, konnte allerdings keine Erweiterungsflächen mehr vorweisen. Die Beethovenschule verfügt über die nötige Fläche von 1300 Quadratmetern für den Anbau.

 

Die Schule in Zahlen

456 Schüler gehen derzeit in die Beethovenschule Singen. 35 Prozent davon haben einen Migrationshintergrund. Derzeit werden 58 Kinder ohne Deutschkenntnisse in drei Vorbereitungsklassen (VKL) auf den Unterricht vorbereitet. Seit drei Jahren wird sie zur Gemeinschaftsschule umgebaut. Insgesamt sind daran 68 Mitarbeiter beteiligt. 46 davon sind als Lehrer tätig. Der Unterricht findet in 20 Regelklassen und drei VKL-Klassen statt. (gtr)