In der dritten Runde der Tarifverhandlungen für die Mitarbeiter des Maggi-Werks in Singen ist es zu einer überraschend schnellen Einigung gekommen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und der Mutterkonzern Nestlé haben sich darauf geeinigt, dass die 720 Beschäftigen in Singen rückwirkend zum 1. August drei Prozent mehr Gehalt bekommen.

Warnstreik war wohl ausschlaggebend

Ab Juli des nächsten Jahres wird es eine weitere Lohnerhöhung um 2,6 Prozent geben. "Wir sind zufrieden", sagte NGG-Verhandlungsführer Uwe Hildebrandt dem SÜDKURIER. "Ich glaube, dass der Warnstreik am Dienstag, als in Singen 400 Leute vor den Toren von Maggi standen, ausschlaggebend dafür war, dass wir dieses Ergebnis gefunden haben."

Auch der Betriebsratsvorsitzende von Maggi in Singen, Alfred Gruber, wertete den Ausgang der dritten Tarifrunde als Erfolg. Ihm sei allerdings bewusst, dass die Verhandlungen zeitweise auf des Messers Schneide standen. „Es war eine ganz ganz harte Verhandlungsrunde“, blickte Gruber zurück.

Zwei Millionen Euro sollen zusätzlich gespart werden 

Dem Betriebsrat sei bekannt gewesen, dass der Konzern insgesamt vier Millionen an Lohnsumme einsparen wolle. „Deshalb ist es nicht ausgeschlossen, dass da jetzt andere Sachen ins Gespräch kommen“, so Gruber. „Wir werden aber weiter darum kämpfen, dass das, was wir erarbeitet haben, auch bei den Kollegen in der Tasche bleibt.“

Ein Nestlé-Sprecher gab zu bedenken, dass die Einigung „die Notwendigkeit zu Einsparungen alles andere als unterstütze“. Man müsse nun an anderer Stelle „wo auch immer“ zwei Millionen Euro zusätzlich sparen. „Die Einigung ist kein Zeichen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandorts Singen zu erhöhen“, sagte er. Jetzt müsse sich das Management in Singen zusammen mit der Maggi-Konzernzentrale in Frankfurt Gedanken machen, wie die gestiegenen Lohnkosten auszugleichen seien.

Die Gewerkschaft NGG hatte ursprünglich sechs Prozent mehr Lohn gefordert. Die Arbeitgeber wollen dagegen komplett auf Lohnerhöhungen verzichten und Kürzungen bei den Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld sowie eine Stunde unentgeltliche Mehrarbeit pro Woche durchsetzen. Nestlé ist mit 323¦000 Mitarbeitern und einem Umsatz von fast 90 Milliarden Schweizer Franken (76 Milliarden Euro) der größte Lebensmittelkonzern der Welt. Neben Maggi gehören auch Marken wie KitKat, Nespresso und Vittel zum Nestlé-Konzern.