Singen – Bei der Bildungspolitik in Baden-Württemberg besteht Handlungsbedarf, das zeigen die Vergleichsstudien der vergangenen zwei Jahre. Am Montag war Kultusministerin Susanne Eisenmann zu Besuch in der Region. Unter dem Titel "Klassentreffen – unterwegs in Sachen Bildung" besucht sie einmal im Monat jeweils einen anderen Schulamtsbezirk, um sich vor Ort ein Bild von der Situation an den Schulen zu machen. Dieses Mal besuchte sie die Evangelische Schule Schloss Gaienhofen und die Ekkehard-Realschule in Singen. Sie redete mit Schülern, den Schulträgern und Eltern und am Abend mit den verantwortlichen Schulleitern sowie den örtlichen Personalräten aus den Landkreisen Tuttlingen und Konstanz. Dabei referierte sie über aktuelle regionale bildungspolitische Themen.

Das Land ist längst nicht mehr Vorreiter bei der Bildung

War Baden-Württemberg noch vor zehn Jahren als hervorragendes Bildungsland Nummer 1 betitelt worden, zeigen die Vergleichsstudien heute in eine andere Richtung. Dabei ging es Ministerin Eisenmann nicht um die Schuldfrage, sondern darum, was künftig besser gemacht werden kann. Entgegen anders lautender Gerüchte würden die Ergebnisse der Vergleichsstudie nicht über ihrem Bett hängen, erklärte sie schmunzelnd.

Lehrer fehlen überall

Ein alle betreffendes Thema war der überall beklagte Lehrermangel. "Grundvoraussetzung für einen qualitätsvollen Unterricht ist, dass er stattfindet", so die Ministerin. "Momentan ist es leichter, Geld auszugeben, als Stellen zu besetzen", so die Ministerin weiter. Erst ab dem Jahr 2020 hätte man wieder Boden unter den Füßen. Das Problem hätte man rechtzeitig erkennen können. Der Grund für den Lehrermangel sei ein Planungsfehler. Eine überproportionale Pensionierungswelle hatte man nicht korrekt berücksichtigt.

Warum Grundschulempfehlungen doch wieder vorgelegt werden müssen

Die Definition mancher Eltern, welcher der beste Bildungsweg ihrer Kinder sei, nämlich Grundschule–Abitur–Studium, sei nicht immer der beste. Wenn wegen Überforderung die Schulart gewechselt werden müsse, sei dies keine motivierende Schulkarriere. Auch deshalb wurde die Grundschulempfehlung überarbeitet. Ab dem aktuellen Schuljahr müssen diese den weiterführenden Schulen wieder vorgelegt werden. Abhängig von der Empfehlung beraten die Schulleiter dann Eltern und Schüler, welche Schule ab Klasse 5 besucht werden soll. Denn hier gehe es um das Wohl des Kindes und nicht um die Wunschvorstellungen der Eltern. Dabei müsse man die verschiedenen Schularten in Baden-Württemberg in einer Parallelität und nicht in einer hierarchischen Ordnung sehen. Keiner gehe "rauf oder runter" vom Gymnasium. Die verschiedenen Schularten müssen in der Gesellschaft gleichwertig angesehen werden, ein Besser oder Schlechter gebe es nicht.

Digitalisierung darf nicht zum Mantra werden

Beim Thema digitale Medien rät Kultusministerin Susanne Eisenmann zu einem differenzierten Umgang. Bei der Diskussion in Deutschland müsse man aufpassen, dass die Digitalisierung nicht zum Mantra werde. Ein Buch durch einen Laptop zu ersetzen oder Wischen statt Lesen sei kein pädagogischer Ansatz. Unbestritten sei jedoch, dass die Schulen im Land bei der digitalen Ausstattung Nachholbedarf hätten. Dabei gehe es nicht um ein Ersetzen der bewährten Lernmethoden, sondern um ein Ergänzen.

Gemeinsam auf dem Podium (von links) Moderator Sebastian Grote, Karlheinz Deußen, Leiter des Staatlichen Schulamts Konstanz, Kultusministerin Susanne Eisenmann und Thomas Hecht, Abteilungspräsident Schule und Bildung am RP Freiburg.
Gemeinsam auf dem Podium (von links) Moderator Sebastian Grote, Karlheinz Deußen, Leiter des Staatlichen Schulamts Konstanz, Kultusministerin Susanne Eisenmann und Thomas Hecht, Abteilungspräsident Schule und Bildung am RP Freiburg.

Im Anschluss an die Rede der Ministerin stand sie für Fragen zur Vertiefung der Themen zur Verfügung. Die Anliegen der Schulleiter bezogen sich auf eher praktische Details der Bildungspolitik. Beantwortet wurden sie von der Ministerin. Die mit auf das Podium gebetenen Herren, Thomas Hecht, Abteilungspräsident (Schule und Bildung) am Regierungspräsidium Freiburg und Karlheinz Deußen, Leiter des Staatlichen Schulamtes Konstanz, agierten als aufmerksame Zuhörer.