Zu Weihnachten darf man sich etwas wünschen. Im Falle von Constellium-Geschäftsführer Jochen Chwalisz dürfte der Wunschzettel jenem Flyer, der zu Beginn der firmeninternen Rentner-Weihnachtsfeier verteilt wurde, ziemlich ähnlich sehen. Darauf abgedruckt: eine Werbebotschaft, mit der man potenzielle Mitarbeiter ansprechen möchte. Constellium sei auf der Suche nach neuen Arbeitskräften, betonte Jochen Chwalisz dann auch in seiner Ansprache vor den ehemaligen Mitarbeitern des Unternehmens im Gemeinschaftshaus.

"Wir konnten das Produktionsvolumen seit 2014 um 20.000 Tonnen steigern und bewegen uns derzeit bei 280.000 Tonnen." Mehr Volumen brauche aber auch mehr Menschen, die die Aufträge erledigen, rechnete der Geschäftsführer vor. Chwalisz bat die Gäste der Rentner-Weihnachtsfeier deshalb, im Familien- und Bekanntenkreis als Multiplikatoren zu dienen. Besonders bei der Suche nach neuen Azubis sei man dankbar für Hilfe.

Langzeitkranke bereiten Sorgen

"Wir müssen unsere Belegschaft verjüngen", pflichtete Betriebsratsvorsitzender Heinrich Holl bei. In seiner Rede lobte er, dass es gelungen sei, in den vergangenen zwei Jahren 260 neue Mitarbeiter einzustellen. Dieses Wachstum bringe aber auch Probleme mit sich. So habe der Betriebsrat schon länger angemahnt, dass man die Zahl von Ausbildern und Auszubildenden aufstocken müsse. Zudem seien die Personalabteilungen aus Sicht des Betriebsrats unterbesetzt. "Probleme entstehen auch dadurch, dass wir keine Person mehr haben, die hauptamtlich und vollzeitig die Gesamtverantwortung für die Personalabteilungen übernimmt."

Betriebsratsvorsitzender Heinrich Holl sieht einen Zusammenhang zwischen der Zollpolitik Donald Trumps und dem Wachstum des Unternehmens.
Betriebsratsvorsitzender Heinrich Holl sieht einen Zusammenhang zwischen der Zollpolitik Donald Trumps und dem Wachstum des Unternehmens. | Bild: Schottmüller, Daniel

Eine weitere Personalie, die der Betriebsratsvorsitzende in den Fokus rückte, war die des Werksarztes. "Herr Dr. Neumann geht im Laufe des kommenden Jahres in den wohlverdienten Ruhestand und es gestaltet sich nicht ganz einfach, eine vernünftige Nachfolge zu finden."

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Heinrich Holl ließ auch die erhöhten Krankenstände im Walzwerk nicht unerwähnt. Dass es sich bei zahlreichen der beeinträchtigen Mitarbeiter um Langzeitkranke handele, nahm er zum Anlass darauf hinzuweisen, dass ein Renteneintrittsalter von 67 Jahren im Hinblick auf die im Unternehmen zu leistende Arbeit unrealistisch sei. "Im Dreischichtbetrieb schaffen es die Kollegen kaum, bis 65 durchzuhalten."

Wenn Trump schlecht schläft

Die Belastung der Mitarbeiter hänge auch damit zusammen, dass Constellium im Automobilbereich gigantisches Wachstum verzeichnen könne. Ein Mitfaktor: Die Zollpolitik von US-Präsident Trump. Dass das Walzwerk derzeit mit einem profitablen Produkt ausgelastet sei, erkläre sich dadurch, dass China eben dieses Produkt nicht mehr in die USA liefern dürfe, führte Holl aus. "Aber, wenn Trump mal schlecht schläft, kann der Auftrag schon wieder weg sein." Seinen Weihnachtswunsch fasst der Betriebsratsvorsitzende so zusammen: "eine verjüngte, gesunde, motivierte und hochqualifizierte Mannschaft."