Singen Maßnahme gegen illegale Zuwanderung: Singener Güterbahnhof im Fokus der Bundespolizei

Hubschrauber-Einsätze der Bundespolizei beunruhigen Bürger. Aktion ist Maßnahme gegen illegale Zuwanderung. Laut Ermittlern ist Singen bislang kein Ziel für Einwanderer auf Güterwaggons.

Morgens um sieben ist die Welt unterm Hohentwiel oft nicht mehr in Ordnung. Meist schon kurz vor 6 Uhr reißt das dumpfe Dröhnen von Hubschrauber-Rotoren die Singener aus dem Schlaf – immer wieder mit unheimlicher Regelmäßigkeit. Das beunruhigt nicht wenige Menschen in Singen. "Muss man sich Gedanken machen? Ist das der Zoll oder die Polizei, die jemanden suchen", fragt sich Katrin Kretzschmar. Sie wohnt in der Singener Scheffelstraße und nicht nur sie wundert sich über die wiederkehrenden Einsatzzeiten. "Am vergangenen Samstag war er ab 5.30 Uhr sogar eineinhalb Stunden aktiv und er kommt nicht vom Krankenhaus, den sehe und höre ich ja so schon wöchentlich des Öfteren", so Kretzschmar.

Von vielen Lesern kamen derartige Anfragen vergangene Woche. "Liegen ihnen irgendwelche Berichte oder Infos zu den Hubschraubereinsätzen der Polizei in Singen letzter Zeit vor", fragt zum Beispiel Timo Ruß, der das Geschehen ebenfalls beunruhigt verfolgt. Zuletzt wurden die Hubschrauber am Dienstag wahrgenommen, im Tiefflug im Kreis drehend über der Stadt. Im Blick haben die Ermittler dabei das Bahngelände, wie Christian Blohm, Sprecher der Bundespolizei in Konstanz, erklärt: "Die Bundespolizei ist dafür zuständig auf dem Gebiet der Bahnanlagen Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwehren." Auch die Bundespolizeiinspektion Konstanz überwache daher regelmäßig die Anlagen der Bahn innerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches. Da die Bundespolizei über mehrere Helikopter verfüge, kämen gelegentlich auch Hubschrauber zum Einsatz – wie zuletzt in Singen. "Es handelt sich hier um Routine-Maßnahmen der Bundespolizei, die aber den aktuellen Lageerkenntnissen natürlich jeweils angepasst sind", so Blohm. Grund zur Besorgnis bestehe für die Bevölkerung nicht. Es handele sich nicht um konkrete Fahndungen, sondern um die Überwachung illegaler Einreise. 

Bei der Suche nach illegalen Einwanderen kommen die Hubschrauber der Bundespolizei zum Einsatz.
Bei der Suche nach illegalen Einwanderen kommen die Hubschrauber der Bundespolizei zum Einsatz. | Bild: Bundespolizei

Denn nicht zuletzt die Bundespolizei in Bayern beobachtet seit einiger Zeit, dass Flüchtlinge Güterzüge nutzen, um unerlaubt nach Deutschland zu gelangen. Laut Bundespolizeidirektion München wurden im ersten Halbjahr 220 Fälle dieser gefährlichen Einreisen in Bayern festgestellt – allein im Juli 174. Besonders beliebt seien dabei Transporte im kombinierten Verkehr, wie sie ein Unternehmen in Singen anbietet. Die auf Waggons abgestellten Lastzüge bieten ideale Möglichkeiten, unerkannt zu reisen. Ein Blick auf die Fahrpläne lässt den Zusammenhang mit den Hubschraubereinsetzen schnell deutlich werden. "Personen, die unerlaubt nach Deutschland einreisen, nutzen unserer Erfahrung nach alle Verkehrsmittel", erklärt Bluhm auf Nachfrage des SÜDKURIER. Die Überwachungsmaßnahmen hätten daher auch dies im Blick. "Sofern ein Hubschrauber der Bundespolizei, wie in Singen in den letzten Tagen geschehen, die Bahnanlagen überwacht, werden daher auch Güterbahnhöfe und entsprechende Züge mit in diese Überwachung einbezogen", so Bluhm. Je nach Lage werde dies kurzfristig auch intensiviert. Aber einen tatsächlichen Schwerpunkt unerlaubter Einreisen könne von der Bundespolizeiinspektion Konstanz innerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches bislang nicht festgestellt werden. "Es liegen keine nennenswerten Aufgriffszahlen bezogen auf diesen Modus operandi in unserem Zuständigkeitsbereich vor", betont Blohm. Die Entwicklung werde aber weiterhin beobachtet.

Das Einsatzgebiet

Die Bundespolizei ist für die Kontrolle des Einreiseverkehrs zuständig. Auf dem Gebiet der Bahnanlagen ist sie zuständig, um Gefahren für die öffentliche Sicherheit abzuwehren. Insgesamt über 80 Hubschrauber der Bundespolizei sind im Einsatz – im vergangenen Jahr über 21 000 Stunden. Da derzeit nicht ausgeschlossen werden kann, dass auch der Singener Güterbahnhof zum Ziel unerlaubter Einreisen werden kann, dürfte auch künftig mit weiteren Schwerpunktkontrollen gerechnet werden. (bie)

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