Sibylle Möbius ist von Haus aus Tierärztin. Aber als Blühbotschafterin engagiert sie sich für ein bisschen mehr Naturschutz in der Hegau-Landschaft. Ihr Ziel lautet dabei, Lebensräume für Wildtiere schaffen – von Wildbienen bis zu Singvögeln. Allein an Wildbienen gibt es rund 300 Arten im Hegau. Aber auch die Schmetterlinge zählen zu den wichtigen Lebewesen im Nahrungskreislauf. „Wir dürfen den Gedanken der Kreislaufwirtschaft nicht aus dem Blick verlieren“, rät auch Sibylle Möbius zu wilden Ecken im Garten.

Eine Spiel- und eine Blühfläche

Gerade für junge Familien mit Haustieren wie Kaninchen oder Meerschweinchen, könne es interessant sein, einen Blühstreifen am Gartenrand anzulegen – denn ein Rasen ist artenarm. „Im Idealfall des Englischen Rasens wachsen dort keine Blütenpflanzen, nicht einmal Gänseblümchen. Für Bienen und Hummeln und alle anderen Blütenbesucher ist so ein Rasen völlig uninteressant“, erklärt Ulrike Großmann vom Internetportal Naturschutz im Garten. Doch so ein Rasen ist relativ trittfest und daher gut geeignet als Spielfläche für Kinder. Eine Wiese benötigt viel weniger Pflege. „Zwei bis drei Mal mal im Jahr mähen und im Herbst das Laub entfernen, mehr ist nicht nötig“, so Möbius. Die bunte Blumenwiese sieht hübsch aus, ist aber nur eingeschränkt begehbar. Dennoch kann es sich lohnen, eine nährstoffarme Wiese am Grundstücksrand anzulegen, in der Gras- und Blumensamen ausreifen dürfen. Das ist attraktiv für die Körnerfresser unter den Vögeln und auch Raupen und andere Insektenlarven haben eine Chance. „Einen Blühstreifen, der von April bis September blüht, kann man auch in einem kleinen Garten anlegen“, so Möbius. Je magerer der sei, desto größer ist der Nutzen für den Artenschutz, und desto leckerer ist die Ernte nach dem Mähen für die kleinen Nager.

Im Wildrasen wächst der Klee

Eine andere Möglichkeit ist der Wildrasen. Im Gegensatz zur Wiese wird er regelmäßig gemäht, lässt aber Platz für trittfeste Pflanzen, wie Gänseblümchen und Klee. Mit Krokussen und anderen Frühlingsblühern lässt sich ein Wildrasen recht einfach für Wildbienen und Hummeln attraktiver machen.

„Unterschätzt die Gänseblümchen nicht“, sagt Möbius und rät, den Rasen nicht zu oft und nicht zu kurz zu mähen. Mit regelmäßigen Vorträgen für den Verein Naturgarten macht die 63-jährige Bohlingerin auf ihr Thema aufmerksam und nutzt dabei auch gerne die Reichweite des Landessenders SWR, der erst vor Kurzem zu Besuch in ihrem Garten am Ortsrand von Bohlingen war. Dabei hat sie eines schnell gelernt: Nicht immer entsprechen die Produktversprechen hübscher Verpackungen im Supermarkt der Wirklichkeit: „Bunt fürs Auge ist nicht immer gut für die Insekten“, warnt sie vor Blühmischungen, die nur den Anschein haben, als seien sie bienenfreundlich.

Der Natur ihren Lauf lassen

Statt im Gartencenter überzüchtete Arten mit üppig gefüllten Blütenständen zu wählen, sei es manchmal besser, der Natur ihren Lauf zu lassen und regionale Gewächse zu fördern. „Ein schöner, bunter Garten – das geht auch ohne Exoten“, sagt sie und rät, erst mal zu schauen, was denn da so kommt, wenn ein vermeintliches Unkraut aus dem Boden wächst – nicht immer handele es sich auch um selbiges. Egal ob Johanniskraut, Schafgarbe, wilde Möhre, Dost oder Pipan sich ansiedeln – allesamt seien dekorativ und insektenfreundlich. „Ratsam ist ein gutes Bestimmungsbuch“, weiß Möbius: „Wir haben so schöne einheimische Pflanzen.“

Saatgut prüfen

Sie kam 1991 aus Bayern an den Bodensee und ist längst im Hegau heimisch geworden. Wichtig ist ihr, Saatgut von renommierten Firmen zu erwerben. Stichworte, auf die man achten sollte, seien autochthon und endemisch. Endemisch bedeutet, das die Arten nur in einem bestimmten Gebiet natürlich vorkommen. Eine Art, die nur in einem bestimmten Gebiet vorkommt und auch nur dort entstanden ist, nennt man autochthon. Das – so Möbius – sei dann das höchste Qualitätssiegel.