Es herrscht Aufbruchstimmung in der Singener Kunstszene. Das liegt zum Einen an dem rapide gewachsenen Angebot; das liegt aber auch am Kunstverein, der jetzt die Gunst der Stunde nutzen will, um mehr Präsenz zu zeigen, mehr Begegnungen zwischen Künstlern und Publikum zu schaffen und gleichzeitig angehende Kunstschaffende zu fördern.

Einer, der die Künstler und die Kunstszene in Singen immer gefördert hat, ist der frühere Sparkassendirektor Heinz Troppmann. Museumsleiter Christoph Bauer attestiert ihm einen untrüglichen Blick für Qualität. "Ohne Heinz Troppmann", so ist Bauer überzeugt, "hätte es die Kunstausstellung 'Hier Da und Dort' zur Landesgartenschau nicht gegeben. Als Leiter einer kommunalen Bank hat er seinen öffentlichen Auftrag sehr ernst genommen und hochwertige Gegenwartskunst gesammelt. Jetzt, da die Hauptstelle der Sparkasse vollständig erneuert wird, liegt die Sammlung im Depot des Singener Kunstmuseums. Das brachte nun den Kunstverein, in dem Heinz Troppman ebenfalls seit Jahrzehnten Mitglied ist, auf die Idee, ihm zu Ehren eine Ausstellung mit Werken aus der Sparkassensammlung zu zeigen. Unter dem Titel "Zu Ehren" wird diese Ausstellung am Freitag, 10. Juni, um 19.30 Uhr im Kunstmuseum eröffnet.

Angespornt auch durch die quirlige Galeristin Helena Vayhinger, die jahrzehntelang Künstler im Schaffensprozess begleitet, wagt sich der Kunstverein jetzt an ein ganz neues Projekt: "Wir haben Studierende der Kunsthochschule Halle aus der Klasse von Andrea Zaumseil für zwei Wochen nach Singen eingeladen", erklärt der Vereinsvorsitzende Jörg Wuhrer. Damit knüpft der Kunstverein an ein früheres Kunstprojekt im Umspannwerk an. Vom 10. bis 27. Juni werden die jungen Leute im Singener Sennhof leben und in einer Art offenen Atelier arbeiten. Arbeiten von Andrea Zaumseil sind derzeit im Kunstmuseum zu sehen. Begleitend dazu gibt es ein Künstlergespräch am Sonntag um 11 Uhr, eine neue Ausstellung von Andrea Zaumseil in der Galerie Vayhinger um 13 Uhr sowie die Eröffnung des Projektes "komm und guck" der jungen Studierenden im Sennhof um 16 Uhr.

"Das wird ein kleiner Kunstmarathon", sagt Helena Vayhinger, die jetzt schon sehr gespannt auf den Dialog der jungen Künstler mit den Menschen in der Stadt ist. Alles ist offen. Die Studierenden wollen sich mit der ihnen unbekannten Umgebung auseinandersetzen und mit ihren Arbeiten den Raum neu definieren. Andererseits sind die Singener eingeladen, die Künstler in ihrem Porjektraum im Sennhof zu besuchen. Die Koordination hat Luisa Banhardt im Rahmen ihres Masterstudiengangs Kulturmanagement übernommen.

Der Kunstverein will diesem Pilotprojekt weitere folgen lassen, um die reiche Singener Kunstszene durch den Austausch, Impulse und Interventionen noch weiter zu beleben. Dazu passt auch sehr gut der Kunststammtisch an jedem zweiten Donnerstag im Monat, den der Kunstverein im Foyer des Kunstmuseums ausrichten möchte. Den hatten Singener Künstler und Kunstinteressierte im Rahmen einer SÜDKURIER-Diskussion im MAC-Museum dringend gefordert. In nur sehr kurzer Zeit wird diese Idee nun umgesetzt. Das zeigt, dass der Kunstverein sich noch intensiver als bisher für eine lebendige Kunstszene einsetzen will. "Damit der Kunstverein in höherem Maße wahrgenommen wird", erklärt Jörg Wuhrer.
 

Der Kunstverein Singen

Im November 1960 wurde der Singener Kunstverein gegründet. Ein halbes Jahr später fand die erste Mitgliederversammlung mit damals 45 Mitgliedern unter der Leitung des ersten Vorsitzenden Dr. Maurmann statt. Die erste Ausstellung widmete der junge Verein dem Künstler Curt Georg Becker. Als Vereinszweck nannten die Gründer die Mitgliederwerbung und die gemeinsame Besichtigung auswärtiger Ausstellungen. Regelmäßig zeigt der Verein, der heute 270 Mitglieder zähl, Ausstellungen im Kunstmuseum. Um das Haus noch mehr zu beleben, wird er einen monatlichen Kunst-Stammtisch im Museum einführen. Im Rahmen von "Der SÜDKURIER gibt einen aus" im MAC-Museum hatten Künstler das als dringenden Wunsch formuliert.