Von Kindern kann man lernen. Bauen sie Mist, dann reicht ihr Spektrum des Fehler-Managements vom Joke bis zum unterwürfigen mea culpa. Da geht wegen kindlichem Übermut ein Teller zu Bruch und was macht der Knirps? Er grinst mit vom Kakao verschmierten Mund von einem Ohr zum anderen und kein Mensch kann ihm wirklich böse sein. Hat der Dreikäsehoch aber was wirklich Schlimmes angestellt, dann ist Schluss mit lustig und es wird vorsorglich Rotz und Wasser geheult. Beides hat den Zweck, einer ernsthaften Bestrafung zu entgehen, was meistens gelingt. Die Blagen haben's eben faustdick hinter den Ohren und Susanne Eisenmann täte gut daran, sich an ihnen ein Beispiel zu nehmen. Die Kultusministerin hat zwar den ersten Teil des kindlichen Umgangs mit Patzern ganz gut drauf. Aber wenn's um einen echten Hammer geht, dann kommt sie auf null Punkte.

Die Politikerin

Beleg dafür ist ihr Besuch in dieser Woche in der Ekkehard-Realschule in Singen. Nonchalant ging die Politikerin auf den Lehrermangel mit der witzelnden Bemerkung ein, dass "Grundvoraussetzung für einen qualitätsvollen Unterricht ist, dass er stattfindet". Da wird der Tinnitus im Ohr manch eines stressgeplagten Lehrers in höchsten Tönen gepfiffen haben, denn mit einem Joke lässt sich der Planungsfehler des Ministeriums nun wirklich nicht abtun. Asche aufs Haupt jedenfalls wäre in diesem Fall besser gewesen, zumal die Ministerin den Fehler im eigenen Haus unumwunden einräumte. Oder war's nicht eher Dummheit? Die Entschuldigung jedenfalls, dass man die "Pensionierungswelle nicht korrekt berücksichtigt" habe, ist keine. Die Grundrechnungsarten stehen bereits in der Grundschule auf dem Lehrplan und dass man sie bei der Personalplanung offensichtlich nicht anwendete, ist nur eines: hochnotpeinlich.

Die Schulmanager

Zur Verteidigung der Ministerin mag man einwenden, dass sie das Amt erst seit 2016 innehat. Und außerdem stand sie tapfer Rede und Antwort für Fragen von Schulleitern, bei denen es auch um etliche Details ging. Damit dürfte sie sich letztlich doch noch ganz gut aus der bildungspolitischen Affäre gezogen haben. Für ihren beiden Podiums-Beisitzer vom Regierungspräsidium Freiburg und staatlichen Schulamt Konstanz gilt das weniger. SÜDKURIER-Mitarbeiterin Sandra Bossenmaier, die über den Besuch der Ministerin berichtete, fand dafür eine Formulierung, die so gut ist, dass sie an dieser Stelle einfach noch einmal hervorgehoben sei: Die beiden Schulmanager "agierten als aufmerksame Zuhörer".