Die Bildungsakademie der Handwerkskammer Konstanz sieht sich als kompetenter Partner der Wirtschaft. Was am Standort Singen geboten wird, darüber informierten sich kürzlich die Grünen-Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Singen, Dorothea Wehinger, und der Fraktionsvorsitzende im Landtag, Andreas Schwarz.

Die CNC-Werkstatt war die erste Station beim Rundgang durch die Werkstätten. Hier empfing Bernd Linder, zuständig für die überbetriebliche Ausbildung, die Gäste. Bei der Arbeit waren hier gerade die zukünftigen Meister im Metallbau, Ioan Negrutiu, Simon Bleyer, Patrick Weiß und Mario König.

Die vier jungen Männer machen einen fünfmonatigen Vollzeitkurs zum Meister. Rund 10 000 bis 12 000 Euro kostet sie diese Maßnahme. Dafür verzichten sie in dieser Zeit auf Lohn.

"Warum wird die Meisterausbildung nicht mit dem Bachelor-Niveau gleichgesetzt?"

"Warum wird die Meisterausbildung nicht mit dem Bachelor-Niveau gleichgesetzt?", wollte Simon Bleyer wissen. Schließlich sei das Bachelor-Studium quasi umsonst. Als Meisterschüler müssten sie aber entweder ein Zimmer in der Stadt nehmen, wo sie den Meister machen, oder eine Fahrgemeinschaft bilden.

Ioan Negrutiu, Simon Bleyer und Patrick Weiß kommen alle aus dem Raum Waldshut und fahren während der fünf Monate als Fahrgemeinschaft täglich 156 Kilometer zur Ausbildungsstätte nach Singen und zurück.

Während Auszubildende im "Hochvolt"-Bereich arbeiten, erläutert (hinten, von links) Markus Moser (Lehrmeister im Kfz-Bereich) Hansjörg Blender (Kreishandwerkermeister), Andreas Schwarz (Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag), Dorothea Wehinger (Grüne Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Singen) und Raimund Kegel (stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Konstanz), wie die Ausbildung organisiert wird. Bilder: Susanne Gehrmann-Röhm
Während Auszubildende im "Hochvolt"-Bereich arbeiten, erläutert (hinten, von links) Markus Moser (Lehrmeister im Kfz-Bereich) Hansjörg Blender (Kreishandwerkermeister), Andreas Schwarz (Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag), Dorothea Wehinger (Grüne Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Singen) und Raimund Kegel (stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Konstanz), wie die Ausbildung organisiert wird. | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Für Patrick Weiß und Mario König stand die Ausbildung zum Meister aber von Anfang an fest, denn sie wollen die Betriebe ihrer Eltern übernehmen. Auch Simon Bleyer möchte sich danach selbstständig machen. Alle Vier sind sehr zufrieden damit, wie es an der Bildungsakademie läuft.

Der Bereich Metallbau wird im zweiten Halbjahr mit weiteren modernen Maschinen, wie einer digitalen Abkantpresse, ausgestattet, berichtete die Leiterin der Bildungsakademie, Karin Marxer. "Mit den neuen Maschinen muss man umdenken, beispielsweise beim Fräsen", sagte Bernd Linder, der für die überbetriebliche Ausbildung zuständig ist.

Fortbildungen gehören dazu

Deshalb gehören Fortbildungen im Beruf natürlich dazu. "Die Basics muss ich drauf haben", ergänzt Linder, womit er beispielsweise die Fertigkeit, einen Radius von Hand zu feilen, meint. Er zeigt eine Metallplatte mit eingravierter Bodenseekarte. Dafür hätte man vor vielen Jahren von Hand einen Tag gebraucht, heute würden dies Maschinen in fünf Minuten erledigen.

Andreas Schwarz räumte ein, dass das Land bei den Kosten für die Meisterfortbildung was machen müsse. Derzeit werde geprüft, ob man Gelder in den Doppelhaushalt nehmen werde, um bei Betriebsübernahmen oder Betriebsgründungen eine Prämie zahlen zu können.

Kreishandwerksmeister Hansjörg Blender ist überzeugt, dass im Handwerk die Ausbildungsrendite am höchsten ist, wenn jemand mit 15 bis 17 Jahren eine Lehre beginnt. Dann könnte er oder sie drei bis fünf Jahre als Geselle arbeiten und mit etwa 25 Jahren die Meisterschule besuchen. Es sollte für jeden Meister eine Förderung geben, denn Meister würden in den Betrieben als Anleiter gebraucht.

Die Politiker besuchten auch den Bereich "Hochvolt", wo Lehrlinge zum Kfz-Mechatroniker im 3. Lehrjahr gerade im Rahmen der überbetrieblichen Ausbildung beschäftigt waren. Markus Moser, Lehrmeister im Kfz-Bereich, sieht dieses Üben "als verlängerten Arm des Betriebes".

Bekenntnis zur dualen Ausbildung

Dorothea Wehinger unterstrich, dass ihr starkes Handwerk in der Region am Herzen liege. "Das Handwerk gehört zum Reichtum des Wahlkreises und der Mehrwert der Bildungsakademie ist enorm", so Wehinger. Auch Andreas Schwarz bekannte sich zur dualen Ausbildung.

Woran es im Handwerk allerdings harzt, ist die Tatsache, dass der Nachwuchs aus der Hauptschule fehlt. Und die, die von der Hauptschule kommen, bringen oft in Mathe und Deutsch nicht die nötigen Voraussetzungen mit, so die Erfahrung von Kurt Hugel, Obermeister der Metall-Innung. Wichtig sei auch, Stütz- und Förderunterricht in den Berufsschulen anzubieten, meinte Blender.

Raimund Kegel, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, drückte sein Unverständnis darüber aus, dass so genannte Nicht-Erfüller (Lehrkräfte mit Lehramtsausbildung aber ohne Referendariat) keine feste Stelle bekommen: "Das ist nicht sozialkompatibel."

Die Akademie und ihr Umfeld

  • Die Bildungsakademie: Die Handwerkskammer unterhält Akademien in Singen, Rottweil, Waldshut und Villingen. Das Angebot umfasst Meisterschulen, gewerblich-technische Bildungsangebote, Seminare zur Unternehmensführung, DVS-Prüfungen im Schweißen, kaufmännische Kurse, Betriebs- und Fachwirtekurse, Bachelor- und Masterabschlüsse und individuelle Seminare.
  • Das Handwerk: Ende 2018 gab es im Landkreis Konstanz 3419 Unternehmen mit 1148 Auszubildenden. Im gesamten Einzugsgebiet der Handwerkskammer Konstanz – also inklusive der anderen vier Landkreise Schwarzwald-Baar, Waldshut, Rottweil und Tuttlingen – waren es 12289 Betriebe mit insgesamt 4255 Auszubildenden.
  • Die Top-Ten der Berufe in der Reihenfolge der Nennung (nach Anzahl der Betriebe): Frisör (1051), Kraftfahrzeugtechniker (769), Elektrotechniker (650), Installateur und Heizungsbauer (639), Maler und Lackierer (515), Schreiner (457), Zimmerer (426), Maurer und Betonbauer (382), Metallbauer (264) sowie Feinwerkmechaniker (230).

Informationen im Internet:
http://www.bildungsakademie.de