Großer Zirkus, beste Unterhaltung, herrliche Akrobatik und klassische Musik: Welchen Spaß diese Kombination bereiten kann, haben Artisten und Musiker auf dem Singener Rathausplatz unter Beweis gestellt. Im Rahmen des Kulturschwerpunktes „Singen im Takt“ präsentierten die Singener Organisatoren mit den Konstanzer Sinfonikern ein Novum: Klassik und Artistik lautete die Formel beim außergewöhnlichen Programm unter der großen Kuppel zwischen Rathaus und Stadthalle. Umrahmt von bekannten Klassikmelodien, von der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz unter der Leitung von Gábor Káli intoniert, präsentierten international renommierte Artisten ihr Können und der zauberhafte Gastgeber Julian Button wusste am Mittwochabend – nur wenige Stunden nach den historischen WM-Vorrundenaus der Nationalmannschaft, woran es in der Republik fehlt: an talentierten Fußballern.

Julian Button wusste am Mittwochabend – nur wenige Stunden nach den historischen WM-Vorrundenaus der Nationalmannschaft, woran es in der Republik fehlt: an talentierten Fußballern. Und er wusste auch, wo man sie dennoch finden kann: in Singen. Zum Beispiel den elfjährigen Moritz. Er war der erste Besucher des Abends, der es auf die große Bühne geschafft hat – und es wurden noch mehr.
Julian Button wusste am Mittwochabend – nur wenige Stunden nach den historischen WM-Vorrundenaus der Nationalmannschaft, woran es in der Republik fehlt: an talentierten Fußballern. Und er wusste auch, wo man sie dennoch finden kann: in Singen. Zum Beispiel den elfjährigen Moritz. Er war der erste Besucher des Abends, der es auf die große Bühne geschafft hat – und es wurden noch mehr. | Bild: Biehler, Matthias

Und er wusste auch, wo man sie dennoch finden kann: in Singen. Zum Beispiel den elfjährigen Moritz. Er war der erste Besucher des Abends, der es auf die große Bühne geschafft hat – und es wurden noch mehr. Denn das Konzept sorgte nicht nur mit artistischen Höchstleistungen und schwungvollen Melodien für Unterhaltung, sondern auch durch viel Lokalkolorit. Das wurde schon zum Beginn der großartigen Schau deutlich. Die Zirkus-AG des Friedrich-Wöhler-Gymnasiums startete mit Sprungkraft und zu Strauss' spritziger „Tritsch-Tratsch-Polka“ ins Programm. "Wenn es bei mir auch Zirkus als Schulfach gegeben hätte, wer weiß, was aus mir geworden wäre", sinnierte Button.

Viel Harmonie versprühte das Dou Yingling mit einer zarten Antipoden-Nummer.
Viel Harmonie versprühte das Dou Yingling mit einer zarten Antipoden-Nummer. | Bild: Biehler, Matthias

Die chinesische Schule der Artistik hat das Duo Yingling absolviert und brachte eine zarte Antipoden-Nummer mit tanzenden Schirmen auf die Bühne, bevor die „3 Funky Monkeys“ aus Berlin zu Jean Sibelius sinfonischer Dichtung „Finlandia” Hip-Hop-Moves zu klassischer Musik präsentierten. "Die Musik war speziell mit jedem Künstler abgesprochen", verriet Beat Fehlmann, der scheidende Intendant der Philharmonie. Musik und Artistik sind minutiös aufeinander abgestimmt. Die Musikauswahl umfasst populäre Werke von Wolfgang Amadeus Mozart bis Jean Sibelius. Das Programm moderiert der Zauberer Julian Button. Beat Fehlmann, Intendant der Südwestdeutschen Philharmonie, hat das Programm eigens für Singen konzipiert. "Es ist der erste Open-Air-Auftritt des Konstanzer Orchesters dieser Art", so Fehlmann.

Die Twin Spins aus Berlin begeisterten mit ihrer schnell getakteten Gummiball-Nummer auf dem Rathausplatz in Singen.
Die Twin Spins aus Berlin begeisterten mit ihrer schnell getakteten Gummiball-Nummer auf dem Rathausplatz in Singen. | Bild: Biehler, Matthias

Auch die Künstler zeigten sich fasziniert von der neuartigen Verknüpfung. "Da waren wir sofort mit dabei, auch wenn der Aufwand riesig war", verrät Ralf Lindner vom Duo Farello. Auf dem Einrad hat er mit seiner Partnerin Jacqueline Marschan zu Rimski-Korsakows legendärem „Hummelflug“ eine rasante Nummer präsentiert und dabei imposant die Schwerkraft überwunden. Für exakt einen Auftritt hatten sich Artisten und Musiker vorbereitet und intensiv geprobt, damit schließlich beim Auftritt in Singen alles im Takt abläuft. Wie schwierig dies sein kann, zeigten auch Benno Jacob und Max Fröhlich als "Twin Spins". Zu Camille Saint-Saëns „Danse Macabre“ haben sie die Gummibälle springen und später zu Mozarts Ouvertüre der Oper Figaros Hochzeit Diabolos kreisen lassen.

Die Kunst der chinesischen Hebeakrobatik Kontorsion mit unvergleichlich gelenkigen Körpern gab es im zweiten Teil zur Verdi-Ouvertüre „Die Macht des Schicksals“ mit dem Duo Yingling und kurz vor dem Finale sotrgten die "3 Funky Monkeys“ mit ihrer Akrobatik an der Vertikalstange für Raunen im Publikum.

Reichlich Applaus gab es für Artisten und die Südwestdeutsche Philharmonie im Rahmen des Kulturschwerpunkts Singen im Takt auf dem Rathausplatz beim Programm Zirkuswelten.
Reichlich Applaus gab es für Artisten und die Südwestdeutsche Philharmonie im Rahmen des Kulturschwerpunkts Singen im Takt auf dem Rathausplatz beim Programm Zirkuswelten. | Bild: Biehler, Matthias

Zufrieden zeigten sich die Veranstalter mit der Publikumsresonanz. Zwar waren bei den „Zirkuswelten“ längst nicht alle der über 1500 Plätze besetzt. Aber für ein ganz neues Konzept könne man mit dem Interesse mehr als zufrieden sein, so Pressesprecher Gunnar Bamberg. Zufrieden waren auch die Zuschauer, die mit Applaus auch zum großen Finale nicht geizten.