Es wird gern geklagt, dass der Bürger bei Entscheidungen von öffentlichem Belang übergangen wird, doch im Fall des Kiesabbau-Gebiets Dellenhau stimmt das nicht. Die durch Proteste und Argumente erreichte Überarbeitung der Regionalplanung zur Rohstoffnutzung verdeutlicht die Funktionstüchtigkeit des Systems. Kurz gefasst: Es lohnt sich, wenn man sich einbringt.

Das gilt für die Stadt Singen und die Gemeinden Gottmadingen, Rielasingen-Worblingen und Hilzingen ebenso wie für die Kiesabbau-Gegner und deren vehementen Protest. Mehr als nur ein Nebeneffekt ist die Sensibilisierung für eine ganze Reihe anderer Problemfelder wie die Verkehrsbelastung, die Totenruhe, die ökologischen Belange – und auch für das Planverfahren selbst. Angesichts des Tempos beim gesellschaftlichen Wandel ist die Frage berechtigt, ob ein 2005 beschlossener Plan, der zuvor fünf Jahre diskutiert wurde, heute noch sinnvoll ist. Allein beim Blick auf den Klimawandel beispielsweise muss man die Abholzung eines Waldgebiets anders bewerten als vor 15 Jahren.

Zur Wahrheit gehört aber auch dies: Manche Zahlen passen nicht ins Weltbild der Kiesabbau-Gegner, doch der derzeitige Bedarf an mineralischen Stoffen in Baden-Württemberg von 10 Tonnen pro Kopf und Jahr gibt Anlass zur Nachdenklichkeit. Der Bausektor boomt und irgendwo muss der Rohstoff herkommen. Wenn es kein Kies ist, müssen andere Baustoffe her – geholzt wird dann voraussichtlich auch. Das neue Verfahren gibt die Chance zu ergebnisoffenen Überlegungen.