Rupert Metzler benötigt kein kommunales Eigeninteresse um sich zu empören. Der Bürgermeister von Hilzingen rechnet mit keinen sonderlich hohen Einnahmen für den Fall, dass der in seiner Gemeinde vorgesehene Kiesabbau genehmigt werden sollte. Die jährlich zu erwartende Gewerbesteuer veranschlagt er im niederen fünfstelligen Bereich, richtig Kasse hingegen dürfte nach seiner Einschätzung das Land Baden-Württemberg machen. Diesem gehört das als Dellenhau bezeichnete, rund 14,7 Hektar große Areal. Bei einem Abbauvolumen von knapp 1,1 Millionen Kubikmetern sowie einer bei rund 20 Euro liegenden Konzessionsabgabe pro Tonne Kies kommt da ein hübsches Sümmchen zusammen.

Und dennoch verkämpft sich Rupert Metzler für das Anliegen der Kieswerk Birkenbühl GmbH, während die ans Abbaugebiet angrenzenden Gemeinden Singen, Gottmadingen und Rielasingen-Worblingen Bedenken vortragen. In einer Ausschusssitzung des Singener Gemeinderats beispielsweise wurde auf die Belastungen durch Staub und Lärm hingewiesen. Man befürchtet Auswirkungen auf ein benachbartes Wohngebiet, vor allem aber auf das unweit gelegene Krankenhaus. Die CDU-Stadträtin Veronika Netzhammer kann sich nicht vorstellen, dass dies dem Gesundungsprozess der Patienten sonderlich zuträglich ist und weiß mit dieser Position ein interfraktionelles Bündnis samt Oberbürgermeister Bernd Häusler hinter sich.

Was die Lokalpolitiker in ihrer Ablehnung bestärkt, ist der beabsichtigte Export des Kieses in die Schweiz. Wie den Expertisen des Raumordnungsverfahrens des Regierungspräsidiums Freiburg zu entnehmen ist, sind etwa 40 bis 45 Prozent des Kiesabbaus für die Schweiz bestimmt. Das wiederum führt bei den Kommunalpolitikern zu der Vermutung, dass sich der Ressourcen-Verbrauch nicht primär am Bedarf der engeren Region, sondern am Profit des Kiesabbauunternehmens beziehungsweise des Landes orientiert. Zusammen genommen genügt dies für Veronika Netzhammer, um die Freiburger Regierungspräsidentin an ihr Parteibuch zu erinnern: Bärbel Schäfer gehört zu den Grünen.

Nach Ansicht von Rupert Metzler dagegen ist die Diskussion ein Beispiel für die verstärkte Neigung zum Populismus in der Politik. Seinen Einsatz für die Genehmigung des Kiesabbaus im Dellanhau begründet er damit, dass "es mir hier ums Prinzip geht". Zuallererst verweist er dabei auf die Bedeutung der Schweiz für den westlichen Bodensee und den Hochrhein. Zu 30 bis 50 Prozent profitiere man auf deutscher Seite von den Eidgenossen "und jetzt will man der Schweiz nicht einmal ein paar Tonnen Kies verkaufen". Seinem Singener Kollegen Bernd Häusler will er dies unter vier Augen bereits verdeutlicht haben. "Ich habe ihm gesagt: Mensch, Bernd, Du kannst nicht auf der einen Seite ein ECE hinstellen und auf bis zu 80 Prozent Kundschaft aus der Schweiz hoffen, andererseits aber den Kies-Export ins Nachbarland ablehnen."

Auch das Argument einer Zunahme des Schwerlastverkehrs durch den Kies-Export in die Schweiz ist für den Hilzinger Bürgermeister nicht haltbar. Die Kieswerk Birkenbühl GmbH beliefere rund 250 Kunden in einem Umkreis von rund 40 Kilometern, die Schweizer Kundschaft liege mit einer bis nach Frauenfeld reichenden Luftlinien-Entfernung in diesem Radius. Die Engstirnigkeit in der Diskussion ergibt sich für Rupert Metzler ferner aus dem Rohstoff-Situation. Insgesamt verfüge man zwar über genügend Material, doch das Vorkommen sei (zumal wenn es um bestimmte Qualitätserforderenisse gehe) ungleich verteilt – deshalb gebe es in Jestetten am Hochrhein beispielsweise Abbaugebiete, bei denen der Kies komplett in die Schweiz verkauft werde.

Was Rupert Metzler außerdem an der Diskussion stört, ist der Ignoranz gegenüber den Angaben im Erläuterungsbericht des Raumordnungsverfahrens. Darin heißt es, dass der geplante Kiesabbau im Dellenhau "keine Wohnbebauung oder andere verleichbar schutzbedürftige Gebiete betrifft und keine Belästigungen durch betriebsbedingte Immissionen (Lärm, Stäube) verursacht". Ferner wird von keinen nennenswerten Auswirkungen für die Verkehrsbelastung ausgegangen: "Nach der Verkehrsprognose ist der Anteil, den der Kiesschwerverkehr am Gesamtverkehr ausmacht, als gering zu beurteilen."

Geprüft wurde laut Rupert Metzler auch die natur- und wasserschutzrechtliche Zulässigkeit. Ein Widerspruch zu den vergleichsweise scharfen FFH-Richtlinien habe sich daraus nicht ergeben, ebensowenig sei mit einer Gefährdung des Grundwassers zu rechnen. Ein Nassabbau ist im Dellenhau nicht vorgesehen, die Mindestüberdeckung zum Grundwasserspiegel soll auf zwei Meter festgelegt werden.

Das letzte Wort hat Freiburg

  1. Das Gebiet Dellenhau liegt an der B34, die Singen und Gottmadingen verbindet. Das hier vermutete Kiesvolumen von bis zu 1,1 Millionen Kubikmetern soll innerhalb von acht bis neun Jahren abgebaut, das Areal danach renaturiert werden. Genehmigungsbehörde ist das Regierungspräsidium Freiburg. Hilzingen, auf dessen Gemarkung das Abbaugebiet liegt, und die angrenzenden Gemeinden Singen, Rielasingen-Worblingen und Gottmadingen haben in diesem Fall nichts zu entscheiden, ihre Stellungnahmen fließen allerdings in den Entscheidungsprozess mit ein.
  2. Vorgeschichte: Bei der Kieswerk Birkenbühl GmbH handelt es sich um ein Unternehmen, dass seit Jahrzehnten in Überlingen am Ried Kies abbaut. Die Kiesvorräte gehen hier allerdings zur Neige, das Unternehmen geht von der Einstellung des dortigen Betriebs im Laufe des nächsten Jahres aus. Eine Erweiterung des Kiesabbaugebiets in dem Singener Stadtteil wäre prinzipiell möglich, die Stadt lehnt dies jedoch aus grundsätzlichen Überlegungen ab.
  3. Abnehmer: Der Standort Dellenhau soll vor dem Hintergrund der absehbaren Beendigung des Kiesabbaus in Überlingen eine Ersatzfunktion übernehmen. Beliefert werden (neben Kunden in der Schweiz) vor allem Abnehmer im Hegau, der Höri und Radolfzell. (tol)