Die Krankenpflegeschule des Gesundheitsverbunds Landkreis Konstanz feiert Anfang März ihr 100-jähriges Bestehen. Bei einem Festakt am 4. März sollen deshalb Berufe in der Pflege in den Mittelpunkt gestellt werden. Bettina Schiffer, Leiterin der Akademie für Gesundheitsberufe, und der neue Geschäftsführer des Gesundheitsverbunds, Bernd Sieber, stellten nun das Programm zum Jubiläum vor.

1920 machte der Gemeinderat den Weg frei

Im Stadtarchiv findet sich für den Gemeinderatsbeschluss vom 4. März 1920 folgende Aktennotiz: „Der Gemeinderat ist mit dem vom Krankenhausarzt Dr. Stadler befürworteten Antrag der Provinzoberin der Kreuzschwestern in Hegne auf Zulassung von 5 bis 8 Kandidatinnen im Krankenhaus in Singen zwecks Ausbildung in der Krankenpflege einverstanden. Das Krankenhaus wird somit als staatliche Krankenpflegeschule anerkannt.“

Auf den Tag genau 100 Jahre später, am Mittwoch, 4. März, 18 Uhr, werden im Bürgersaal des Rathauses Fachleute die Entwicklung der Krankenpflege beleuchten.

Auch die Pionierin der Pflege im deutschsprachigen Raum ist zu Gast

Dabei wird nicht nur Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, Bevollmächtigter der Bundesregierung für Pflege, bei einer Talkrunde zu Gast sein, die von Waltraud Reichle moderiert wird. Auf dem Podium sind dann auch Schwester Benedikta Maria von den Hegner Schwestern, die vor allem in den 1970er Jahren in der Pflegeausbildung tätig war, sowie eine aktuell im Klinikum tätige Schwester, die Leiterin der Akademie, Bettina Schiffer und ihre Stellvertreterin Laura Haase.

„Wir freuen uns sehr, dass Schwester Liliane Juchli ein Impulsreferat halten wird“, sagte Bettina Schiffer. Die 86-jährige Schweizer Krankenschwester gilt als Pionierin in der Pflege im deutschsprachigen Raum.

Was kann ein Pflegeroboter?

Ein weiteres Thema beim Festakt ist die Frage, was Roboter in der Pflege leisten können und was nicht. Dazu wird auch „Pepper“, ein Pflegeroboter, ausgeliehen und er zeigt beim Festakt, was er kann. Im Gesundheitsverbund werde solch ein Roboter zurzeit noch nicht eingesetzt, sagte Bernd Sieber.

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2020 ist das Jahr des 200. Geburtstags der britischen Krankenschwester Florence Nightingale, die als Begründerin der modernen westlichen Krankenpflege gilt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 2020 deshalb zum Internationalen Jahr der Pflegekräfte und Hebammen erklärt.

Deshalb findet im Jubiläumsjahr der Krankenpflegeschule am 12. Mai, dem Geburtstag von Florence Nightingale, die Nacht der Pflege statt. Von 19 bis 22 Uhr können sich Interessierte im Café Lichtblick und weiteren Orten im Klinikum Singen über Pflegeberufe informieren. Auszubildende zeigen ein Theaterstück, es sind Patientenzimmer vorbereitet, um Berufsfelder zu demonstrieren und es gibt einen Auftritt von Florence Nightingale, in deren historisches Gewand die Schauspielerin Susanne Breyer schlüpft.

Neuer Ausbildungsgang an der Akademie

Die Akademie beginnt zum 1. April mit dem ganz neuen Ausbildungsgang „Generalistische Pflege“. Für dieses neue Berufsbild zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann nimmt die Akademie noch Anmeldungen entgegen, so Bettina Schiffer. Die dreijährige Ausbildung vermittelt die Grundlagen für diverse Arbeitsfelder im Krankenhaus, im Pflegeheim, in der ambulanten Pflege oder in Fachkliniken.

Fachkräftemangel macht Sorge

Dass Fachkräfte im Pflegeberuf absolute Mangelware sind, zeigt die Tatsache, dass im Gesundheitsverbund aktuell über 100 Betten geschlossen sind. „Früher galt der Pflegeberuf als Kostenfaktor, heute ist er so wertvoll geworden“, so Sieber.

Der Gesundheitsverbund suche ständig nach gut ausgebildeten Pflegekräften und werbe auf allen Ebenen, auch im Ausland. Angesichts des demografischen Wandels müsse man davon ausgehen, dass es in der Pflege langfristig einen Fachkräftemangel geben werde.