„Liebe & Sex & Partnerschaft – let´s talk about it“ – unter diesem Motto steht ein Pilotprojekt, das die Pro Familia Singen in der Beethovenschule durchgeführt hat. Nach elf Terminen der Jugendsprechstunde wünschen sich die Verantwortlichen eine Fortführung, da das Angebot bei Schülerinnen und Schülern sehr gut ankam.

Gezielte Fragen in kleinen Gruppen

Schon länger hat die Beethovenschule einen Rahmenvertrag mit der Pro Familia, um regelmäßig Einheiten zur sexuellen Bildung durchzuführen. Doch nicht immer können in der großen Gruppe alle Fragen beantwortet werden, da die Jugendlichen oft unterschiedlich weit sind. „Wir kamen auf die Idee einer Jugendsprechstunde, wo kleine Gruppen gezielt Fragen stellen können“, sagte Schulsozialarbeiter Martin Lenhart-Höß.

Julia Cerisuelo und Daniel Briel haben die Erfahrung gemacht, dass die Jugendlichen für sensible Themen unbedingt eine vertraute Atmosphäre brauchen. Da die Pro-Familia-Mitarbeiter schon in den Klassen bekannt sind, ist dies gegeben. „Oft kommen sie zu zweit, manchmal sind es auch gemischt-geschlechtliche Gruppen“, berichtet Julia Cerisuelo. Sie hat auch Anschauungsmaterial dabei, beispielsweise eine Menstruationstasse oder ein aus Plüsch genähtes Modell der Gebärmutter.

Angst vor einer Schwangerschaft

Besonders das Thema „Menstruation“ beschäftigt die Mädchen. Und dann auch die Angst vor einer Schwangerschaft. „Wir haben im Schnitt etwa alle zwei Jahre die Situation, dass eine Schülerin ungewollt schwanger wird“, sagt Martin Lenhart-Höß. Deshalb ist die Aufklärung umso wichtiger.

Auch habe er schon zweimal die Situation gehabt, dass Mädchen dachten, sie seien schwanger. Durch den guten Kontakt zu Pro Familia habe er schnell einen Gesprächstermin für die Mädchen bekommen.

Erster Sex mit 17 oder 18 Jahren

„Die Jugendlichen haben oft ein Scheinwissen und es besteht eine große Unsicherheit“, so die Erfahrung von Daniel Briel. Manche seien auch schon mit Pornographie in Berührung gekommen, ohne eigene sexuelle Erfahrungen zu haben.

Sie wollen zum Beispiel wissen, wie man überhaupt Mädchen anspricht und wann der richtige Zeitpunkt für den ersten Sex ist. Im Durchschnitt hätten Jugendliche heutzutage nach Studien aber erst so mit 17 oder 18 Jahren ihr „erstes Mal“, wusste Martin Lenhart-Höß.

Halbe Stunde für persönliche Fragen

Bei den Sprechstunden hatten die Schüler jeweils eine halben Stunde Zeit für ihre Fragen. „Es ist gut zu handhaben und stört den Ablauf in der Schule nicht“, sagt Konrektorin Tanja Tücking. Durch die Niederschwelligkeit wurde das Angebot sehr gut angenommen. „Die Jugendlichen würden wohl kaum einen Termin direkt in der Beratungsstelle machen“, so Martin Lenhart-Höß. Besonders in den siebten Klassen gab es hohen Gesprächsbedarf, denn im privaten, familiären Umfeld hätten die Jugendlichen niemanden, um über solche Themen zu sprechen.

Die Sprechstunde konnten dank des Sponsorings durch die Konstanzer Stiftung Bildung und Jugend angeboten werden. Nun hofft man, neue Sponsoren zu finden. „Die Sprechstunde ist Gold wert. Wir hoffen, dass sie weitergeführt werden kann“, so Tanja Tücking.