Singen Jugendmusikschule bricht mit Hörgewohnheiten

Ensembles der Jugendmusikschule machen bei einem Preisträgerkonzert 150 Zuhörer mit Neuer Musik vertraut.

Neue Musik verdreht die Gewohnheiten: Das Orchester sitzt mit dem Rücken zum Publikum, der Pianist nimmt am anderen Ende des Flügels Platz und die Musiker zerschmettern am Ende ihre Instrumente. Was das Publikum zum Preisträgerkonzert des landesweiten Wettbewerbs "ad libitum" im Singener Walburgissaal auf der Musikinsel erleben durften, war in der Tat außergewöhnlich – und erfrischend anders. "Das war sehr interessant", bringt es Ute Fischer nach rund 120 Minuten Musik auf den Punkt.

Singens Musikschulleiterin Annette Tinius-Elze, die selbst im Netzwerk Neue Musik aktiv ist, hat das Publikum zu Beginn auf neue Hörerfahrungen hingewiesen. "Vergessen Sie am besten alles, was Sie über Musik wissen", sagte sie zur Begrüßung der rund 150 Besucher auf Singens Musikinsel an der Schlachthausstraße. Den Rat hat sich das Publikum zu Herzen genommen und sich auf das Wagnis Neue Musik eingelassen. Am Ende gab es großen Applaus für das Projekt, bei dem die Schüler der Jugendmusikschule Singen in mehreren Ensembles speziell für sie komponierte Stücke interpretierten. "Mit dem Kompositionswettbewerb möchten wir dazu beitragen, ein attraktives, künstlerisch hochwertiges und spielbares Repertoire zeitgenössischer Musik in allen Genres verfügbar zu machen", so Netzwerk-Geschäftsführerin Katharina Weißenborn.

Über 70 Musikschüler haben sich auf das Wagnis neue Musik eingelassen, haben Worte zu Klang werden lassen, sind als musikalische Karawane durchs Publikum gezogen oder haben das schwarze Biest mit den 88 elfenbeinernen Zähnen gezähmt.

Acht Komponisten zählten beim vierten Ad-Libitum-Wettbewerb der Winfried-Böhler-Stiftung zu den Preisträgern. Dass es eine lohnenswerte Herausforderung sei, zeitgenössische Musik für junge Musiker zu schaffen, betonte Fredrik Zeller, dessen Komposition "Pling" in Singen ausgezeichnet wurde: "Die Konzentration auf die Möglichkeiten erweitert die Ausdrucksformen." Klavier, Geige und Blechdosen als Perkussion waren dabei die musikalischen Klangkörper.

Zum Finale zeigte Komponist Jan Kopp, dass in Tontöpfen mehr steckt als Blumenerde. Das Percussionensemble von Rudi Hein intonierte mit Sprechern aus dem Jugendorchester der Musikschule Kopps Komposition "Springen", in der Handkes Prosatext der Publikumsbeschimpfung Zeit und Raum zum Thema macht und am Ende die Tontöpfe zerspringen müssen.

Das Publikum spendete reichlich Applaus für das ambitionierte Projekt und genoss anschließend eine laue Sommernacht mit vielerlei Gesprächen rund um die gehörten Werke.

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