"Am Freitag darf ich an der Nobelpreisträger-Tagung auf der Mainau teilnehmen und abends feiere ich meinen Abi-Ball." Die Freizeitpläne einer 18-Jährigen klingen für gewöhnlich anders. Allerdings ist Alice C. Höfler auch alles andere als gewöhnlich. "Ich habe gedacht, ich versuche es einfach mal", erzählt die Schülerin des Singener Hegau-Gymnasiums und meint damit ihre Teilnahme bei Jugend forscht.

Damit stapelt sie ganz schön tief, denn nach ihrem Sieg beim Landeswettbewerb hat sie nun auch noch den dritten Preis im Bereich Technik beim Bundesfinale gewonnen. Von ihrem Projekt "Planung, Bau und Einsatz eines Feinstaub-Nassabscheiders für Kleinfeuerungsanlagen" waren die Juroren so angetan, dass Höfler außerdem den "Preis für eine Arbeit zum Thema Erneuerbare Energien" von Peter Altmaier erhielt. Den Bundesminister für Wirtschaft und Energien durfte die Jungforscherin sogar persönlich treffen. "Der Besuch war schön, er hat sich viel Zeit genommen", berichtet sie.

Doch was genau ist eigentlich so ein Feinstaub-Nassabscheider für Kleinfeuerungsanlagen? "Einfach ausgedrückt ist es ein Filter, der im Schornstein befestigt wird und den Ofenrauch vom Feinstaub reinigt", erklärt die Hegauer Tüftlerin. Der Rauch ströme dabei durch einen Wasservorhang, der die Gaspartikel aus der Luft wasche. Das Konzept erprobte Alice Höfler mit einem selbst gebauten Kachelofen. Sichtlich stolz berichtet sie von ihren Ergebnissen: "Wenn man dem Wasser Tenside hinzufügt, kann man so bis zu 98 Prozent des Feinstaubs aus der Luft filtern."

Bis zu diesem Erfolg war es allerdings ein weiter Weg. Sie habe immer schon gern gebastelt, aber das Interesse für Technik habe sie erst viel später entwickelt, beschreibt Höfler. Beim Landeswettbewerb von Jugend forscht hatte sie im Jahr 2017 schon einmal teilgenommen, den Einzug ins Bundesfinale jedoch knapp verpasst. Statt sich davon entmutigen zu lassen, arbeitete die Abiturientin um so intensiver an ihrer Forschung und baute ihr Projekt weiter aus. Dieser Ehrgeiz, der Fleiß und all die harte Arbeit zahlen sich nun aus.

Sie geht ihren Weg: Alice Höfler hat ihre Abiturprüfungen hinter sich und beginnt bald ein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik in Stuttgart.
Sie geht ihren Weg: Alice Höfler hat ihre Abiturprüfungen hinter sich und beginnt bald ein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik in Stuttgart. | Bild: Sabine Tesche

Alice Höfler hat in den letzten Monaten viel erlebt. Die Teilnahme bei Jugend forscht habe ihr viele interessante Kontakte beschert und aus Konkurrenten seien in einigen Fällen sogar gute Freunde geworden, sagt sie. Außerdem habe sie sich auch persönlich weiterentwickelt: "So etwas erweitert den Horizont und man lernt, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen." Das bestätigt auch ihr Betreuer Martin Stübig. Mit unermüdlichem Einsatz unterstützte der Lehrer die 18-Jährige, stand ihr beratend zur Seite und half seinem Schützling bei dem Projekt. "Es ist toll zu sehen, wie die Schüler an diesem Prozess wachsen", beschreibt er seine Eindrücke.

Auch Ute Seifried ist begeistert: "Für uns als Stadt ist es sensationell, dass es eine Singener Schülerin erstmals bis zum Bundeswettbewerb geschafft hat." Sie freue sich sehr darüber, dass es hier inzwischen so viele technisch interessierte Jugendliche gibt, so die Bürgermeisterin. Um diese Entwicklung zu fördern, sei ein Schülerforschungszentrum geplant, in dem die Jungforscher gemeinsam arbeiten können. Unterstützt wird das Vorhaben von Horst Scheu, dem ehemaligen Leiter des Friedrich-Wöhler-Gymnasiums. "Es ist wichtig, dass Gleichgesinnte zueinanderfinden und sich austauschen können", erklärt er. Auch Gerd Springe vom Verein Singen aktiv ist Feuer und Flamme für das Projekt und betont, dass sich Unternehmen ebenfalls gern beteiligen dürfen, um den Nachwuchs der Hegauer Industriestadt zu fördern.