Wie könnte es anders sein. Isabelle Arndt, die neue Kollegin im Team der SÜDKURIER-Lokalredaktion Singen/Hegau, plaudert gerade aus ihrem 28-jährigen Leben, da klingelt auch schon wieder das Telefon. Lass' es klingeln, sagt sich ihr Gegenüber, aber dann blickt der Lokalchef eben doch aufs Display. Klar, es ist wichtig – wie so oft. Entschuldigend schaut er die gut 30 Jahre jüngere Kollegin an und Isabelle Arndt versteht. Das Gespräch muss unterbrochen werden und mit verständnisvoller Geste verlässt sie das Büro. Im Hinausgehen sagt sie beiläufig den Satz, der auf ewig mit ihr verbunden bleiben wird: "Keine Sorge, Herr Lucht", sagt Isabelle Arndt, "ich renne nicht weg."

Da bleiben. Hartnäckig sein. Sich eben nicht davon machen, sondern etwas aushalten. All das schwingt in dem Satz mit. Es handelt sich um journalistische Grundtugenden und sie sind nirgends so wichtig wie im Lokaljournalismus. Hier geht jeder Bericht, jeder Kommentar, jedes Foto, jede Glosse mit dem Verfasser nach Hause und am nächsten Tag muss er mit der Reaktion rechnen. In einer Mail, einem Leserbrief, im Zweifel an der Kasse am Supermarkt. Anders als beim Helikopter-Journalismus etwa von TV-Kollegen (einfliegen, viel Wind machen und dann schnell wieder weg), wird im Lokaljournalismus im Angesicht des Lesers gearbeitet. Hier wird bar gezahlt und das gehört zur härtesten Währung.

Und die beiläufige Bemerkung ist im Fall von Isabelle Arndt ernst zu nehmen. Auf ihr Volontariat beim SÜDKURIER folgte eine zweijährige Phase als Vertretungsredakteurin unter anderem in den Redaktionen Radolfzell und Stockach. Schleckig darf man da nicht sein, muss die Dinge so nehmen wie sie kommen. Wirtschaftsthemen, Politik, Kultur, Interviews, Telefonate, Redaktionsorganisation, Beschwerden, Abendtermine, Vorstandsvorsitzende, Hartz-IV-Empfänger, Dramen vor Gericht – kleine Redaktionen bieten das pralle Leben. Das ist toll, aber oft auch bitter und zum Heulen. Und sage bloß keiner, dass er noch nie wegrennen wollte...

"Are you there?"

Nach dem Telefonat wird das Gespräch fortgesetzt. Isabelle Arndt kocht gern, erklärt kurz, worum es sich bei Saltimbocca handelt. Am liebsten aber isst sie Nudeln mit Tomaten. Sie mag Hip-Hop, fotografiert und reist gerne. Fasziniert war sie von Thailand und Laos, Marokko ist auch so ein Ziel... Außerdem liest sie – nicht unbedingt die ganz dicken Wälzer, sie schmökert eher in Zeitschriften. In welchen denn, fragt ihr Gegenüber. Essenszeitschriften sind auch dabei, antwortet Isabelle Arndt, doch da klingelt es schon wieder. Der aktuelle Rufton übrigens lautet "Are you there?". Eine blöde Frage, denn hier rennt niemand weg. Isabelle Arndt schmunzelt, erfasst den Witz der Situation und verlässt das Büro ein zweites Mal. Sagen muss sie diesmal nichts. Jener Satz – er ist für die Ewigkeit.