Es liegt mächtig viel Staub in der Luft, als die Teilnehmer dieses symbolischen Aktes sich am Mittwochmorgen versammeln. Der große Abrissbagger der Firma Schwarz hat seinen Meißel in die Außenwand des ehemaligen Bühnengebäudes geschlagen. Ein Stück Mauer ist schon freigelegt. Die letzten Stunden der ehemaligen Kunsthalle haben geschlagen. Schon vor über zehn Jahren, mit der Eröffnung der Stadthalle, war der Betrieb des Theaters eingestellt worden.

Eigentlich hätte an dieser Stelle das neue Einkaufszentrum entstehen sollen, das jetzt am Bahnhof gebaut wird. Schwierige Grundstücksverhandlungen und die Insolvenz der städtischen Wohnbaugesellschaft GVV mit großen Verlusten für die Stadt kamen dazwischen. Es folgten zehn Jahre des Stillstands. Die verwilderte Grasfläche im Zentrum Stadt sorgte für Unmut bei den Bürgern.

Durch die GVV-Pleite kam alles anders

Im Zuge des Insolvenzverfahrens ging das GVV-Vermögen als Gesamtpaket an die Stadtentwicklungsgesellschaft Oswa mit Sitz in Ingersheim bei Stuttgart. "Wir hatten schon 2014 ein Auge auf die GVV geworfen", bekennt Markus Oswald, der zusammen mit Jan Watzl das Unternehmen leitet. "Oswa beobachtet den Immobilienmarkt in Bezug auf Insolvenzen und schlägt dann zu", beschreibt der Unternehmer die Strategie.

Zum symbolischen Spatenstich hatten Bauträger Markus Oswald und Jan Watzl von der Firma Oswa (veirter und fünfter von links) ihre Partner aufs Kunsthallenareal gerufen. In der Mitte Oberbügermeister Bernd Häusler, dritter von rechts Thomas Feneberg von der BGO.
Zum symbolischen Spatenstich hatten Bauträger Markus Oswald und Jan Watzl von der Firma Oswa (vierter und fünfter von links) ihre Partner aufs Kunsthallenareal gerufen. In der Mitte Oberbügermeister Bernd Häusler, dritter von rechts Thomas Feneberg von der BGO. | Bild: Tesche, Sabine

Auch Thomas Feneberg von der Baugenossenschaft Oberzellerhau (BGO) hatte nach Bekanntwerden der GVV-Insolvenz ein Auge auf das Kunsthallenareal geworfen. Doch der Insolvenzverwalter Wolfgang Bilgery wollte die städtische GmbH nur als ganzes verkaufen. Jetzt ist Feneberg trotzdem am Ziel.

Bereits Anfang 2016 kam der BGO-Geschäftsführer mit Oswa ins Gespräch. Dass zwischen Thomas Feneberg, Markus Oswald und Jan Watzl die Chemie stimmt, ist schnell zu spüren. Man wurde sich einig. Beide Parteien sprechen von einer "super Partnerschaft", die bereits in der Max-Porzig-Straße erfolgreich umgesetzt worden sei. Der Singener Gemeinderat stimmte den Wohnbauplänen für das Kunsthallengelände begeistert zu. Oswa baut und die BGO kauft die 84 Wohnungen schlüsselfertig.

Schicke Mietwohnungen

Verschiedene Grundrisse von der Einzimmer- bis zur großen Fünfzimmerwohnung sind in den sieben Neubauhäusern geplant. Die 86 Stellplätze finden ebenerdig Platz. Die Wohnungen befinden sich in den fünf Stockwerken darüber. Auf dem Garagendach sollen zwischen den Mehrfamilienhäusern Grünflächen mit Innenhofcharakter entstehen.

Das computeranimierte Bild zeigt, wie das Kunsthallenquartier nach seiner Fertigstellung im Herbst 2020 aussehen wird. <em>Computerzeichnung: Oswa</em>
Das computeranimierte Bild zeigt, wie das Kunsthallenquartier nach seiner Fertigstellung im Herbst 2020 aussehen wird. Computerzeichnung: Oswa | Bild: oswa

Thomas Feneberg schwärmt: "Das Kunsthallengelände im Herzen der Stadt ist einzigartig, aber auch schwierig zu überplanen." Das Interesse an den Wohnungen sei jetzt schon sehr groß. Die BGO will sie aber nur an ihre Mitglieder vermieten. Das hat zur Folge, dass die Genossenschaft mit ihren aktuell 2600 Mitgliedern einen starken Zulauf hat.

Mit deutlich über 20 Millionen Euro zählt das Projekt für die BGO zu den großen Baustellen. Heimische Handwerker arbeiten für Oswa; so auch in der Ekkehardstraße, wo Oswa bestehende Häuser saniert und Wohn- und Geschäftsräume schafft.