Jutta Mattes nimmt sich Zeit für ihre Kunden. Ein Beratungsgespräch mit der Chefin von Bett & Wäsche Aumann kann schon mal zwei Stunden dauern. Sie macht auch Hausbesuche und schaut sich vor Ort an, wie jemand liegt, um dann den richtigen Rost oder die passende Matratze zu empfehlen. "Außerdem bieten wir Probe-Matratzen an, die unsere Kunden zu Hause testen können. Und wenn jemand schon älter und nicht mehr so mobil ist, fahren wir ihn natürlich auch zu uns ins Geschäft und wieder zurück", sagt Jutta Mattes.

Beim Gespräch in ihrem Geschäft in der Grubwaldstraße zählt sie all diese Leistungen auf, um den Unterschied zwischen ihr und Online-Anbietern klar zu machen. "Klar, kann man bei denen eventuell mal eine Daunen-Decke für 20 Euro erwerben – aber dabei handelt es sich oft um wiederaufbereitete Daunen", erklärt sie. Sie setze lieber auf Qualität: "Unsere Produkte werden in Deutschland und Österreich hergestellt. Wir gehen auch zum Hersteller und schauen uns vor Ort an, wie die Produktion abläuft."

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15 Jahre auf der gleichen Matratze

Natürlich könne sie es nachvollziehen, dass sich junge Menschen, die noch nicht viel verdienen, eine Matratze für mehrere hundert Euro nicht unbedingt leisten könnten. Aber: "Der Durchschnitts-Deutsche hat seine Matratze 15 bis 20 Jahre – manche sogar noch länger", gibt sie zu bedenken. Und umso ärgerlicher ist es für sie, wenn sich Kunden bei ihr beraten lassen, nur um das so erworbene Wissen später für einen Online-Einkauf zu nutzen. "Es geht sogar so weit, dass sich Leute mehrfach bei uns beraten lassen, um sich dann eine Woche später telefonisch zu beschweren, wenn sie das jeweilige Modell nicht bei einem Internetanbieter finden." Dreist.

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Tatsächlich ist die Netzkonkurrenz mittlerweile so stark, dass Jutta Mattes nicht damit rechnet, dass ihr Geschäft auf Dauer dagegen ankämpfen kann. "Ich habe keine Hoffnung", gibt sie unumwunden zu. Ihrem Sohn könne sie nicht guten Herzens empfehlen, ihre Nachfolge anzutreten. Ihr gehe es aber nicht nur um sich selbst. Egal, ob andere Matratzen-, TV- oder Fotogeschäfte, die Händlerin glaubt nicht, dass es diese Läden in zehn, 15 Jahren noch geben wird. Schon jetzt sei ihre Kundschaft im Durchschnitt älter als 50. Auch wegen der Einbußen, die ihr das Wegbrechen jüngerer online-affiner Käufer beschert hat, sah sie sich gezwungen, die Öffnungszeiten des Geschäfts zu reduzieren. Nur noch drei Mal pro Woche hat Bett & Wäsche Aumann geöffnet. Aber Jutta Mattes wäre nicht Jutta Mattes, wenn sie interessierten Kunden, die an diesen Tagen keine Zeit haben, nicht trotzdem ein ausführliches Beratungsgespräch nach Terminabsprache ermöglichen würde.

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