Als die Herren in Frack und Fliege die Bühne der ausverkauften Stadthalle betreten, weht ein Hauch von Nostalgie durch den Raum und so starten sie ihr Programm denn auch gleich mit dem Evergreen „Mein kleiner grüner Kaktus“. Daneben lässt ihnen ein Blumenstrauß, der auf der Bühne liegt, keine Ruhe. Von wem sind die Blumen? 

Von wem sind die Blumen? Diese Frage beschäftigt die Sänger bei ihrem Auftritt in der Stadthalle unentwegt.
Von wem sind die Blumen? Diese Frage beschäftigt die Sänger bei ihrem Auftritt in der Stadthalle unentwegt. | Bild: Manuela Fuchs

Die Ansichten der sangesfreudigen Herren gehen hier ziemlich auseinander. War es Tante Elena oder vielleicht doch Freundin Johanna, die auf einen Heiratsantrag wartet? Es folgt eine etwas feuchte Version des Oldies „Kannst Du pfeifen, Johanna?“, da die Künstler sich während des Vortrags einen ordentlichen Schluck Wasser genehmigen, um, statt zu singen, die Melodie auch gurgeln zu können.

Natürlich dürfen auch das Lied von „Veronika, der Lenz ist da“, oder „Ein Freund, ein guter Freund“ nicht fehlen. Zwischen den Liedern erzählen die Männer im Frack Geschichten aus ihren Jugendtagen und so erfährt das erstaunte Publikum, dass Tante Elena einen Hamster aufbewahrte, der im Lauf der Jahre mehrmals auf unerklärliche Weise die Fellfarbe gewechselt hat und schließlich sogar zu einer Maus mutierte.

Der sechste Mann des Ensembles ist der Mann am Klavier: Nikolai Orloff.
Der sechste Mann des Ensembles ist der Mann am Klavier: Nikolai Orloff. | Bild: Manuela Fuchs

Darüber hinaus werden die Tücken des Berliner Schienenersatzverkehrs beleuchtet und es werden Erinnerungen an die erste Tanzstunde wach. Doch die Comedian Harmonists haben mehr im Gepäck als Nostalgie, ihr Repertoire reicht bis in die Neuzeit und so wird aus Gloria Gaynors Welthit „I will survive“, eine humorvolle Neuversion mit dem Titel „Ich will ein Eis“.

Abgedrehte Typen im Hotel California

Aber auch die Eagles und ihr Song „Hotel California“ werden nicht verschont und die Gäste erfahren, dass es in jenem Hotel jede Menge abgedrehter Typen gibt, aber Herren mit Frack und Fliege eher selten gesehen werden.

Die legendären Comedian Harmonists bildeten sich im Jahr 1927 und waren gewissermaßen die erste Boygroup überhaupt. Gründer Harry Frommermann hatte per Zeitungsannonce Interessierte zur Gründung eines Ensembles gesucht. Während der Zeit des Nationalsozialismus lösten sich die Comedian Harmonists auf, da drei der Mitglieder aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln ein Berufsverbot erhalten hatten.

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Die heutigen Berlin Comedian Harmonists konnten mittlerweile ihr 20-jähriges Bestehen feiern und dabei sind sie alles andere als eine Kopie, sie sind ein Original, durch das die Legende weiterlebt.

Sie haben die Arrangements ihrer berühmten Vorgänger zwar übernommen, ihnen jedoch ihren eigenen musikalischen Stil verpasst und ihre großartigen Stimmen, die ganz ohne technischen Schnickschnack auskommen, begeistern die Zuhörer, so auch Lothar Stotz aus Engen. „Die Sänger sind wirklich großartig“, meinte er, „aber mit einem zweiten Bass würde es mir noch besser gefallen.“

Der wahre Sinn des Lebens

Gefallen hat es auch Evelyn Leppin aus Singen, sie hätte sich lediglich gewünscht, es wäre ein bisschen lauter gewesen. Auch Andreas Gerlach aus Arlen hatte viel Spaß an der Vorführung. „Der wahre Sinn des Lebens besteht darin, anderen Freude zu bringen“, verrieten die Künstler dem Publikum. Das ist ihnen gelungen, und sie bekamen dafür den verdienten Applaus.