Damit Erkenntnisse und Informationen haften bleiben, müssen sie selbst erarbeitet werden. Das sagt Biologieprofessor und Bienenforscher Jürgen Tautz. So mussten Schüler der Hohentwiel Gewerbeschule (HGS) in Singen erst selbst zu Imkern werden, um ihr Wissen über Bienen zu erweitern. Sie wirken bei seinem Forschungsprojekt „We4bee“ mit.

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Verbindung von Technik und Ökologie

„Was mache ich im Bereich Ökologie an einer technischen Schule?“ Diese Frage stellte sich Lune Martz, eine Biologielehrerin der HGS. „Wieso nicht etwas mit Bienen“, lautete die Antwort darauf. Also legte sie den ersten Baustein für das Bienenprojekt und besuchte schnellstmöglich einen Imkerkurs. Gleichzeitig stellte Gabi Glaser-Wuttke, eine Chemielehrerin der Schule, den Kontakt zu Jürgen Tatuz her, den sie noch aus Studienzeiten kannte. Der Professor leitete im Jahr 2009 die Honey Bee Online Studies (Hobos) ein. Diese erforschen Bienen und Umweltereignisse, die das Verhalten der Bienen beeinflussen. Die Hobos-Daten, die mit High-Tech-Sensorik erhoben werden, sollen mit We4bee von Deutschland aus in die Welt getragen werden.

Von der Hohentwiel Gewerbeschule sei Jürgen Tautz sofort begeistert gewesen. Mit ihrer technischen und chemischen Expertise sei sie für das Bienenprojekt prädestiniert. Um für We4bee aufgenommen zu werden, muss sich jede Schule zunächst in einem einminütigem, eigensproduzierten Bewerbungsvideo beweisen. Das gelang den Schülern der HGS besonders gut, laut Tautz sei ihr Video eines der Besten gewesen.

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Vom Aufbau bis zum Innenleben: Alles ist High-Tech

So wurde der Hohentwiel-Gewerbeschule ein Bienenkasten, der in lauter Einzelteile zerlegt war, zugeschickt. „Den Kasten zusammen zu bauen, war keine einfache Aufgabe. Das ist alles High-Tech“, erinnert sich Lune Martz. Das Herzstück sei die Hardware: der High-Tech-Bienenkasten. Durch ihn könne die Temperatur, der Wind, das Gewicht, Feuchtigkeit, Feinstaub, Niederschlag und Helligkeit gemessen werden. Rund um die Uhr ist der Bienenkasten in Singen zusätzlich mit Strom und Kameras, jeweils innerhalb und außerhalb des Kastens, versorgt. Eine Stromversorgung und funktionierende Kamera unterscheide ihn von vielen anderen Schulen, die an dem Projekt gescheitert sind.

Hoffentlich überleben sie den Winter

Im August dieses Jahres wurde der Bienenschwarm samt Bienenkönigin in den Kasten eingesetzt. Durch erhöhte Temperaturen, sowie einer Gewichtszunahme haben die Schüler eine Brutphase feststellen können. Jedoch nehme das Bienenvolk seit dem 28. Oktober kontinuierlich ab und werde sich voraussichtliche auf ein Drittel des ursprünglichen Schwarms verkleinern, schildert Lune Martz – „hoffentlich überlebt das Volk den Winter“. Nicht nur im Bereich Biologie und Chemie wurde das Projekt genutzt. Auch in Mathematik nutzte man den Bienenkasten, um Steigungen zu veranschaulichen und zu berechnen.

So sieht der Bienenkaste samt Waage, Kamera und Einflugsloch von Nahem aus.
So sieht der Bienenkaste samt Waage, Kamera und Einflugsloch von Nahem aus. | Bild: Anina Kemmerling

Dorothea Wehinger will mit Projekt zum Landtag

Das We4bee-Projekt ist ein reines Forschungsprojekt, es diene nicht zur Herstellung von Honig, erklärt Gabi Glaser-Spallek. Das Ziel ist es, ein globales Netzwerk zu erschaffen, um Erfahrungen und Daten zur Gesundheit von Bienen auszutauschen.

Grünen-Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger war ebenfalls vor Ort um den Bienenkasten zu begutachten und ist begeistert von dem Schulprojekt: „Wir alle essen Honig, das Produkt der Bienen und sollten sie viel mehr wertschätzen.“ Sie freue sich, dass Schüler aktiv und lebendig durch ein solches Projekt weitergebildet werden. Außerdem möchte sie das Projekt der HGS als positives Schulbeispiel ihrer Landtagsfraktion vorstellen. Alexander Adamovic, ein Schüler der teilnehmenden Klasse bestätigt ihre Aussagen: „Zuvor hatte ich nie viel mit Bienen zu tun. Jetzt weiß ich erst, was ich ihnen alles zu verdanken habe.“

Später ging es ins Labor mit Grünen Landtagsabgeordneten Dorothea Wehinger, hier wurde gerade die bakterielle Wirkung des Honigs erforscht.
Später ging es ins Labor mit Grünen Landtagsabgeordneten Dorothea Wehinger, hier wurde gerade die bakterielle Wirkung des Honigs erforscht. | Bild: Anina Kemmerling
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