Am Hohentwiel werden voraussichtlich in den ersten beiden Monaten des nächsten Jahres mehr als 700 Eschen entlang von Wegen und Zufahrtsstraßen gefällt. Wie Bernhard Hake vom Kreisforstamt in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses des Gemeinderats erläuterte, sind die Bäume von einer Pilzerkrankung befallen, die für die Pflanzen in aller Regel tödlich verläuft. Die Gefahr für Besucher des Hohentwiels durch abbrechende Äste oder umfallende Bäume stuft er als unberechenbar ein.

Sowohl Bernhard Hake als auch die Stadträte sind sich bewusst, dass am Hohentwiel jeder Eingriff in die Natur für öffentliche Aufmerksamkeit sorgt. Das Naturschutzgebiet gehört zu einem der ältesten Bannwälder im Land, der sich weitgehend selbst überlassen bleibt und damit höchst seltene ökologische Reservate in einer überwiegend vom Menschen genutzten Kulturlandschaft ausbilden kann. Immer wieder erhobene Forderungen nach Rodungen zum Zweck besserer Sichtfelder stoßen deshalb auf enorme Widerstände.

Ursache des jetzt vorgesehenen Eingriffs hat damit laut Bernhard Hake allerdings nichts zu tun. Es gehe um die so Sicherheit entlang der Wege und Straßen, im geschlossenen Waldgebiet beispielsweise soll die Säge nicht angesetzt werden. Eine Sanierung der Eschen wird nach Darstellung des Forstamtsvertreters als sinnlos eingestuft.

Natur wird sich selbst überlassen

Bei der Frage, ob nach der Rodung Neupflanzungen vorgesehen sind, mochte sich Bernhard Hake nicht festlegen. Nicht ausschließen will er punktuelle Pflanzungen zum Beispiel von Ahorn oder Linden, doch im Prinzip soll die Natur ihren Lauf nehmen. Im Übrigen ist er überzeugt, dass "sich das alles schnell wieder verwächst". Innerhalb weniger Jahre werde man wahrscheinlich von dem Eingriff nichts mehr bemerken. Wichtiger als Nachpflanzungen sei nach Einschätzung von Naturschützern, dass im Wald nach den Baumfällaktionen aufgeräumt werde. Dies sei bedeutsam für die Bodenvegetation.

Veronika Netzhammer bestätigte den Handlungsbedarf aufgrund persönlicher Erfahrung. Die Gefahr von Bruchholz habe sie bei einer Wanderung am Hohentwiel als augenfällig wahrgenommen. Die Verkehrssicherungspflicht ergibt sich für die CDU-Stadträtin außerdem aus der Einstufung als Premiumwanderweg. Und für den Verzicht auf Nachpflanzungen gibt es für sie wegen des Klimawandels einen guten Grund: So könne man beobachten, wie die sich selbst überlassene Natur auf die klimatischen Veränderungen reagiere.

Holzverkauf deckt nicht die Kosten

Manfred Bassler (SPD) dagegen interessierte sich für den merkantilen Mehrwert. Eschen-Holz liege beim Verkaufswert auf dem Niveau von Buche, doch ein Gewinn ist für die Stadt nicht drin. Erstens gehört der Wald nicht ihr, sondern dem Land Baden-Württemberg, zweitens ist der Rodungsaufwand nach Einschätzung von Bernhard Hake ein hochdefizitäres Unterfangen.