Nach Einbruch der Nacht ist es dunkel. Das dürfte eigentlich keinen großen Disput auslösen. Im speziellen Fall von Singens Hausberg, dem Hohentwiel, sieht die Sache anders aus. Immer wieder flackern in den vergangenen Jahren Diskussionen um eine nächtliche Beleuchtung der Festungsruine auf. Erst zuletzt erreichte den SÜDKURIER eine Reihe sehr emotionaler Stellungnahmen.

Auslöser war ein Leserbrief von Thomas Wittenmeier. Seit Jahren engagiert sich der Rentner im Verein der Hohentwiel-Freunde und für die Installation einer Lichtanlage auf dem Vulkanberg. Die Worte, die er wählt, um diesem Wunsch Ausdruck zu verleihen, stoßen dabei nicht immer auf Gegenliebe. Seinen jüngsten Leserbrief begann Wittenmeier mit der Feststellung: "Nichts hält sich so hartnäckig wie eine Fehlinformation." Im weiteren Verlauf schreibt Wittenmeier, dass weder Domäne noch Festung in einem Naturschutzgebiet lägen. "Es gibt hier und in den Randgebieten keine Tiere und Pflanzen, die durch eine moderne Beleuchtung beeinträchtigt würden. Wer dies nicht glaubt, kann sich gerne beim BUND, dem Nabu oder dem amtlichen Naturschutz erkundigen."

Festungsmauer reflektiert Licht

Nach der Veröffentlichung dieses Leserbriefs meldeten sich mehrere erboste Leser beim SÜDKURIER. Irma Schubert aus Singen schrieb in einem Leserbrief, dass das Regierungspräsidium Freiburg eine eindeutige Stellungnahme mit einem Verbot einer Beleuchtung abgegeben habe. "Dennoch meint Herr Wittenmeier, in irreführender Weise den BUND, den Nabu und die Landesbehörden für seinen Traum einer Hohentwiel-Beleuchtung einspannen zu dürfen. So ist es zwar wahr, dass die Festung selbst nicht zum Naturschutzgebiet gehört, sehr wohl aber die zu beleuchtende Festungsmauer, die das Naturschutzgebiet begrenzt." Irma Schubert geht davon aus, dass eine angestrahlte Mauer in das Naturschutzgebiet reflektieren würde. Die Behauptung, dass Tiere und Pflanzen davon nicht beeinträchtigt würden, sei unwahr. Andere Lesermeinungen, in denen Wittenmeier zum Teil persönlich angegangen wurde, spiegeln eine ähnliche Auffassung wieder.

Auch der von Wittenmeier erwähnte Nabu schaltete sich schließlich in die Diskussion ein. Heinrich Werner, Naturschutzwart Hohentwiel der Nabu-Gruppe Radolfzell-Singen-Stockach, betonte, dass sich die Organisation schon vor elf Jahren gegen eine Illumination der Ruine ausgesprochen habe. "Trotz wiederholter Aufforderung an Herrn Wittenmeier seine Aussage, dass der Nabu für eine Beleuchtung der Ruine wäre, zu unterlassen, wird von ihm diese Aussage stetig wiederholt." Werner argumentiert, dass die Burgruine zwar selbst kein Naturschutzgebiet sei, sie befände sich aber innerhalb des EU-Vogelschutzgebietes Hohentwiel. Bei einer Untersuchung im Jahr 2013 habe man hier 184 Großschmetterlingsarten erfasst. Außerdem seien fünf Fledermausarten und vier besonders geschützte Vogelarten im Schutzgebiet erfasst worden. Heinrich Werner beschreibt Lichtimmissionen – "die Verschmutzung" der Nacht – als ein Umweltproblem.

Entscheidung des Regierungspräsidiums muss respektiert werden

Auf Anfrage des SÜDKURIER äußerte sich auch OB Bernd Häusler. Ob eine Beleuchtung sinnvoll ist oder nicht, darüber lasse sich trefflich streiten. "Sicher wäre es schön, wenn Teile der Festung beleuchtet wären", findet der OB. "Man muss aber berücksichtigen, dass der Hohentwiel ein Naturidyll ist." Er erinnere sich noch gut an eine Leserbrief-Welle aus dem Jahr 2014, nachdem das Regierungspräsidium Freiburg der Beleuchtung aus natur- and landschaftsrechtlichen Gründen eine Absage erteilt hatte. "Der Berg ist Eigentum des Landes Baden-Württemberg", so Häusler. Und da er tatsächlich Vogelschutzgebiet und Landschaftsschutzgebiet sei, sehe man sich gezwungen, die Freiburger Entscheidung zu respektieren.