Erst "Es" von Stephen King, dann Agatha Christies "Mord im Orientexpress". Hollywood ist mal wieder dabei, sich neu zu erfinden. Und das Kinopublikum scheint sich wohlzufühlen, in der Gänsehaut, die die Neuverfilmungen alter Grusel-Filme zum Vorschein bringen. Wäre es da nicht an der Zeit, den Mystery-Meister persönlich auszugraben? Eine Neuauflage von Alfred Hitchocks "Die Vögel" wäre sicher spannend. Der passende Drehort steht längst bereit: Das Singener Landesgartenschau-Gelände. Mittag für Mittag sonnen sich Enten, Spatzen und Tauben träge am Aachufer – aber, wer die Möwen in Hitchcocks Horrorfilm kennt, der weiß, wie trügerisch dieses Idyll sein kann.

Sie sammeln sich da draußen, als ob sie einen Plan hätten. Sie warten. Und dann passiert es: Nichtsahnend packt ein SÜDKURIER-Mitarbeiter seinen Fleischkäswecken aus – und setzt das Grauen in Gang. 30 Enten – die Erpel voraus – starten die Attacke. Frauen und Kinder im Schlepptau rennen sie los, recken die Hälse und picken Richtung Brötchen. Irre schnatternd, hungrig. Selbst die kleinsten Spatzen setzen aus den umliegenden Büschen zu Flugangriffen an – und scheuen dabei nicht einmal vor Körperkontakt mit ihrem Opfer zurück. Wer sich vor Hitchcocks Vögeln gefürchtet hat, den drohen Singens Biester in den Wahnsinn zu treiben. "Los Kinder esst schnell auf", meint man eine verängstigte Mutter auf der Parkbank nebenan zu hören. "Essen die Vögel uns sonst auf, Mama?" Ob unser Mitarbeiter diesen Dialog tatsächlich mitanhören musste – oder ob er dann doch aus Hitchocks Feder stammt, lässt gar nicht mehr so einfach nachkonstruieren. So oder so, es ist zum Gruseln.