Kreis Konstanz Heimatcheck (6): Lebendige Vereinslandschaft ist den Gemeinden hier wichtig

Heimatcheck, Teil sechs: Mit Angeboten von Höhlentauchen bis Drachenfliegen sind die Sportmöglichkeiten in der Region abwechslungsreich. Sportvereine erhalten jedoch immer mehr Konkurrenz von Anbietern wie Fitness-Studios. Für die Kommunen sind die Vereine allerdings wichtig.

Kreis Konstanz – Arbeiten und Lernen am Schreibtisch vor dem Bildschirm, alltägliche Wege werden per Auto, Bus oder Zug erledigt, abends geht es für viele, gestresst vom Alltag, aufs Sofa. Glaubt man einer aktuellen Studie der Techniker Krankenkasse, bewegt sich rund ein Drittel der Deutschen weniger als eine halbe Stunde pro Tag, ein weiteres Drittel bleibt unter einer Stunde pro Tag. Bewegungsmangel ist einer der größten Faktoren, wenn es um Rückenleiden und andere chronische Beschwerden geht.

Gleichzeitig sind Sport und körperliche Fitness so hoch im Kurs wie lange nicht mehr. Deutschland ist Fußballweltmeister und Europameister im Handball, die Fitness-Studios schießen nur so aus dem Boden und nie zuvor gab es so viele Laufveranstaltungen wie heute. Längst ist der Sport auch in der digitalen Welt angekommen – Sportapps und Fitness-Armbänder, die Schritte, Kalorien und Puls messen, haben Hochkonjunktur. Trainiert wird nicht mehr nur im Fitness-Studio oder in der Sporthalle, sondern auch zuhause im Wohnzimmer vor dem Smartphone oder dem Tablet. Personal Trainer, das heißt Profis, die ein individuelles und maßgeschneidertes Fitnessprogramm für eine Person entwickeln und die Ausführung begleiten, sind schon lange nicht mehr nur Stars und Sternchen vorbehalten. Dass Sport unheimlich vielseitig ist und es für jeden Geschmack eine Möglichkeit zur Bewegung gibt, zeigt die bunte und riesige Sportlandschaft im Kreis Konstanz. Dass es nicht immer Fußball, Handball oder Marathonlaufen sein muss, beweisen die vielen Randsportarten, die keine Massen anziehen, die Sportlandschaft in und um Konstanz aber umso interessanter machen.

In Aach tauchen die Freunde der Aachhöhle in die dunklen und geheimnisvollen Tiefen an der größten Quelle Deutschlands. Hoch hinaus zieht es dagegen die Drachenflieger aus Stockach. Noch ganz jung ist Tischfußball als Sportart, die den Spielern in Konstanz jede Menge Spaß bringt. Im Engener Ortsteil Bittelbrunn holt sich der Radfahrerverein regelmäßig Titel mit seinen bunt und fantasievoll gestalteten Fahrrädern mit Anhängern, die es gekonnt ruhig, gerade und in Formation beim Korso zu fahren gilt. Eine besonders große Rolle kommt dabei den Vereinen zu. „Die Sportvereine leisten einen nicht zu bemessenden Wert für die sozialen Strukturen in der Stadt Konstanz. Sie betreuen in Ihren Trainingseinheiten fast zehn Prozent der Gesamtbevölkerung von Konstanz und schulen Werte und Leitlinien im Sport und übertragbar auf das Leben. Gleichzeitig leben die Sportvereine das hohe Maß an Gemeinschaft vor“, gibt Patrick Glatt vom Konstanzer Sportamt zu verstehen. Bald jeder dritte Konstanzer ist Mitglied in einem Sportverein.

Auch in Radolfzell nimmt der Vereinssport neben den anderen Sport- und Freizeitangeboten eine große Rolle ein. Laut Sportentwicklungsplan der Stadt sind 13 666 Menschen Mitglied in einem der 43 Vereine in der Stadt. Insbesondere Kinder machen einen Großteil der Mitglieder in den Sportvereinen aus. Im Alter zwischen sieben und 14 Jahren sind ganze 92 Prozent der Radolfzeller Kinder Mitglied. Werden die Kinder älter, sinkt der Anteil wieder deutlich, wie aus dem Sportentwicklungsplan hervorgeht. „Sport ist auch ein Ventil gegen Stress“, ist sich Frank Karotsch, Vorsitzender des Stadtsportverbands Stockach sicher. „Im Sport kann man seine Erfüllung finden und auch der Gesundheitsaspekt spielt eine ganz große Rolle. Auch zehn Minuten Walking sind besser, als nichts zu machen“, so der Stockacher Sportbegeisterte.

Aus den Angeboten in der Region ergeben sich vielseitige und teils ausgefallene Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen. Bodensee und Rhein schaffen weitere Möglichkeiten, aktiv zu sein. In Kanuclubs, Rudervereinen, Segelclubs und Tauchvereinen bewegen sich Sportler auf, im und unter Wasser. Mit der Vielzahl an Bädern und der abwechslungsreichen Landschaft fallen Bewegung und aktive Freizeitgestaltung im Landkreis noch leichter als anderen Orts und bringen vor allem: jede Menge Spaß.

 

Segeln über dem Bodensee

Selbstvertrauen durch Kampfsport

Kampf um das Ei beim Rugby

Traditionssportartim Hegau

Mehr als nur Kampfsport gibt es beim Fight Club Radolfzell. Natürlich werden hier verschiedene Kampfsportarten auf hohem Niveau betrieben: Kickboxen, Mixed Martial Arts, Muay Thai, aber auch exotischere Arten wie auch Grappling und Freefight können hier trainiert werden. Dabei legt der Verein besonders Wert auf die Kinder- und Jugendausbildung. Bei einem speziellen Eltern-Kind-Training können schon die Kleinsten beim Kickboxen Selbstvertrauen gewinnen und sich mit den Eltern auspowern. Die gute Ausbildungsarbeit macht sich bezahlt: Etliche Pokale und Titel zieren die Trainingshalle. Weltmeister, Europameister, Deutsche Meister – es gibt kaum einen Titel, den nicht einer der Club-Mitglieder schon einmal gewonnen hätte. Doch sportlicher Erfolg ist nicht alles. Club-Vorsitzender Sven Trettner legt Wert auf eine familiäre Atmosphäre und Disziplin beim Training. Das Publikum ist gemischt, der Umgang freundlich und die Fäuste fliegen nur auf der Trainingsmatte.

Kontakt: Fight Club Radolfzell, Friedhofstraße 7-9, 78315 Radolfzell, Vorsitzender Sven Trettner, Telefon (01 73) 652 98 60. Weitere Informationen im Internet: www.fight-club-radolfzell.de

Eine besondere Aussicht genießen Sportler des Drachen- und Gleitschirmfliegerclubs Seeadler aus Bodman-Ludwigshafen. Der Stettelberg bei Ludwigshafen ist der Startplatz für eine sportliche Aktivität in luftiger Höhe. Zum Landeplatz geht es 170 Meter mit Blick auf den Bodensee durch die Luft. Gelandet wird regionstypisch zwischen Obstplantagen. Der Verein hat 68 Mitglieder, von denen 48 aktive Piloten sind. Laut dem Verein ist am Stettelberg das einzige Hangstartgelände am Deutschen Bodenseeufer. Für Interessierte bietet der Verein Einstiege in den Flugsport an und ist zudem offen für Gastflieger aus anderen Gebieten. Neben dem Startgelände am Stettelberg verfügt der Verein auch in Mindersdorf bei Stockach über ein zugelassenes Fluggelände. Der Verein organisiert zudem auch regelmäßige Vereinstreffen, Ausflüge und Fliegerurlaube.

Kontakt: Drachen- und Gleitschirmfliegerclub Seeadler e.V. in 78351Bodman – Ludwigshafen am Bodensee. Vorsitzender Patrick Schwarm (vorstand@dgfc-seeadler.de). Weitere Informationen im Internet unter www.dgfc-seeadler.de

Ein bisschen ähnelt Faustball dem modernen Volleyball. Bei dem Rückschlagspiel gibt es aber kein Netz, sondern eine Leine über die fünf gegen fünf gespielt wird. „Das Feld ist größer als beim Volleyball und der Lederball härter und schwerer. Gespielt werden darf nur mit einem Arm“, beschreibt Volker Sauter, Mannschaftsführer der Faustballer vom TV Engen. Ziel ist es, den Ball für den Gegner unerreichbar in das andere Spielfeld zu bringen – das gibt einen Punkt. Es wird vermutet, dass Faustball schon drei Jahrhunderte vor Christus entstanden ist. In Deutschland wird sie jedoch erst seit etwa 1870 gespielt. Während die meisten Mannschaften unter Spielermangel litten, seien die Engener Faustballer ganz gut aufgestellt, so Sauter. Bis zu zwölf Sportler besuchen das Training, das immer am Montagabend in der Großsporthalle in Engen stattfindet. (ker)

Kontakt: Turnverein Engen 1847 e.V., Schwarzwaldstr.14a, 78234 Engen. Abteilung Faustball, E-Mail: faustball@tv-engen.de. Informationen: www.tv-engen.de

Ein Sport für Gentlemen – auch wenn es nicht immer so aussieht. Rugby wirkt für Außenstehende wie Keilerei mit Ball, dabei gibt es klare Regeln und für den Spielverlauf ist die Spieltaktik entscheidend. Ein englisches Sprichwort beschreibt Rugby sehr gut: „Rugby ist eine von Gentlemen gespielte Raufbold-Sportart.“ Schon seit über 20 Jahren besteht in Konstanz ein Rugby-Verein. Zum jetzigen Zeitpunkt besteht der Rugby Club Konstanz nach eigenen Angaben aus 90 aktiven und 50 passiven Mitgliedern, eine sehr internationale Mischung, ist der Sport doch vor allem im angelsächsischen Raum beliebt.

Besonders Austauschstudenten freuen sich, den Lieblingssport auch in Konstanz ausüben zu können. Es gibt eine Herren- und eine Frauenmannschaft, in der Jugendabteilung spielen Kinder zwischen sechs und 17 Jahren. Reinschnuppern und ausprobieren ist erwünscht.

Kontakt: Rugby Club Konstanz e.V., Training auf dem Fohrenbühlplatz in Konstanz-Allmannsdorf. Infos und Kontaktformular im Internet: www.rckonstanz.de

 

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