Eppingen ist nicht überall. "In Singen", so versichert Poppele-Zunftmeister Stephan Glunk, "begleiten immer vier Zünftler die Umzugswagen, von denen Gefahren für das Publikum ausgehen könnten." Mit kochendem Wasser – wie beim Eppinger Hexenkessel – oder mit Feuer sei bei Singener Fasnachtsumzügen noch nie hantiert worden. Der Umzug am Schmutzigen Dunschtig werde ohnehin nur von Singener Vereinen bestritten, die alle bekannt sind. "Für den Samstagsumzug nehmen wir Anmeldungen entgegen, verlangen aber keine Inventarliste", sagt Glunk. "Damit haben wir bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht." Nur eine Gruppe sehr gruseliger Masken (Die Perchten) sei abgelehnt worden. Andere, wie die "Vulkanteufel" oder die "Hegauer Wolfshexen" seien willkommen, weil sie sich als Verein die Singener Fasnacht bereicherten.

Auch der Leiter des Singener Ordnungsamtes Markus Berger bestätigt, dass den Vereinen keine Auflagen bei der Ausstattung ihrer Umzugswagen gemacht würden. Wohl aber was die Verkehrssicherheit der Wagen selbst angehe. "Und daran hält sich die Zunft", sagt Berger. "Der Umzugsweg selbst ist genau mit der Polizei abgestimmt und enthält einen Plan, wo Ordner stehen müssen und welche Kreuzungen von der Verkehrspolizei überwacht werden."

Am Schmutzigen Dunschtig wird die Polizei mit mehr Kräften im Einsatz sein. In Gottmadingen gibt es am Rosenmontag sogar noch Verstärkung von außen. <em>Archiv-Bild: Sabine Tesche</em>
Am Schmutzigen Dunschtig wird die Polizei mit mehr Kräften im Einsatz sein. In Gottmadingen gibt es am Rosenmontag sogar noch Verstärkung von außen. (Archivbild) | Bild: Sabine Tesche

Überhaupt wird die Polizei an den hochnärrischen Tagen mit mehr Kräften im Einsatz sein; am Rosenmontag in Gottmadingen sogar mit Unterstützung von auswärtigen Beamten. "Am Donnerstag haben wir den Hohgarten besonders im Blick", sagt Schmidt. "Hier geht es um Prävention. Und wenn es zu Streitigkeiten kommen sollte, wollen wir zeitnah eingreifen können." Außerdem gehe es darum, Alkoholexzesse unter Jugendlichen zu verhindern. Dafür sind auch Polizeistreifen in Zivil unterwegs.

Hier kommt die städtische Kriminalprävention (SKP) mit Marcel DaRin ins Spiel. Unermüdlich setzt er sich seit Jahren dafür ein, dass der Jugendschutz eingehalten wird. Dazu gehört auch, dass kein Alkohol an Jugendliche und 16 Jahren und keine branntweinhaltigen Getränke an unter 18-Jährige verkauft wird. Erst am 6. Februar führte die SKP zusammen mit der Polizei und dem Ordnungsamt wieder Alkoholtestkäufe mit einem 16-jährigen Testkäufer in fünf Discountern, vier Tankstellen, vier Supermärkten und einem Getränkemarkt durch. Nur ein Supermarkt fiel durch.

Das Singener Aktionsbündnis gegen Alkoholmissbrauch an Fasnacht hat wie in den vergangenen Jahren Elternbriefe verschickt und in den Schulen verteilt, in denen die Eltern an ihre Mitverantwortung erinnert werden. In der Vergangenheit kam es immer wieder vor, das Kinder und Jugendliche mit Alkoholvergiftungen in die Kinderklinik eingeliefert werden mussten.

 

 

Hexen brauchen Fingerspitzengefühl

Joachim Tröscher für Beisteller
Joachim Tröscher für Beisteller | Bild: hexen

Dürfen Hexengruppen bei Umzügen kochendes Wasser oder Feuer in ihren Formationen mitführen? Diese Frage beschäftigt die Narren nach einem schweren Unfall bei einem Nachtumzug in Eppingen. Der SÜDKURIER fragte dazu die „Oberhexe“ Joe Tröscher von den Turmhexen in Aach

Herr Tröscher, wie ordnen Sie die Geschehnisse von Eppingen ein?

Ich bin da zuerst einmal vorsichtig, da bisher nicht alle Fakten klar sind wie zum Beispiel die Frage, ob die besagte Hexe überhaupt zum Verein gehörte. Ganz allgemein sollte natürlich der Brauchtum der Fastnacht im Vordergrund stehen, auch wenn Narretei dazu gehört. Somit lässt sich sagen: „Jedem zur Freud keinem zum Leid“.

Hat Ihre Hexentruppe selbst eine Art Wagen, um Passanten in den Umzug zu involvieren?

Nein bisher nicht, wir haben lediglich Kinderwagen in denen wir Konfetti transportieren oder Unterstützungen für Mitglieder, die nicht so gut zu Fuß sind. Auch bei uns wird es in Zukunft vielleicht mal einen Hexenwagen geben. Für diesen werden dann jedoch strenge Regeln gelten, sodass die Sicherheit der eigenen Leute sowie auch der Passanten gewährleistet ist.

Viele Narrengruppen nehmen an Umzügen Passanten eine kurze Strecke mit, um sie mit Konfetti oder Ähnlichem zu necken. Doch wo hört für Sie dabei der Spaß auf?

Diese Grenze vom Spaß zum Ernst benötigt sehr viel Fingerspitzengefühl. Ganz klar ist, dass junge Mädchen nicht an unpässlichen Stellen angefasst werden sollten, und genauso sollte jeder der klar zeigt, dass er nicht mitgenommen werden möchte, auch in Ruhe gelassen wird. Diejenigen, die jedoch auch mal gerne mitgenommen werden, signalisieren das für gewöhnlich, und die kann man dann gerne auch mal in den Umzug einbauen.

Fragen: Marla Hanenberg