Sonntagmorgen um 10 Uhr scheint die Stadt noch zu schlafen. Nur ein paar bunt gekleidete Sportler haben sich mit ihren Mountainbikes im Schatten des Singener Rathauses versammelt. Kein Schimmer von dem, was sich hier in genau zwei Wochen abspielen wird, wenn über 1000 Profi- und Hobby-Radsportler zur Weltmeisterschaft und dem Hegau-Bike--Marathon antreten werden. An diesem sonnigen Sonntagvormittag herrscht eher Erstaunen über die zurückhaltende Resonanz. Will denn keiner die Herausforderungen der Route kennenlernen? Streckenchef Uli Lutz hatte die Presse und Gäste zur Erkundungsfahrt eingeladen.

Während sich das Hegau-Bike-Team noch von den Strapazen des strengen Samstagstrainings ausruht, sind aber immerhin Radler aus Konstanz, Radolfzell, Messkirch und der Schweiz gekommen. Sie wollen wissen, auf was sie sich mit ihrer Anmeldung eingelassen haben. Sie wollen das Höhenprofil erkunden, die kniffligen Stellen durchfahren, die Beschaffenheit der Wege erspüren und ihren eigenen Trainingsstand kennenlernen. Noch gibt es die Möglichkeit, die Muskeln noch etwas mehr zu stählen. Wer die Strecke kennt, weiß später beim Wettkampf besser mit seinen Kräften zu haushalten.

Pünktlich um 10 Uhr klopft Uli Lutz mahnend auf die Uhr. Er weiß, wie heiß dieser Ritt bis zum Mittag noch werden kann. Schnell noch ein Gruppenfoto, und los geht's in flottem Tempo an der Aach entlang bis zur Duchtlinger Straße. Einige gelbe und rote Pfeile auf der Straße markieren schon die Strecken. Rot ist für die Profis, gelb für die ambitionierten Hobby-Fahrer. "Zur Weltmeisterschaft öffnet das MAC-Museum für einige Stunden seine Baustelle", erklärt Uli Lutz. Aber viel Zeit für Erklärungen hat er eigentlich nicht. Er will die Strecke erlebbar machen. Und das geht nicht in der Theorie.

In einer sanften Steigung geht es unterhalb des Hohentwiels zügig nach Hilzingen. Noch ist keiner außer Atem, aber die ersten Schweißperlen zeigen sich in den Gesichtern. Elf Männer und zwei Frauen werden in den kommenden zwei Stunden die Besonderheiten der Hegauberge ausloten und dabei mit fantastischen Landschaftseindrücken belohnt. Schnell hat sich die Gruppe gefunden. Als ein umgefallener Baum den Weg versperrt, werden die Räder zur Seite gelegt. Die Männer packen an und räumen den Stamm beiseite. Und weiter geht's.

Zwei besonders fiese Stellen stehen noch bevor: Der sandige Anstieg unter der Autobahn und der Schweinebuckel am Plören. Da hat sich schon mancher die Zähne ausgebissen und musste absteigen. Doch diesmal hilft die Gruppendynamik. Wer oben angekommen ist, feuert die andern auf der Strecke an, bis sie oben sind. Danach ist die Freude groß. Was jetzt noch kommt, setzt Glückgefühle frei. Nach einem weiteren kleinen Anstieg geht es nur noch durch den Wald bergab. Am Ende sind sich alle einig: Der Hegau zeigt sich auf der 31-Kilometer Mountainbike-Strecke von seiner besten Seite.

Die Mountainbike-WM

Der Hegau Bike-Marathon mit Start und Ziel in Singen wird am 25. Juni 2017 die Plattform für die UCI Weltmeisterschaften im MTB-Marathon bilden. Die weltbesten Langstrecken-Biker kämpfen um die begehrten Regenbogen-Jerseys, die wichtigste Trophäe, die es in diesem Sport zu gewinnen gibt. Auf 98 Kilometer kämpfen die Herren um den WM-Titel; die Damen fahren 80 Kilometer durch den Hegau. Infos: www.hegau-bike-marathon.de