Ein Altmeister alemannischer Mundartkunst, der Singener Hans Flügel, kann am heutigen Samstag seinen 90. Geburtstag feiern. Dass der Jubilar im Hauptberuf als Speditionskaufmann tätig war, wissen nur wenige, ist auch nicht von allgemeinem Interesse. Ganz anders ist es mit seiner weit bekannten literarischen Tätigkeit. Nach anfänglich in schriftdeutscher Sprache geschriebenen und in verschiedenen Zeitungen veröffentlichten Kurzgeschichten und Erzählungen wandte sich Hans Flügel dem heimischen Dialekt zu.

1979 entstand sein erstes Mundart-Theaterstück, dem weitere acht folgten, von denen unter anderem die Hegauer Mundartbühne zwei mit großem Erfolg in Singen aufgeführt hat. 1982 und 1985 erschienen im SÜDKURIER-Verlag Konstanz zwei Mundartbücher: „Sunneschii und Regeböge“ und „Me isch au nu en Mensch“. Dazu kamen zahlreiche Veröffentlichungen von Gedichten in Anthologien, Lesungen aus seinen Werken und Referate (vornehmlich in Schulen) über den Wert von Dialekt und Hochsprache. Auch im Rundfunk und im Fernsehen trat Hans Flügel auf.

Dauerbrenner waren seine Wochenend-Glossen in Mundart, erschienen unter dem Pseudonym „Krummuli“ in der Singener Ausgabe des SÜDKURIER. Eine noch längere Tradition haben seine regelmäßigen Beiträge im „Singener Jahrbuch“. Etliche Texte aus der Feder von Hans Flügel wurden vom Singener Musiker Winand Mayr vertont und vom „Stuben G’sang Singen“ bei vielen Auftritten gesungen.

Hans Flügels Liebe zur Fasnacht fand Jahre lang ihren hör- und lesbaren Ausdruck in Büttenreden bei der Mondfänger-Zunft Wangen am Untersee und in Narrenzeitungsbeiträgen, weshalb es nicht schwer fiel, ihn zum Ehrenzunftgesellen der Poppelezunft Singen und zum Langensteiner Narrenmeister zu ernennen.

Besonders begrüßt von den Freunden des heimatlichen Dialekts wurde im Jahr 1995 Hans Flügels Buch „We d’Singemer früehner gschwätzt hond“. Diese unterhaltsame Mundartkunde ist nicht nur eine höchst vergnügliche Lektüre, sondern auch ein Nachschlagewerk, das noch nach Jahrhunderten die Sprache der Alt-Singemer dokumentiert. 2001 erschien nochmals ein Buch im Selbstverlag des Verfassers mit dem Titel „Geflügeltes Alemannisch“.

Schon 1991 war Hans Flügel für seine Verdienste um den alemannischen Dialekt von der Muettersproch-Gsellschaft Singen als erstem die Johann-Peter-Hebel-Medaille verliehen worden. Eine große Anhängerschar, die seine Bücher und anderen Publikationen immer noch mit Begeisterung liest und jahrzehntelang den Worten des Mundartdichters bei Lesungen gespannt gelauscht hat, wünscht dem lieben „Krummuli“ Hans Flügel weitere Jahre in Gesundheit und Schaffenskraft.