Benjamin Fritsche bleibt im Ungefähren. Der Pressesprecher der Bundespolizei mit Dienstsitz in Konstanz ist auch für alle Fragen im Raum Hegau zuständig. Konkrete Zahlen zur unerlaubten Einreise afrikanischer Flüchtlinge über die grüne deutsch-Schweizer Grenze zwischen Ramsen und Bietingen kann er trotzdem nicht nennen. So fein differenzieren die Grenzschützer von der Bundespolizeiinspektion die Zahlen nicht. Deshalb muss sich die Berichterstattung mit einer Zahl zufrieden geben: "Im August 2016 wurden beim Grenzübertritt an der Deutsch-Schweizer Grenze rund 680 unerlaubte Einreisen durch die Bundespolizeiinspektionen Weil am Rhein und Konstanz festgestellt", teilt Fritsche mit. Einen Monat zuvor seien es rund 450 Personen gewesen. Das sind 230 Menschen mehr.

Bereits Ende August hatte der SÜDKURIER von einem sprunghaften Anstieg der unerlaubten Einreisen, besonders afrikanischer Flüchtlinge, über die Schweiz berichtet. Damals hatte Landrat Frank Hämmerle zu laxe Kontrollen auf Schweizer Seite kritisiert. Auch der baden-württembergische Innenminister Thomas Stobl (CDU) nimmt das Thema ernst und hatte angekündigt, die Polizeiinspektionen im Grenzraum durch weitere Beamte zu verstärken. In Konstanz ist das zwischenzeitlich wohl geschehen, wie Benjamin Fritsche erklärt. "Die Dienststelle wurde zur Bewältigung der anfallenden Aufgaben zusätzlich um rund zehn Beamte der Bundesbereitschaftspolizei verstärkt", erklärt der Pressesprecher. "Zusätzlich wird flexibel und je nach Bedarfslage die mobile Kontroll- und Überwachungseinheit der Bundespolizeidirektion Stuttgart eingesetzt."

In den betroffenen Grenzgemeinden Gailingen, Gottmadingen mit Ortsteilen und Büsingen hat man davon bisher offenbar noch nichts gemerkt. Bürgermeister Michael Klinger, auf dessen Gemarkung mit Bietingen einer der großen deutsch-Schweizer Grenzübergänge liegt, hat von den Kontrollen der Bundespolizei bisher nichts mitbekommen. "Bei uns war das noch kein Thema", sagt der Gottmadinger Verwaltungschef. Sein Kollege Heinz Brennenstuhl aus Gailingen antwortet ebenfalls schulterzuckend: "Mir ist kein solcher Einsatz bekannt. Ich stelle keine verstärkten Grenzkontrollen durch die Bundespolizei fest." Auch habe noch kein unerlaubt eingereister Flüchtling vor seiner Rathaustür gestanden. Die rund 60 Flüchtlinge in seinem Ort (überwiegend Familien) wurden alle von der Konstanzer Migrationsbehörde zugewiesen.

In Büsingen stellt sich die Situation ohnehin ganz anders dar. Bürgermeister Markus Möll zählt in seiner Gemeinde 43 anerkannte Flüchtlinge, die alle schon in Anschlussunterkünften wohnen. "Wir sind als Enklave umgeben von Schweizer Raum", sagt Möll. "Schon alleine deshalb müssen die Flüchtlinge, die bei uns leben, alle den Status der Anerkennung haben. Sonst könnten sie sich ja überhaupt nicht bewegen." Die Tatsache der doppelten Grenzüberschreitung schließe praktisch aus, dass Asylsuchende aus Afrika unerlaubt von der Schweiz nach Büsingen einreisen, ist Möll überzeugt. Daher seien illegale Grenzübertritte in seiner Gemeinde auch kein Thema.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €