Das Landgericht Konstanz hat einen 68-jährigen Mann aus dem nördlichen Hegau wegen 37-fachen sexuellen Kindesmissbrauchs und Freiheitsberaubung zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. Über einen Zeitraum von 14 Jahren vergriff sich der Rentner in zahlreichen Fällen an einer Enkeltochter und in einem Fall auch an einem Enkelsohn. Die Kinder waren damals zwischen vier und zwölf Jahre alt.

Bereits im Jahr 1996 war der Mann vom Amtsgericht Singen wegen sexuellen Missbrauchs seiner eigenen Tochter zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Eine zweite Tochter, die inzwischen Mutter ist, berichtete erst jetzt als Zeugin von vielfachem sexuellen Missbrauch durch ihren Vater. Damals habe sie es auf Anraten ihrer Mutter nicht gewagt, ihn anzuzeigen.

Nach der Haft beteuerte der Mann, sich zu bessern

Nach der Haft habe der heute 68-Jährige Besserung gelobt. Deshalb, so die Tochter, habe sie den Großeltern zwischen 2000 und 2014 ihre eigenen Kinder an vielen Wochenenden zur Aufsicht überlassen. Dabei habe sie ihre Mutter gebeten, die Kinder nie mit dem Opa alleine zu lassen. Doch es passierte wieder.

Von seinen Töchtern und den Enkelkindern wurde der Großvater als jähzorniger Despot beschrieben, unter dessen Launen und Ausbrüchen die ganze Familie zu leiden gehabt habe. Er habe bestimmt, wer was wann zu tun hatte. Er habe ein Enkelkind in sein Bett befohlen, um es zu betatschen oder sexuell zu bedrängen, berichtete eine Polizeibeamtin. Und wenn er per Klingel das nächste Bier bei seiner Ehefrau geordert habe, habe er seinen Willen bekommen.

"Das war wie Folter"

Weil es auch schöne Momente, Pizza und Eis im Garten der Großeltern gab, und einen Hund, mit dem sie spielen konnten, besuchten ihn die Enkelkinder immer wieder. Und der Rentner überschritt dabei immer wieder die Grenzen ihrer körperlichen Integrität. Eines Tages ließ er beim Fernsehen laut lachend vor seiner damals elfjährigen Enkelin die Hosen herunter, um sie zu schockieren. Die älteren Kinder berichteten, sie hätten sich vor ihm entkleiden müssen, damit er ihre körperliche Entwicklung "kontrollieren", und sich darüber lustig machen konnte. "Das war wie Folter", beschrieb der Enkelsohn bei einer polizeilichen Vernehmung die Übergriffe des Angeklagten.

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Schließlich geht die Enkeltochter zur Polizei

Im Sommer 2014 sperrte der 68-Jährige eine vierjährige Enkeltochter in seiner Gartenhütte mehr als 10 Minuten lang ein, um dem Kind höllische Angst einzujagen. Danach wollten auch die anderen Kinder nicht mehr zu ihm. Im Mai 2017 ging die heute 18-jährige Enkeltochter zur Polizei, ihr 22-jähriger Bruder schloss sich mit einer Anzeige an.

Nach seinem Geständnis, das er seinen Anwalt verlesen ließ, erklärte der 68-Jährige, er habe damals "sehr viel" getrunken. Heute konsumiere er "nur noch etwa eineinhalb Flaschen Sekt pro Abend".

Eine eingeschränkte Schuldfähigkeit zum Zeitpunkt der Taten stand aber aufgrund seiner erwiesenen Alkoholgewöhnung für das Gericht nicht zur Debatte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.