Das trostlose Bild bleibt seit Monaten unverändert. Die Aufzüge an den Gleisen des Singener Bahnhofs sind verwaiste Baustellen, an denen sich nicht das Geringste regt. Große Aufregung herrscht aber, wenn gehbehinderte, meiste ältere Menschen und Mütter mit Kinderwagen aus den Zügen aussteigen, die im Singener Bahnhof halten. Mühsam, teils hektisch oder ängstlich quälen sie sich die Treppen hinunter, weil die Aufzüge nicht laufen, oder sie erhalten Hilfe von Passanten. "Diesen Zustand können wir nicht länger so hinnehmen, zumal sich der längst fällige Austausch der Auszüge laut Bahn weitere Monate verzögert", schimpft Oswald Ammon, Behinderten-Beauftragter des Landkreises Konstanz. Der Kreisseniorenrat hat an einen Bevollmächtigten der Deutschen Bahn geschrieben und dabei auch den Unmut darüber zum Ausdruck gebracht, dass die längst überfälligen Erneuerung von Seehas-Haltestellen weiter verschoben werde. Wie in Mühlhausen muss für den Ein- und Ausstieg eine Höhe von bis zu einem halben Meter zu den Zügen überwunden werden. "Es gibt ältere Menschen, die fahren sogar eine Station weiter, um nach einem Umstieg und der Rückfahrt an das Bahngleis zu gelangen, an dem sie keine Barriere überwinden müssen", schildert Roland Kneer vom Führungsteam des Singener Stadtseniorenrates. "Wir bekommen viele Beschwerden über unüberwindbare Hindernisse auf Bahnhöfen, vor die ältere Menschen gestellt werden", so Kneer.

"Die Schweizer Bahn macht es vor, wie es geht. An deren Bahnhöfen herrscht durchweg Barrierefreiheit. Außerdem sind die Schweizer wesentlich hilfsbereiter und sie informieren besser", schildert Klaus Wolf, Behinderten-Beauftragter der Stadt Singen. Die Bahn müsse wenigstens Mitarbeiter stellen, die bei der Überwindung der Barrieren helfen", sind sich die Vertreter von Behinderten und Senioren einig. "Eine Fahrt von Singen nach Konstanz gleicht einer Odyssee. Katastrophal ist auch die Situation auf dem Konstanzer Bahnhof", beschreibt Klaus Wolf. Der dort geplante Bau von neuen Aufzügen wurde verschoben. "Der desolate Zustand auf dem Singener Bahnhof ist eine schlechte Werbung für die Stadt in einer Zeit, in der viele Menschen zum Einkaufen kommen und den Weihnachtsmarkt besuchen", erklärt Bürgermeisterin Ute Seifried. "Wir versuchen, bei der Deutschen Bahn immer wieder darauf zu drängen, dass der Austausch der Aufzüge endlich erfolgt. Es ist aber schon schwierig, die richtigen Ansprechpartner zu finden", betont sie.

"Schienengleiche Übergänge, die für Fußgänger barrierefrei waren, wurden am Singener Bahnhof abgebaut. Es gibt nun Aufzüge. Die nutzen aber nichts, wenn sie nicht laufen", wettert Klaus Wolf. "Der Austausch der drei Aufzüge am Bahnhof Singen war für den Zeitraum Anfang August bis Ende Oktober 2017 vorgesehen. Aufgrund von Engpässen bei der ausführenden Firma starteten die Arbeiten erst Ende August", erklärt die Deutsche Bahn in einer Stellungnahme. Im Bauverlauf sei es durch Liefer- und Personalengpässe des Auftragnehmers leider zu weiteren Verzögerungen gekommen. Nach derzeitigem Stand sollen die Aufzüge bis Ende Januar 2018 in Betrieb gehen.

Antworten, welche den großen Ärger von den Vertretern der Behinderten und Senioren nicht eindämmen können. Sie wollen notfalls über Landesverbände mehr bei der Bahn erreichen.

Das rät die Bahn

Mobilitätseingeschränkten Reisenden empfiehlt die Deutsche Bahn, ihre Reise bei der Mobilitätsservice-Zentrale unter Telefon 0180 6 512 512 (20 Cent pro Anruf aus dem Festnetz, Tarif bei Mobilfunk maximal 60 Cent) vorab anzumelden, damit entweder Servicepersonale vor Ort unterstützen können oder eine alternative Reiseroute gewählt werden kann. In Singen können laut Bahn Servicepersonale bei angemeldeten Reisen, soweit möglich, unterstützen, spontane Hilfeleistungen seien aber Bahn nicht möglich.