Der Mann muss derzeit viel leiden und geht durch ein Wechselbad der Gefühle. Das geplante Kiesabbaugebiet im Dellenhau bringt Ralf Baumert auf die Palme. Der Bürgermeister von Rielasingen wird nicht müde, ein Schreckenszenario aufzuzeigen. Der ohnehin schon in der Hauptstraße erstickende Verkehr droht durch Dellenhau-Kieslaster, die Anwohner noch mehr in Rage zu versetzen. Herzrasen bekam Baumert wie die meisten der knapp tausend Besucher auf dem Sportplatz Talwiese. Bevor der 1. FC Rielasingen-Arlen einen Pokal-Erfolg gegen den FC Bahlingen feiern konnte, galt es, eine nervenaufreibende, vom Publikum nicht geforderte siebenminütige Zugabe des Schiedsrichters zu ertragen. Mit dem guten Ende und für einmal glücklichen Gemeindechef, obwohl ausgerechnet der frühere Gottmadinger Marco Waldraff den Gastgebern einen Treffer einschenkte. Beim Dellenhau steht allerdings eine weit längere Zitterpartie ins Haus. Erst, wenn die langwierigen Behörden-Verfahren mit einem negativen Bescheid für das Vorhaben enden, kann Baumert endgültig aufatmen. Zuvor geht es aber nach Villingen. Dorf findet am 25. Mai das südbadische Pokalendspiel gegen den oberrheinischen VfR Hausen statt. Und dabei dürfte halb Rielasingen und halb Arlen in den Schwarzwald pilgern. Wer es sich zuhause gemütlich machen, aber das Spiel nicht verpassen will, kann den Fernseher einschalten. Das Finale wird, wie deutschlandweit teils zeitversetzt 20 andere Endspiele, am Vatertag im Premiumsender „Das Erste“ übertragen. Das Ganze als Konferenzschaltung, aber auch einzeln im Internet.

Herzblut

Ein Sieg der Hegauer könnte die Bande zwischen der Gemeinde Rielasingen-Worblingen und der Stadt Singen noch enger knüpfen. „Wenn der 1. FC Rielasingen in den DFB-Pokal einzieht, stellen wir gerne unser Hohentwielstadion zur Verfügung“, erklärt Singens OB Bernd Häusler. Das habe er schon mit Peter Dreide, dem Vorsitzenden des 1. FC Rielasingen-Arlen, besprochen. Der weiß zwar, dass auf der Sportplatz Talwiese im Gegensatz zum Hohentwielstadion nicht DFB-Pokal-tauglich ist, will aber zur Sache keinen Kommentar abgeben. „Das sind alles ungelegte Eier, wenn auch unsere Mannschaft viel Herzblut zeigt“, dämpft er den Optimismus. Wohlwissend aber, dass es eine riesige Chance gibt, dass der 1. FC Rielasingen-Arlen im August in Singen gegen Bayern München, Borussia Dortmund, Schalke 04 oder einen namhaften Bundesligisten auflaufen könnte. Das würde einen weiteren Schub im Nachwuchsbereich geben. „Wir können uns vor Zulauf kaum retten“, betont Dreide und richtet vor allem an Jugendkoordinator Reinhard Graf ein dickes Lob. Für die Rasenpflege im Hohentwielstadion würde sich Uwe Schwarzer sofort zur Verfügung stellen. Der schon seit 15 Jahren als Platzwart auf der Talwiese zuständige Mann schwebt gerade auf Wolke sieben. „Ein Traum geht für mich in Erfüllung“, erklärt er vor der Reise nach Villingen.

Herzenssache

Die Aufzüge am Gottmadinger Bahnsteg sorgen für regelmäßigen Ärger, weil zumindest einer der beiden Fahrstühle immer wieder defekt ist. Das schafft dadurch aber auch einen beachtlichen sozialen Aspekt. Wenn gehbehinderte Senioren auf dem Steg gefangen werden, weil sie zwar mit dem einen Aufzug dorthin gelangen, ihnen aber die Fahrt nach unten verwehrt bleibt, ist Helfen angesagt. Vorausgesetzt, es befindet sich überhaupt jemand an Ort und Stelle. Glück hatte eine ältere Frau, als sie ein zufällig anwesender Bahnbeamte aus einer misslichen Lage befreite. Bertl Wüstner und Uwe Mackfeld konnten sich ebenfalls gewiss sein, eine gute Tat verrichtet zu haben, als sie einen Kinderwagen die Treppen hinuntertrugen und eine Mutter ihren Säugling auf den Arm nehmen konnten. Dennoch schüttelte Wüstner den Kopf ob des permanenten Aufzugsärgernisses. Wie auch der vielbeschäftigter Monteur. Er macht Jugendliche als Verursacher der Aufzug-Pannen aus.

Herzlos

Das Problem mit jugendlichen Zeitgenossen, die offenbar aus Langeweile für Verwüstung und Zerstörung sorgen, gibt es leider auch andernorts, wie am Engener Bahnhof, was viele Menschen wütend macht. Solche Übeltäter sind am Gottmadinger Bahnsteg besonders herzlos, weil sie sich der negativen Folgen für eingeschränkt mobile Menschen bewusst sein müssten. Pokal, Dellenhau, Aufzüge – im Hegau wird viel Adrenalin ausgeschüttet.

albert.bittlingmaier@suedkurier.de