Die zehnte Erzählzeit ohne Grenzen ist eröffnet. "Nun wird von Singen bis Schaffhausen acht Tage lang gelesen, bis sich die Balken und die Ohren biegen", drückte es Moderatorin Eva Wannenmacher salopp aus. Rein statistisch betrachtet beteiligen sich insgesamt 34 Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bei 59 Veranstaltungen in 43 Gemeinden in der Grenzregion Singen/Schaffhausen. Da dürfte für jeden, der gerne liest, etwas dabei sein.

Zur Eröffnung im Stadttheater Schaffhausen las Federica de Cesco aus ihrem neuen Roman "Der englische Liebhaber". Im Gespräch mit Eva Wannenmacher erfuhren die Zuhörer aber auch einiges aus dem Leben der Autorin, die 1938 in Norditalien geboren wurde, seit 1962 in der Schweiz lebt und mehr als 50 Kinder- und Jugendbücher, über ein Dutzend Romane für Erwachsene plus einige Sachbücher veröffentlicht hat.

Star-Autorin Federica de Cesco nahm sich nach ihrer Lesung im Stadttheater Schaffhausen viel Zeit für die Zuhörer.
Star-Autorin Federica de Cesco nahm sich nach ihrer Lesung im Stadttheater Schaffhausen viel Zeit für die Zuhörer. | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Roman ins Schulheft geschrieben

Als Mädchen muss Federica de Cesco ein rechter Wildfang gewesen sein. Kein Wunder, dass sie von Indianern fasziniert war. Ihr Debüt "Der rote Seidenschal" schrieb sie mit 15 Jahren in ein großes Schulheft. Eva Wannenmacher und auch Christian Amsler, Regierungsrat des Kantons Schaffhausen und Präsident des Vereins Agglomeration SH, waren begeistert, dass sie an diesem Abend "einer Heldin ihrer Kindheit" begegnen konnten. "Bücher lesen heißt Wandern gehen in ferne Welten" – diese Worte von Jean Paul zitierte Wannenmacher. Sie habe das erste Buch von Federica de Cesco vor Kurzem noch einmal gelesen.

Bei der Eröffnung der Erzählzeit, diesmal im Stadttheater Schaffhausen, kommen gern auch Politiker aus der Region Hegau-Schaffhausen. Im Bild (vorn von links) die Schweizer Nationalrätin Martina Munz, Singens Oberbürgermeister Bernd Häusler sowie die Grüne Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger mit Mann Hubert Wehinger.
Bei der Eröffnung der Erzählzeit, diesmal im Stadttheater Schaffhausen, kommen gern auch Politiker aus der Region Hegau-Schaffhausen. Im Bild (vorn von links) die Schweizer Nationalrätin Martina Munz, Singens Oberbürgermeister Bernd Häusler sowie die Grüne Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger mit Mann Hubert Wehinger. | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Ausgedacht hat sich Federica de Cesco ihre ersten Geschichten auf dem Weg zur Schule. Dass daraus ihr erstes Jugendbuch wurde, daran hatte sie damals kaum geglaubt. Als sie einen Verlag gesucht habe, habe sie sich in Buchhandlungen umgeschaut und einen Verlag ausgesucht, der romantische Buchumschläge verwendete. Heute ist "Der rote Seidenschal", erstmals 1957 erschienen, ein Klassiker, der besonders gern von Mädchen verschlungen wird. Aber nicht nur. "Auch große Jungs wie wir haben Ihre Bücher gelesen", sagte Raphaël Rohner, Bildungsreferent der Stadt Schaffhausen und Vorsitzender des Fachausschusses Kultur und Freizeit beim Verein Agglomeration Schaffhausen (VAS).

Ein Hingucker, dieses Frölein Da Capo alias Irene Brügger-Hodel, die für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung sorgte.
Ein Hingucker, dieses Frölein Da Capo alias Irene Brügger-Hodel, die für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung sorgte. | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Eine Widmung und ein Pferd

Stolz zeigte auch Christian Amsler das Debüt "Der rote Seidenschal" von Federica de Cesco dem Publikum. Sogar ein Pferd hatte die Autorin damals, vor vielen Jahren, im Anschluss an eine Lesung in das Buch von Amsler gemalt. Fürs Malen von Pferden hatte sie bei der Erzählzeit-Eröffnung zwar keine Zeit, aber sie genoss das Interesse und signierte ihre Bücher mit großer Ausdauer und kam mit den Zuhörern dabei ins Gespräch. Seine Begeisterung über die "Frau von Welt" teilte Christian Amsler noch am späten Abend der Veranstaltung bei Twitter: "Als VAS Präsident zusammen mit Eva Wannenmacher die Heldin unserer Jugend empfangen im Stadttheater Schaffhausen im Rahmen der Erzählzeit ohne Grenzen 2019: Federica de Cesco – eine großartige, charmante und hochkompetente Erzählerin und Frau von Welt!"

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Nach dem Gespräch mit Eva Wannenmacher las Federica de Cesco schließlich noch einen kurzen Ausschnitt aus ihrem neuesten Erwachsenen-Roman "Der englische Liebhaber" – ein sehr persönliches Buch, das auf Ereignissen in ihrer eigenen Familie beruht. Nicht nur dafür, auch sonst, recherchiert die Autorin akribisch, vor allem durch das Lesen von Sachbüchern. Die Protagonistin von "Der englische Liebhaber" ist eine starke Frau, die es als Alleinerziehende in einer Zeit, in der dies als Schandfleck galt, schwer hatte. "Ich habe starke Frauen aber nie in den Vordergrund gestellt, ohne ihnen einen starken, männlichen Gegenspieler zu geben", sagt die Autorin.

Und: De Cesco hat schon neue Projekte im Kopf. Der Arbeitstitel des nächsten Buchs laute "Die Sprache der Steine". Der Roman werde Bezug zu Klimawandel und Umweltzerstörung haben – allerdings gemixt mit einer Geschichte, die sich vor mehr als 10.000 Jahren ereignet hat. Man darf gespannt sein.

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Das läuft noch alles bei der Erzählzeit

34 Autoren lesen bei der Erzählzeit ohne Grenzen aus ihren Büchern vor. Hier eine Auswahl dessen, was Sie alleine in den nächsten vier Tagen in der Region erwartet

  • Montag, 8. April: Julia Jessen liest um 19 Uhr im August-Dietrich-Saal Hilzingen, Karl-Heinz Ott um 19 Uhr in der Sparkasse Hegau-Bodensee Singen. Jürg Halter tritt um 20.30 Uhr in der Basilika Singen auf.
  • Dienstag, 9. April: Lukas Linders Auftritt beginnt um 19 Uhr im Gasthaus Löwen Mühlhausen-Ehingen. Feridun Zaimogl liest um 19.30 Uhr im Liebenfelsischen Schlösschen Gailingen.
  • Mittwoch, 10. April: Michèle Minelli beginnt um 14.30 Uhr im Gemeindesaal St. Anna Singen, Maria Cecilia Barbetta um 19.30 Uhr in der Mensa der Gemeinschaftsschule Steißlingen. Demian Lienhard liest ab 19.30 Uhr im Bürgerzentrum Linde in Tengen-Büßlingen. Heinz Helles Lesung startet um 20 Uhr in der Stadtbibliothek Engen.
  • Donnerstag, 11. April: Lukas Hartmann liest um 19 Uhr in der Alten Rheinmühle Büsingen, Rolf Hermann um 19 Uhr im Alten Rathaus Aach, Gianna Molinari um 19 Uhr im Weinhaus Fahr Gottmadingen, Alexa Hennig von Lange um 19.30 Uhr im Kulturpunkt Arlen und Kati Naumann um 19.30 Uhr in der Stadtteilbücherei Friedingen.

Weitere Informationen im Internet: http://www.erzaehlzeit.com