Ein Rachefeldzug eines 57-jährigen Mannes aus Singen gegen seinen jüngeren Nachbarn endete Anfang August vor dem Amtsgericht Singen. Wegen Diebstahls und Verletzung des Briefgeheimnisses verhängte das Gericht eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten Haft. Dagegen legte der 57-Jährige beim Landgericht Konstanz Berufung ein.

Zur Verhandlung erschien er jetzt aber nicht. Ein Schreiben, das sein Fernbleiben erklären sollte, wurde vom Gericht nicht als Entschuldigung akzeptiert. Die Berufung wurde nun kostenpflichtig verworfen.

Es geht um Bankdaten und andere persönliche Dokumente

Nach monatelangem Streit mit seinem Nachbarn in einem Mehrfamilienhaus in Singen kam der 57-Jährige im Sommer 2016 auf die Idee, Post aus dessen Briefkasten zu fischen. Dadurch fielen ihm unter anderem Bankdaten, Versicherungsunterlagen und andere wichtige, persönliche Dokumente des Mannes in die Hände.

Um es auf die Spitze zu treiben, kündigte der 57-Jährige im Namen des Nachbarn zunächst dessen Autoversicherung beim zuständigen Versicherungsunternehmen. Auch den Pachtvertrag für ein Gartengrundstück des Nachbarn löste er auf, ohne dass dieser zunächst etwas ahnte.

Der Angeklagte macht Herzprobleme geltend

Als der Nachbar vor vollendeten Tatsachen stand, fiel er aus allen Wolken. Er zeigte den 57-Jährigen an. Nach einer Anklage der Staatsanwaltschaft kam es zur Verurteilung, die der 57-Jährige zunächst nicht akzeptieren wollte. Dann aber schrieb er einige Tage vor der Berufungsverhandlung an das Landgericht: "Hiermit breche ich das Verfahren wegen Herzproblemen ab." Obwohl alle Vorwürfe nicht stimmten und er unschuldig sei, werde er aus gesundheitlichen Gründen zum Berufungstermin nicht erscheinen, erklärte er.

Die Richterin rügte, dass weder eine förmliche Berufungsrücknahme noch ein ärztliches Attest vorlagen. Das Schreiben selbst könne man nicht als Entschuldigung für sein Fernbleiben akzeptieren. Die Berufung wurde verworfen, die vom Amtsgericht verhängte Freiheitsstrafe ist somit rechtskräftig.