Der südliche Singener Stadtteil Bohlingen ist seit dem 11. September ein geteilter Ort. Wegen der dringenden Reparatur an der Aachbrücke mit dem Austausch der Asphaltbeläge und Erneuerung der Bauwerksabdichtung musste die Brücke für den Fahrzeugverkehr voll gesperrt werden. Die Nerven der Einwohner liegen seit Wochen blank, denn vom südlich der Aach gelegenen Unterdorf ist für Fahrzeuge sonst keine Ausweichmöglichkeit vorhanden, um auf die andere Ortsseite ins Oberdorf zu gelangen. Eine Umleitung über Bankholzen und Moos ist sechs Kilometer lang und nimmt etwa acht Minuten in Anspruch. Fahrradfahrer und Fußgänger können die Brücke während der Bauarbeiten auf der einen Brückenseite überqueren.

„Wir wissen um die Sorgen und Ängste der Bohlinger Bürger und der Geschäfte im Dorf, alle beteiligten Baufirmen werden ihr Bestes tun, damit die Brücke spätestens bis 27. Oktober vollständig saniert und für den Fahrzeugverkehr wieder geöffnet werden kann“, sagte Singens OB Bernd Häusler bei einem seiner Besuche an der Baustelle. Häusler und die zuständigen Fachbereichsleiter der Stadt verwiesen an der Baustelle auf die technischen Arbeiten; so mussten die bituminösen Beläge und die defekten Abdichtungen zuerst lageweise abgefräst werden, damit die neuen Abdichtungen aufgebracht werden konnten. „Das erfordert Zeit, die neuen Schweißbahnen müssen austrocknen, ansonsten sind Mängel vorprogrammiert“, gab Bernd Häusler zu verstehen und bat die Bürger um Geduld.

Die Bürger wissen zwar über die Wichtigkeit der Sanierung, sie hätten sich jedoch im Vorfeld der Brückensperrung mehr Informationen rund um die Sperrung gewünscht. Die Dringlichkeit einer zweiten Brücke für den Bedarfsfall regt deshalb Manfred Dunaiski an. „Das Dorf ist abgeschnitten, die Stadt sollte jetzt ernsthaft darüber nachdenken, die bestehende Fahrradbrücke über den Aachkanal beim Sportplatz für Fahrzeuge umzurüsten“, sagt der Vater von Ortsvorsteher Stefan Dunaiski. Als direkter Anwohner in der Dorfstraße freut sich Franz Reiner zwar über weniger Durchgangsverkehr, ihn ärgert aber die unzureichende Ausschilderung der Umleitung rund um das Dorf herum. „Viele Autofahrer fahren ins Dorf, finden keine Schilder vor, die ihnen den Umleitungsweg zeigen“, sagt er aus seiner täglichen Erfahrung.

Auch Susi Winands als Anwohnerin in der Ledergasse ist die Brückensperrung sehr unangenehm, weil es in alle Lebensbereiche greift. „Die Geschäfte hier werden weniger frequentiert und leiden jetzt schon, es ist unbegreiflich, dass diese ganzen Probleme nicht vorauschauend gelöst worden sind“, ärgert sich Winands.

Zum Prellbock für Beschwerden ist in diesen Wochen Ortsvorsteher Stefan Dunaiski geworden, er appelliert auch weiterhin, Solidarität zu zeigen und die Infrastruktur zu nutzen: „Zum Einkaufen müssen wir halt laufen und das Fahrrad benutzen oder mit den älteren Leuten zusammen die Umleitung zu den Bohlinger Geschäften fahren“, sagt Stefan Dunaiski.

Umweg für Busse

Während der Brückensperrung, die noch bis mindestens 27. Oktober dauert, können auch die Bushaltestellen Fabrikstraße und Ledergassenicht angefahren werden. Die Busse fahren eine Schleife über die Dorfstraße und Schloßstraße, eine Ersatzhaltestelle ist vor dem Kreisverkehr Zur Wolfgangen und Mooser Straße eingerichtet. In der Schloßstraße gilt in dieser Zeit ein Halteverbot. (hir)