Bei der Podiumsdiskussion „Singen gestalten – Wir machen mit“, zu der die Volkshochschule, die Stadt und der SÜDKURIER in das Kulturzentrum Gems deingeladen hatten, ging es darum, Einblicke die Arbeit des Gemeinderats zu geben. Auf dem Podium stellten sich Hubertus Both (Freie Wähler), Kirsten Brößke (FDP), Marion Czajor (Neue Linie), Regina Brütsch (SPD), Veronika Netzhammer (CDU) und Eberhard Röhm (Bündnis 90/Die Grünen) den Fragen des Leiters der SÜDKURIER-Lokalredaktion, Torsten Lucht.

Bei den nächsten Kommunalwahlen, die am 26. Mai 2019 stattfinden, dürfen zum ersten Mal auch Jugendliche ab dem Alter von 16 Jahren wählen. Damit erhoffe man sich auch mehr Beteiligung junger Menschen an der Kommunalpolitik, so alle Podiumsteilnehmer. Dass es damit noch hapert, macht die Veranstaltung in der Gems deutlich. So fanden sich kaum Besucher ein, die der jüngeren Altersgruppe zuzuordnen waren. FDP-Stadträtin Kirsten Brößke formulierte daraus eine Aufgabe für alle: „Wir müssen die Jugend ins Boot holen.“

Hubertus Both, der für die Freien Wähler im Gemeinderat sitzt, merkte an, dass auf seiner Kandidatenliste bereits einige junge Leute seien. Grundsätzlich freue er sich, so Both, wenn Leute, die sich kommunalpolitisch engagieren wollten, aktiv auf ihn zukämen. Ähnlich sahen es auch die anderen Fraktionsvertreter. Ein Parteizugehörigkeit sei nicht zwingend, gaben sowohl die Vertreter der Grünen, der CDU, der FDP als auch der SPD zu Protokoll. Wobei ein Bezug zur politischen Ausrichtung durchaus gewünscht sei. „Sozialdemokratische Grundprinzipien sollten gegeben sein“, so SPD-Vertreterin Regina Brütsch.

Über die Arbeit im Gemeinderat schilderte Both den Zuschauern, wie alle Gemeinderatsmitglieder zusammen um die richtigen Entscheidungen für die Stadt rängen. Das sei oft zeitaufwändig. In der Kommunalpolitik gehe es aber darum, der Kommune zu dienen, nicht ein Parteifähnchen hochzuhalten. Veronika Netzhammer (CDU) machte deutlich, dass die kommunale Ebene nicht von der Landes- und Bundespolitik beeinflusst sei. Als langjähriges Mitglied des Gemeinde- und Kreistags sowie ehemalige Landtagsabgeordnete ließ sie das Publikum an ihrer Politik-Erfahrung teilhaben: „Wir machen Kommunalpolitik, wie es zu Singen passt.

Da spielen kein Herr Strobel oder keine Frau Merkel eine Rolle“, stellte sie sich gegen den aktuellen Bundestrend für ihre Partei. So auch SPD-Stadträtin Brütsch, die betonte, dass die Kommunalwahl eine Persönlichkeitswahl sei. Außerdem sei die SPD in Singen entgegen dem Landestrend traditionell stark. Grünen-Stadtrat Eberhard Röhm betonte, dass der Bundestrend für ihn und die Grünen von Vorteil sei.

Marion Czajor (Neue Linie) zeigte anhand zweier Beispiele auf, dass man als Stadträtin durchaus etwas bewirken könne. So habe sie dazu beigetragen, dass die unechte Teilortswahl abgeschafft und die offene Bürgerfragestunde eingeführt wurde. Insgesamt wolle die Neue Linie strikt unabhängig sein und verzichte auf Spenden von außen. Das heiße, so Czajor, aber auch, dass der, der in den Gemeinderat komme, auch seinen Wahlkampf selbst bezahle.

Schwerpunktthemen für die Zukunft seien vor allem der soziale Wohnungsbau und die Infrastruktur. Dass die Anforderungen an den Gemeinderat steigen, machten einige Podiumsteilnehmer auch an der GVV-Pleite oder an der Diskussion um den Klinikverbund deutlich. Auf die Moderatoren-Frage, ob die Gemeinderatsmitglieder angesichts solcher Probleme überfordert seien, offenbarte SPD-Stadträtin Brütsch, dass man „gelegentlich gefordert“ sei. „Die Anforderungen schrecken einige ab“, ergänzte Freie Wähler-Stadtrat Both.

Die Teilnehmer der unterhaltsam moderierten Runde verströmten einen so harmonischen Eindruck, dass Grünen-Stadtrat Röhm sich bemüßigt fühlte, darauf hinzuweisen, dass es auch in der Kommunalpolitik nicht egal sein, für wen man kandidiere: „Unterschiede sind durchaus erkennbar.“ Angesprochen auf eine mögliche AfD-Liste berichtete FDP-Stadträtin Brößke von ihren Erfahrungen aus dem Landtagswahlkampf. „Ich will nicht im Gemeinderat mit Leuten zusammenarbeiten, die Judenhass wieder hoffähig machen“, gab sie sich kämpferisch.