Die Hitze sorgt dafür, dass sich viele Menschen in den Hegauer Gewässern tummeln. Ob in den Freibädern, im Rhein oder Steißlinger See – der Spaß im Nass birgt auch Gefahren, die vor allem durch grob fahrlässiges Handeln hervorgerufen werden. Besonders auf dem Rhein sorgen Unverbesserliche für brenzlige Situationen, wie Bäder-Personal und Augenzeugen berichten. Auch in den Freibädern ist große Wachsamkeit gefragt, damit es nicht zu Bade-Unfällen mit schlimmen Folgen kommt. Daher lastet auf den Bademeistern und dem anderen Personal eine hohe Verantwortung. Zudem verlangen Elternteile aus überzogener Anspruchshaltung Leistungen, für die Bäder-Angestellten überhaupt nicht zuständig sind.

"Es gibt viele unterverantwortliche Mütter, die ihre Kinder ohne Schwimmflügel unbeaufsichtigt lassen. Sie meinen, dass die Badeaufsicht dauernd auf sie ein Auge werfen muss. Dies ist aber nicht unsere Aufgabe. Und, wenn wir die Mütter darauf hinweisen, werden viele aggressiv", schildert der Gottmadinger Danny Cirillo, der beim Freibad Villingen als Fachangestellter beschäftigt ist und auch schon im Singener Aachbad tätig war. "Die Aggressivität gegenüber dem Bäderpersonal nimmt spürbar zu. Die Leute meinen, wenn sie ihren Eintritt bezahlt haben, bekommen die Kinder eine Vollkasko-Leistung", so Cirillo. Diese Erfahrung macht auch der Engener Bürgermeister Johannes Moser im intensiven Austausch mit seinem Bäderteam. "Früher war es selbstverständlich, dass sich kleine Kinder nicht ohne Schwimmflügel im Bereich der Becken bewegen. Dazu hat man sie immer im Blick behalten. So war es jedenfalls bei uns und anderen Badegästen", betont Moser. Es gebe einen bestimmten Schlüssel, wie viel Aufsichtspersonal eine Kommune für ihr Bad zu Verfügung stellen müsse. "Diese Vorgaben stellen uns vor große Herausforderungen, weil wir immer genügend Personal bereitstellen müssen", so Moser.

Großer Wirbel nach Todesfall

Ein Todesfall auf dem Rhein bei Büsingen schreckte vor einigen Wochen auf. Ein 71-jähriger Mann starb im Fluss infolge von Herz-Kreislauf-Problemen. Da sich der Vorfall im Bereich des Rheinstrandbades Büsingen ereignete, machten schnell die wildesten Gerüchte die Runde. Gefährliche Grasschlingen im Fluss, mangelnde Aufsicht oder zugeparkte Rettungswege wollten Augenzeugen ausgemacht haben. Ein Vor-Ort-Besuch des SÜDKURIER bringt aber schnell andere Erkenntnisse, aber auch solche, dass sich viele Menschen im und auf dem Rhein grob fahrlässig handeln.

Bademeister Martin Weiss zeigt auf die Aktivitäten auf dem Rhein bei Büsingen. Er berichtet auch von vielen Menschen, die sich unverantwortlich verhalten.
Bademeister Martin Weiss zeigt auf die Aktivitäten auf dem Rhein bei Büsingen. Er berichtet auch von vielen Menschen, die sich unverantwortlich verhalten. | Bild: Bittlingmaier, Albert

"Ich führe seit 21 Jahren den Betrieb mit Gaststätte des Büsinger Rheinstrandes. Bis auf den kürzlichen Todesfall und einige Schwäche-Anfälle ist hier nie etwas passiert", sagt Susanne Ebert. "Der Tod des Mannes ist sehr bedauerlich und hat eine Woche lang für eine sehr gedrückte Stimmung unter den Badegästen gesorgt. Der Notarzt hat aber festgestellt, dass er nicht wegen des Schwimmens im Rhein oder wegen anderer Umstände, sondern an einem Herz-Kreislauf-Versagen gestorben ist. Er kam mit seiner Frau öfter aus dem Schwarzwald zu uns und war ein sehr geübter Schwimmer", betont Susanne Ebert. "Wir mussten gerade eine Frau versorgen, die vor einer Biene gestochen wurde und einen Schock erlitten hat, als der Vorfall passierte", berichtet Martin Weiß. Er ist schon etwa sieben Jahren als Bademeister und ausgebildeter Rettungsschwimmer als Aufsicht im Rheinstrandbad Büsingen im Auftrag der Gemeinde tätig. Zusammen mit anderen Badegästen habe er den Mann sofort aus dem Wasser gezogen, ihn versucht zu reanimieren und die Notruf-Nummer gewählt. "Rettungssanitäter und der Notarzt kamen etwa nach einer Viertelstunde aus Schaffhausen. Sie konnten aber nur noch den Tod feststellen", so Weiss.

"Ich war selbst vor Ort, nachdem ich verständigt wurde", schildert der Büsinger Bürgermeister Markus Möll. "Der Notarzt sagte, dass der Mann auch an jedem Ort durch die gesundheitlichen Probleme hätte sterben können. Äußere Umstände spielten keine Rolle", betont Möll. Die Rettungsfahrzeuge seien nicht behindert worden. "Das Parkproblem gibt es auch an anderen Orten des Rheins, wenn so viele Leute in die Bäder gehen. Wir haben aber das Problem erkannt und einen Vollzugsbeamten eingesetzt. Es hat sich schnell herumgesprochen, dass er Strafzettel verteilt, wenn falsch geparkt wird", so Möll. "Leider müssen wir feststellen, wie grob fahrlässig viele Badegäste handeln, besonders Eltern im Bezug auf ihre Kinder. Da liegen Fünfjährige auf einem Surfbrett im tiefen Wasser. Und dies ohne Aufsicht", berichtet Weiß. Wie er stellt auch Doris von Ow fest, dass sich viele Menschen auf Schlauchbooten so verhalten, dass sie sich in große Gefahr begeben. "Es gibt oft Hupkonzerte von Schiffen, weil ihnen Schlauchboote zu nahe kommen. Einmal fuhr sogar ein Polizeischiff voraus", sagt Doris von Ow, die gerne vor ihrem Haus auf der Bank an der Uferpromenade sitzt und ihre Beobachtungen macht. "Viele junge Leute fahren völlig betrunken mit ihren Schlauchbooten", berichtet Bademeister Marin Weiss.

Bild: Bittlingmaier, Albert