Während andere die Schulbank drücken, lernen 220 Schüler das Arbeitsleben kennen. Das ist jedes Jahr im Dezember so, wenn die landkreisweite Aktion „Mitmachen Ehrensache„ den Tag des Ehrenamtes am 5. Dezember nutzt, um Spenden für ein Projekt zu sammeln. Denn die Schüler spenden ihren Lohn. 6494 Euro kamen zuletzt zusammen, diese Summe wurde nun symbolisch ans Kinderheim Peter und Paul Singen übergeben. Was das Kinderheim damit tun möchte? „Gutes“, sagt Leiter Jürgen Napel. Denn öffentliche Gelder würden nur das abdecken, was zwingend notwendig sei. Das ist in seinen Augen nicht genug, um den rund 90 Kindern und Jugendlichen in seiner Einrichtung ein möglichst normales Leben zu ermöglichen.

Für Schuheinlage müsste Kind eineinhalb Monate sparen

Kinderheimleiter Jürgen Napel nennt als Beispiel eine Schuheinlage für 15 Euro, die ein Heimkind vom Taschengeld bezahlen soll. Bei 10,50 Euro Taschengeld pro Monat müsste das Kind also eineinhalb Monate sparen. Carsten Wieland ist Lehrer am Anne-Frank-Schulverbund Engen und hat schon erlebt, dass solche Beispiele bei den Schülern, die für den guten Zweck arbeiten, ein Umdenken bewirken: Wo mancher vor der Aktion noch sage, dass er mitmacht, weil der Lehrer das sagt, seien viele danach stolz, zu einer guten Sache beigetragen zu haben.

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220 Schüler aus dem Hegau kamen im Rahmen der jüngsten Aktion bei 209 Arbeitgebern auf insgesamt 1141 Arbeitsstunden und einen Lohn von 6494 Euro – der Mindestlohn betrug fünf Euro pro Stunde. Die Arbeitszeit variierte zwischen vier und acht Stunden, war also teils länger als ein Schultag. Doch laut Ronja Maier, die die Realschule des Schulverbunds Engen besucht und den Aktionstag dort mitorganisiert hat, war das kein Problem: „Wenn es Spaß macht, ist das nicht so schlimm.“

Viele Arbeitgeber runden den Lohn auf

Der Aktionstag ist auch ein Schritt der Berufsorientierung: „Die Schüler gehen raus, präsentieren sich und leisten etwas“, sagt Lehrer Carsten Wieland. Noémi Csima und Ole Hoffmann besuchen die elfte Klasse der Hohentwiel-Gewerbeschule und konnten an Erfahrungen anknüpfen: Csima half einer Zahnärztin, die sie bereits von einem Praktikum kannte, und Hoffmann arbeitete bei der Firma, wo er auch in Ferien jobbt. Kreisjugendreferent Stefan Gebauer lobt: Die Schüler würden zeigen, dass sie längst nicht nur Blödsinn machen. Auch das Engagement der Betriebe sei groß: „Das bedeutet auch für die Firmen Arbeit, jemanden für einen Tag einzulernen.“ Viele Arbeitgeber würden den Lohn zudem aufrunden. Eine regionale Besonderheit: „Wir sind die Einzigen in Deutschland, die das auch über EU-Grenzen hinweg machen“, sagt der Kreisjugendreferent mit Blick auf die nahegelegene Schweiz.

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Einzelne Schüler und weitere Schulen können mitmachen

Neben dem Schulverbund und der Hewenschule Engen habe sich auch die Eichendorff-Realschule Gottmadingen sowie die Hohentwiel-Gewerbeschule Singen beteiligt. Andere Schulen zögern laut Gebauer teilweise, weil mit der Aktion auch Unterrichtsausfall verbunden ist. Für Nadja Hennes, Leiterin der Hewenschule Engen, überwiegen aber die Vorteile: „Mitmachen Ehrensache„ sei ein besonders nachhaltiges Engagement für den Landkreis. Theoretisch können sich auch einzelne Schüler für die Aktion anmelden. Für den nächsten Aktionstag im Dezember sind weitere Schulen willkommen. Die Organisatoren treffen sich zwischen den Pfingst- und Sommerferien für die erste Planung.

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