Wir kennen das: Am Anfang ist alles toll, neu, spannend und begeisternd. Doch mit der Zeit lässt das Interesse nach. Am dritten Freitag der-Demo in Singen sah es erst so aus, als würden Wenige für eine bessere Klimapolitik demonstrieren. „Ich hoffe, dass die, die zugesagt haben, noch kommen“, sagte Matteo Möller, Elftklässler des Friedrich-Wöhler-Gymnasiums und einer der Organisatoren am Treffpunkt vor dem Karstadt.

Es kamen noch mehr. Am Schluss zogen rund 100 Schüler und ein paar Erwachsene durch die Singener Innenstadt Richtung Heinrich-Weber-Platz und riefen: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut.“ Ein Vater war als „Parents for Future“ dabei: Andreas Uhlig, ehemaliger Schulleiter des Hegau-Gymnasiums. Seine Tochter demonstrierte mit. Er steht hinter dem Engagement und hat ihr für die zwei Schulstunden eine Entschuldigung geschrieben. Er kann nicht nachvollziehen, wenn man das Engagement der Jugendlichen nicht unterstützt. „Einerseits sagt man, die Jugend von heute engagiert sich nicht und wenn sie sich dann engagiert, ist es auch nicht recht“, erklärt er.

Termin mit dem OB

Die Schüler wollen jeden zweiten Freitag demonstrieren, einmal um 10 Uhr und einmal um 13.30 Uhr, und hoffen, dass sich viele anschließen. „Wir machen es nur einmal im Monat in der Schulzeit, weil wir nicht als Schulschwänzer dastehen wollen. Aber man muss es auch merken“, sagte Möller. Einer der Polizisten, die die Demonstration begleiten, will wissen, wie die Lehrer und Schulleiter das Engagement aufnehmen. „Unterschiedlich, wir bekommen aber insgesamt viel Zuspruch“, erklärte Möller. Der 18-jährige Tabikan Runa ist seit der ersten Demo dabei und sieht Erfolge: „Der Oberbürgermeister von Singen möchte mit uns sprechen, wir müssen nur noch einen Termin finden.“ Nach der Kommunalwahl, fügt er noch hinzu, denn die Bewegung möchte sich nicht von einer Partei vereinnahmen lassen. Es soll eine unparteiische Bewegung der Jugend bleiben, die einen langen Atem haben muss, will sie etwas erreichen. Jetzt heißt es dranbleiben.
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