Frau Hartmann, ursprünglich haben Sie Volkswirtschaft studiert und bei einer Bank gearbeitet. Warum haben Sie sich entschieden, den relativ sicheren Job aufzugeben und stattdessen auf die Bühne zu gehen?

In der Bank habe ich mich nie wohlgefühlt – es war ja auch schlimmer als eine Bank, es war eine Sparkasse. Das kam mir so vor, als hätte man Bankangestellte mit Beamten gekreuzt. Für‘s Kabarett habe ich mich schon immer interessiert und so hat mich mein Weg dann auch dahin geführt.

Eine Ihrer ersten Bühnenerfahrungen sammelten Sie im Quatsch Comedy Club. Wie schwierig empfanden Sie es damals, sich als Newcomerin einen Namen zu machen?

Als Newcomerin hat man es – glaube ich – überall schwer. Auf der Bühne fand ich es nicht einfach, da damals das Vorurteil, dass Frauen nicht lustig sind, noch weiter verbreitet war als heute. Ich habe mich dann einfach über dieses Vorurteil lustig gemacht und das kam dann gut an.

Ihr Kabarettkollege Volker Pispers sagte einst über Sie: „Sie vereint in ihrer Person die drei großen H des Kabaretts: Haltung, Humor und Hirn.“ Damit ist klar, dass Ihre Zielgruppe nicht die breite Masse sein dürfte, sondern wahrscheinlich diejenigen, die zumindest regelmäßig die Nachrichten verfolgen und so auch Ihre Pointen verstehen können, oder?

Warum sollte Haltung, Humor und Hirn die breite Masse ausschließen? Das hieße ja, man denkt, die breite Masse ist dumm und unmoralisch. Das glaube ich nicht. Außerdem versuche ich immer meine Programme so zu schreiben, dass auch Menschen, die keine Zeit oder Lust für Nachrichten und Zeitungen haben, sie verstehen können. Deswegen spreche ich auch wenig über Politiker, mehr über Inhalte und die versteht man dann auch, wenn man die Politiker nicht kennt.

Mit ihrem Programm „Schwamm drüber“, lassen Sie seit dem Jahr 2009 das jeweilige Jahr mit Blick auf die Politik Revue passieren. Einen „Rückspiegel“ macht auch Ihr Kollege Django Asül. Wie unterscheidet sich Ihr Jahresrückblick von seinem?

Seinen Rückblick habe ich noch nie gesehen. Ich stehe ja immer selber zeitgleich auf der Bühne. Daher kann ich keinen Vergleich ziehen. Aber natürlich ist mein Rückblick etwas Besonderes, schon allein, weil es kaum Frauen gibt, die so ein Programm machen (lacht). Deswegen mache ich das ja überhaupt. Meine Agentin hat mich im Jahr 2009 drauf hingewiesen, dass nur Männer so was machen, und mich gefragt, ob ich das nicht ändern möchte. Da ich Feministin bin, habe ich spontan ja gesagt. Wenn ich vorher gewusst hätte, wie viel Arbeit das ist, hätte ich vielleicht etwas länger überlegt – und es dann trotzdem gemacht.

In Ihrem Programm rappen Sie sogar. Wie kamen Sie auf die Idee?

Den Rap mache ich bei jedem Jahresrückblick am Anfang – das ist ein kleiner Schnelldurchlauf, damit man sich schon mal in das Jahr einfühlen kann. Den Rap schreibt immer mein Mann – ich gebe ihm die Stichworte, die vorkommen sollen und er reimt das dann zusammen. Alle anderen Texte schreibe ich selber, aber mein Mann ist der Reimmeister.

Was waren für Sie persönlich die drei bisherigen Highlights des Jahres 2019?

Ich würd eher von Lowlights sprechen: Trump, Brexit, Terror von rechts, Klimawandel.

Und warum?

Weil das alles unser freiheitliches Leben bedroht – und ich bin eine freiheitsliebende Frau. Und eine Freundin der Demokratie. Ich hätte beides gern erhalten.

Man findet wenig private Informationen über Sie im Internet. Wie leben Sie?

Glücklich und zufrieden mit meinem Mann in Köln. Und ich vermisse die (a)sozialen Medien kein bisschen.

Am Freitag, 29. November, gastieren Sie mit Ihrem Programm in der Gems in Singen. Kennen Sie den Bodensee?

Ja, ich kenne und schätze den Bodensee. Wegen Auftritten war ich schon ein paar Mal dort. Es ist eine sehr schöne Gegend und ich habe den Eindruck, die Menschen sind dort entspannter, als in anderen Gegenden von Deutschland. Ich freue mich schon drauf, wieder in Ihrer Region zu Gast sein zu dürfen. 

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