Blitzblank leuchtet die 98 Meter lange Rutsche im Singener Aachbad vor der grünen Bergkulisse des Hohentwiel. Hier hat der Hochdruckreiniger ganze Arbeit geleistet. Schwimmmeister Peter Heck hat bereits am 12. März seinen Arbeitsplatz in der warmen Schwimmhalle am Stadion gegen die Frischluft im Freibad auf der Aachinsel getauscht. Hier hat er sich die Anglerhosen übergestreift und das türkisblaue Spaßgerät so lange mit einem starken Wasserstrahl traktiert, bis der Winterbelag verschwunden war. Sein junger Kollege Christian Graf geht nun mit Eimer und Schwamm hinterher, um kleine Schmutzreste zu beseitigen.

Schwimmmeister Peter Heck zeigt den frisch gestrichenen Sprungturm. Schön rot leuchten die verschiedenen Ebenen, die auch einen frischen Bodenbelag bekommen haben.
Schwimmmeister Peter Heck zeigt den frisch gestrichenen Sprungturm. Schön rot leuchten die verschiedenen Ebenen, die auch einen frischen Bodenbelag bekommen haben. | Bild: Gudrun Trautmann

Die Wahrheit über einen Traumjob

Ein Traumjob, möchte man meinen, wenn man den Männern bei der Arbeit in der Sonne zuschaut. Doch Sonne war in diesem Frühjahr eher Mangelware. Peter Heck erinnert sich an eiskalte Tage mit Minusgraden, während er mit dem Wasserstrahl im Bad für Ordnung sorgte. „Da kann es sein, dass man sich dreimal am Tag umziehen muss“, sagt er. Dass sie die Arbeit zu zweit machen, ist auch eher die Ausnahme. Heck will seinem jungen Kollegen die Abläufe einer Revision mit Neustart zeigen. Und am Tag des Maschinenstarts, darf auch der SÜDKURIER den Männern über die Schultern schauen.

Im Maschinenraum nehmen Peter Heck (rechts) und Christian Graf die Pumpen und Reinigungsanlagen für die drei Becken in Betrieb.
Im Maschinenraum nehmen Peter Heck (rechts) und Christian Graf die Pumpen und Reinigungsanlagen für die drei Becken in Betrieb. | Bild: Gudrun Trautmann

Der Winterdreck muss weg

Eine gute Woche lang hat es gedauert, bis die Becken wieder mit Frischwasser gefüllt waren. 1000 Kubikmeter werden für das Schwimmerbecken, 900 für das Nichtschwimmerbecken und 650 für das Springerbecken benötigt. Davor waren sie völlig entleert und alle Einlaufbleche entfernt worden. Auch hier war der Hochdruckreiniger im Einsatz, um die Edelstahlwannen und Ablaufrinnen zu reinigen. Dem hartnäckigen Schmutz, der sich in den vergangen sieben Monaten wie ein Film überall abgelagert hat, wird zusätzlich mit einem Edelstahlreiniger zu Leibe gerückt.

Während der Saison sorgt ein Saugroboter im Schwimmer- und Springerbecken über Nacht für Sauberkeit. Die tägliche Reinigung des Nichtschwimmerbeckens muss beaufsichtigt werden. Doch jetzt geht es um die Generalreinigung des Bades für den Saisonstart am 11. Mai.

Eine Woche vor Saisonbeginn sind die Becken des Singener Aachbades gereinigt und wieder gefüllt. Am Donnerstag ging die technische Anlage in Betrieb. Ab jetzt wird geheizt.
Eine Woche vor Saisonbeginn sind die Becken des Singener Aachbades gereinigt und wieder gefüllt. Am Donnerstag ging die technische Anlage in Betrieb. Ab jetzt wird geheizt. | Bild: Gudrun Trautmann

Schönmachen für die Gäste

Wie viel Arbeit geleistet werden muss, bis das Bad wieder fit für die Saison ist, können die Badegäste kaum erahnen. Sie wissen nicht, dass der Platzwart Viktor Mendes-Colaco mit einer flachen, rasenmäherähnlichen, wasserführenden Maschine schon seit etwa zwei Wochen die Platten und Fugen säubert. Sie sehen nicht, wie Renate Andersen den gesamten Eingangsbereich putzt. Ganz zu schweigen von den Mitarbeitern der Stadtgärtnerei, die erkrankte Eschen gefällt und neue Bäume gepflanzt hat.

Renate Andersen kümmert sich im Aachbad nicht nur um den klaren Durchblick; sie sorgt im gesamten Umkleidebereich für Sauberkeit.
Renate Andersen kümmert sich im Aachbad nicht nur um den klaren Durchblick; sie sorgt im gesamten Umkleidebereich für Sauberkeit. | Bild: Gudrun Trautmann

Jetzt wird‘s warm

Zum Schluss nun der Maschinenraum. Jedes Becken hat einen eigenen Kreislauf mit Rohren und Pumpen, die durchgespült und auf Funktionalität geprüft werden müssen. Mächtig stehen die großen Quarzsand- und Aktivkohlefilter für die ständige Reinigung des Wassers während des Sommerbetriebs bereit. 20 große Chlorgaskartuschen stehen in einer Extrakammer. In der Hochsaison werden pro Woche fünf solcher Kartuschen verbraucht. Eine Regeltechnik mit Elektrode sorgt 24 Stunden für die richtige Mischung. Zusätzlich wird der Chlorwert dreimal täglich überprüft.

Das Herzstück des Singener Aachbades ist der Technikraum mit seinen Pumpen, Rohrleitungen und Filteranlagen. Sie werden von jetzt an bis Mitte September im Dauerbetrieb sein.
Das Herzstück des Singener Aachbades ist der Technikraum mit seinen Pumpen, Rohrleitungen und Filteranlagen. Sie werden von jetzt an bis Mitte September im Dauerbetrieb sein. | Bild: Gudrun Trautmann

Geheizt wird das Wasser in den Becken mit Sonnenenergie und einer Wärmepumpe, die mit Wasser aus der Aach betrieben wird. Bei so großen Wassermengen braucht die Heizung schon eine Woche Vorlauf. Am Donnerstag haben Peter Heck und Christian Graf sämtliche Pumpen, Schläuche und Regler überprüft und können die Anlage in Betrieb nehmen. Da geht ein Rauschen durchs Wasser.

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