Sonntagmorgen, kurz nach 10 Uhr, bestes Ausflugswetter: Der Hontes-Bus, die kostenlose Verbindung von Singens Innenstadt zum Infozentrum auf dem Hohentwiel, fährt die Haltestelle Hohentwielstraße an. Außer Familie Renk nutzt zu dieser Uhrzeit niemand den Hontes-Bus. Sohn Paul darf ganz vorne nahe dem Busfahrer auf dem Schoß seines Vaters sitzen.

Im Spiel hilft er dem freundlichen Fahrer Otto Joos beim Steuern des großen Fahrzeuges. Begleitet wird Paul von seinen Eltern Lisa und Stephan und seinem vier Wochen alten Bruder Jakob. Dieser macht an diesem Tag zum ersten Mal einen Ausflug auf den Hohentwiel. Paul liebt das Busfahren, die Familie wohnt in Singen und nutzt gerne den kostenlosen Shuttle-Service. Für einen Spaziergang auf dem Hohentwiel benötigt die Familie etwa 50 Minuten, bevor es mit dem Hontes-Bus wieder nach unten in die Stadt geht.

Es sei schade, dass der Bus nicht ausgiebiger genutzt werde, bedauert der nette Busfahrer Joos. Denn eigentlich sei das eine super Sache. Seit Inbetriebnahme des Busses am 19. April nutzten bis Ende Juni 2284 Fahrgäste diesen kostenlosen Service, der die Stadt Singen pro Fahrtag 380 Euro kostet. Laut Achim Eickhoff, Pressesprecher der Stadt Singen, hätte die Stadt Singen Interesse daran, den Hontes-Bus auch im nächsten Jahr wieder fahren zu lassen.

2019 ist ein ganz besonderes Jahr für den Hohentwiel. Seit dem 1. Januar 1969, also seit 50 Jahren, gehören Berg und Burg zur Stadt Singen und nicht mehr zu Tuttlingen. Um den Besucheransturm besser lenken zu können und Parkproblemen auf dem Berg aus dem Weg zu gehen, wurde der kostenlose Hontes-Bus eingerichtet. Ein erklärtes Ziel der Stadt Singen ist es, damit eine umweltfreundliche Verbindung zwischen Innenstadt und Hohentwiel anzubieten und dabei die Verkehrssicherungspflicht der Stadt Singen einzuhalten.

Doch was nützt dieser, wenn der Zugang zur eigentlichen Hauptattraktion und Singens Wahrzeichen, der Burgruine, wegen eines gefährlichen Felssturzes gesperrt ist?

Tina Urban vom Infozentrum auf dem Hohentwiel hat Tipps für Alternativen zur Besichtigung der Festungsruine, die wegen Steinschlag gesperrt ist.
Tina Urban vom Infozentrum auf dem Hohentwiel hat Tipps für Alternativen zur Besichtigung der Festungsruine, die wegen Steinschlag gesperrt ist. | Bild: Andreas Hühner

„Es kommen deutlich weniger Besucher auf den Hohentwiel, seit die Ruine gesperrt ist“, berichtet Tina Urban vom Informationszentrum auf dem Hohentwiel. Normalerweise müssten die Gäste am Sonntag bei schönem Wetter an der Kasse anstehen, aktuell kommen allerdings nur wenige Besucher. Aber trotz entsprechender Hinweistafeln und Informationen im Internet wüssten manche Gäste nicht, dass die Ruine für Besucher gesperrt ist.

Erhard und Gabriele Rieder sowie Angelika Lechner aus Herrenberg sind zu Besuch in Singen. Bereits am Vortag wollten sie eine Führung auf dem Hohentwiel buchen und erfuhren erst dann von der Sperrung der Hauptattraktion. Für die Gäste aus Herrenberg war dies im Vorfeld nicht ersichtlich gewesen und sie waren etwas enttäuscht von den Umständen. Aber sie machten das Beste daraus, gingen am Hohentwiel spazieren und genossen die traumhafte Aussicht von dort oben.

Freude über gemeinsamen Tag lindert die Enttäuschung

Hartmut und Doris Jost aus Ravensburg waren mit der Nichte Julia Behne aus Stuttgart und deren Familie nach Singen gekommen, um die Ruine zu erkunden. Besonders die beiden Kinder Lukas (8) und Josefin (5) hatten sich auf das Burgabenteuer gefreut. Zum Erforschen der geheimen Gänge in den Kasematten hatten sie sich extra eine Taschenlampe eingepackt. Auch sie hatten im Vorfeld nichts von der Sperrung gewusst und sich dann darüber gewundert, warum es von der Burganlage nicht mehr zu sehen gibt. Trotz dieser Enttäuschung genossen sie die herrliche Aussicht bis zum Bodensee und zu den Alpen und freuten sich über einen gemeinsam verbrachten Tag.

Welche Ausflugsmöglichkeiten der Berg noch bietet

Ein Ausflug auf den Hohentwiel lohnt sich auch trotz Sperrung der Burgruine. Denn in nächster Umgebung bieten sich einige andere Unternehmungen an, wie Tina Urban vom Infozentrum auf dem Hohentwiel empfiehlt. Dabei wird zum Beispiel die Geschichte des Singener Hausbergs erklärt:­
 

  • Wandern auf dem Hohentwiel-Vulkanpfad oder dem Premiumwanderweg „Hohentwieler“: Der drei Kilometer lange Vulkanpfad beginnt beim Besucherparkplatz, führt vorbei am vom Feuer gezeichneten Schafstall der Domäne und bietet herrliche Aussichten, zum Beispiel auf Hilzingen und in die nahe gelegene Schweiz. An Lehrtafeln entlang des Weges erhalten Wanderer einige spannende Informationen über den Hohentwiel und seine Geheimnisse. Der Premiumwanderweg „Hohentwieler“ führt auf einer Länge von 7,5 Kilometern auf einen abwechslungsreichen Rundweg um den Hohentwiel. Auf dieser mittelschweren Wanderung lassen sich traumhafte Ausblicke in den Hegau, bis hin zum Bodensee und zu den Alpen genießen.
  • Karlsbastion: Der Zugang zur Karlsbastion, also dem untersten Teil der Festung, ist trotz Sperrung der oberhalb gelegenen Festungsruine weiterhin möglich. Von der Hontes-Bus-Haltestelle am Besucherzentrum benötigt man etwa 15 Minuten Gehzeit nach oben zur Karlsbastion. Die Aussicht von dort über Singen und die Nachbargemeinden ist fantastisch, sodass der kleine Anstieg auch ohne Erkunden der Festungsruine lohnt. Zumindest einem Teil der Außenanlage der Festungsruine kommt man hier recht nahe. Und Eintritt kostet der Besuch dieses Bereichs nicht.
  • Ausstellung im Informationszentrum: In der alten Remise des Gutshofes Hohentwiel befindet sich eine Ausstellung zur langen und spannenden Geschichte und zur Geologie des Hohentwiels. Ein besonderes Ausstellungsstück ist ein Modell der Festungsanlage im Maßstab von 1:2000. Auch wenn sich die Festungsruine nach dem Felssturz im Frühjahr vorübergehend nicht mit eigenen Augen besichtigen lässt, erhält man hier einen Eindruck von der Größe der Festungsanlage. Das Informationszentrum wurde 1994 eingerichtet und ist laut Auskunft des Hausherren, Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, noch bis zum 15. September von 9 bis 19.30 Uhr geöffnet. Bis Ende Oktober ist es dann von 10 bis 18 Uhr geöffnet, von Oktober bis März von 10 bis 16 Uhr.