Aus den beiden Metallstäben, die die Kinder in der Hand halten, sprühen kleine Feuerfunken. Mindestens zu dritt stehen sie um die schon qualmende Feuerschale. Eine Flamme soll entstehen. Doch das ist einfacher gesagt als getan. Einige Kinder geben bereits auf und werfen das kaltgebliebene Metall in das, den Boden bedeckende Laub. Doch dann erleichtertes Aufatmen: Es brennt!

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Ihn kennt jedes Kind

Angenehme acht Grad Celsius, die Regenwahrscheinlichkeit liegt bei null Prozent – beste Voraussetzungen für den Outdoor-Workshop „Popcorn aus dem Feuertopf“ zusammen mit Wildniscoach Tobias Ohmann. Die Veranstaltung unter freiem Himmel rundete die diesjährigen Kinder- und Jugendbuchtage der Stadtbibliothek Singen ab. Mit leuchtenden Augen betreten die Kinder die Bibliothek. Zeit für eine intensive Verabschiedung der Eltern bleibt nicht, zu groß ist die Vorfreude auf das Treffen mit dem Wildniscoach. „Wer von euch weiß, was ich sonst so mache?“, fragt Tobias Ohmann in die Runde – ohne zu zögern, streckt jedes Kind den Arm in die Höhe.

Bild: Stadtbibliothek Singen

In der Serie des Kinder-Fernsehsenders Kika „Durch die Wildnis – Das Abenteuer deines Lebens“ ist Ohmann Wildnis­profi und Überlebensexperte. Im Jahr 2011 ging die Wildnis-Serie, in der drei Jungen und drei Mädchen abgelegene Orte Europas bereisen, zum ersten Mal auf Sendung. Dort werden sie in der freien Natur ausgesetzt und müssen sich verschiedensten Herausforderungen stellen. Mit dem Feuerworkshop bereist Tobias Ohmann nebenbei ganz Deutschland und bringt den Kindern den Umgang mit dem Feuer bei.

Bild: Anina Kemmerling

Ein Funke allein reicht nicht

„Heute machen wir Feuer ohne Feuerzeug, und darauf dann Popcorn“, erklärt Tobias Ohmann. Dazu geht es gemeinsam los in den Stadtgarten, in dem fünf runde Feuerstellen aufgebaut wurden. Der Wildniscoach gibt den Kindern zwei Metallstäbe, mit jeweils einer glatten und einer rauen Seite, die sie aneinander reiben müssen. Und daraus soll ein Feuer entstehen? Misstrauen zeichnet sich in den Gesichtern der Kinder ab. Erst als beim Feuerprofi erste Funken aus den Metallstäben sprühen, fangen auch die Kinderaugen an zu leuchten. Jedoch ist ein Funke noch keine Flamme, und Mais darauf zum Poppen zu bringen, gestaltet sich schwierig. Das was zum großen Feuer fehlt: Zunder. Was wäre Tobias Ohmann für ein Überlebensexperte, wenn er dafür nicht mal eben seine Tasche öffnet und Watte – den optimalen Zunder – hervorzaubert.

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Die Funken schaffen es in Kombination mit Watte, eine kleine Flamme zu entfachen, die jedoch durch den kleinsten Windstoß wieder erlischt. Von großem Feuer ist noch immer keine Spur. Funken und Zunder, was fehlt noch? Natürlich, ein Feuerturm. Diesen baut Tobias Ohmann aus kleinen Hölzern, füllt ihn mit Watte und zündet das erschaffene Kunstwerk an. Binnen weniger Sekunde entsteht die lang ersehnte Flamme und steigt dem Himmel empor. Das ahmen auch die Kinder nach und ehe man sich versieht, erleuchten mehrere Flammen die Feuerbecken des Stadtparks.

Das Ergebnis schmeckt besser als im Kino

Damit nicht nur das Auge, sondern auch der Gaumen verwöhnt wird, nutzten die Kinder das selbstentflammte Feuer, um einen Topf voll Mais darauf zu erwärmen. Mais rein, Deckel zu und nach einigen Sekunden ist der Feuertopf gefüllt mit frischem Popcorn wie aus dem Kino. „Die schmecken ja viel besser als das Gekaufte“, staunten die Kinder und konnten mit gefülltem Magen und nach Rauch riechenden Klamotten den Heimtritt antreten.

Video: Anina Kemmerling