Es ist ein Szenario, das man sich am liebsten gar nicht vorstellen mag: Terroristen haben den Singener Bahnhof unter ihre Kontrolle gebracht, schießen wild um sich, Explosionen erschüttern die Nacht unter dem Hohentwiel. Was sich nach dem Drehbuch eines Hollywoodstreifen anhört, wird in der Nacht von Mittwoch, 17. Juli, auf Donnerstag, 18. Juli, am Singener Bahnhof Realität.

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Zumindest für drei Stunden von 1 bis 4 Uhr nachts. Dann nämlich werden die Bundespolizeiinspektion Konstanz, das Hauptzollamt Singen und die Eidgenössische Zollverwaltung den Ernstfall üben. Im Speziellen gehe es um das Vorgehen im Falle eines terroristischen Anschlages, wie der Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion Konstanz, Christian Werle, im Gespräch mit dem SÜDKURIER erklärt. Eine ähnliche Übung führte die Bundespolizei Baden-Württemberg zuletzt im Bahnhof in Kehl an der französischen Grenze durch.

Bei der Übung kann es mitunter laut zugehen: Es komme im Laufe der Simulation zu Schüssen und Explosionen rund um den Singener Bahnhof, sagt Werle. Was genau die Einsatzkräfte allerdings trainieren, darüber wirft die Bundespolizeiinspektion den Mantel des Schweigens. Oder wie Christian Werle es formuliert: „Das ist Verschlusssache.“

Dass die Bundespolizeiinspektion ein Geheimnis aus dem Inhalt der Simulation macht, hat seine Gründe: „Es werden hier taktische Maßnahmen geübt“, so Werle weiter. Der Bahnhof bleibe deshalb abgeriegelt. Eine Beobachtung des Geschehen sei nicht möglich – dies habe vor allem einsatztaktische Gründe. Auch Medienvertreter erhalten während dieser Zeit keinen Zugang zum Bahnhof.

Singen ist der einzige Grenzbahnhof auf der Strecke Zürich nach Stuttgart

Die Bundespolizei hat sich bewusst für den Bahnhof in Singen entschieden, wie Christian Werle auf Nachfrage des SÜDKURIER erklärt: „Im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizeiinspektion Konstanz ist der Bahnhof Singen der einzige Grenzbahnhof mit überregionalem internationalen Schienenverkehr auf der Strecke Zürich nach Stuttgart„, sagt er.

Auch dass die Simulation nachts stattfindet, ist seiner Aussage nach, kein Zufall. So sei das Zeitfenster absichtlich auf 1 bis 4 Uhr gewählt, um die Auswirkungen auf den Eisenbahnverkehr so gering wie möglich zu halten. „In diesem Zeitraum findet nur wenig Schienenverkehr statt“, sagt er. Reisende werden gebeten, die Hinweise und Lautsprecheransagen vor Ort zu beachten.

Bundespolizei übt mit Sicherheitspartnern

Das Üben anspruchsvoller Einsatzszenarien diene laut Christian Werle der Handlungssicherheit für den Einsatzfall. Soll heißen: Um im Ernstfall angemessen zu reagieren, benötigen auch die Einsatzkräfte der Bundespolizeiinspektion Konstanz, des Hauptzollamtes Singen und der Eidgenössischen Zollverwaltung Trainingseinheiten. Oder wie Werle es formuliert: „Die Bundespolizei übt mit ihren Sicherheitspartner die Einsatzbewältigung eines terroristischen Anschlags im Grenzraum zur Schweiz.“

Insgesamt werden an der Übung rund 200 Mitwirkende beteiligt sein. Neben den Polizei- und Zollbeamten sind dies auch mehrere Statisten. Die Bundespolizei teilte mit, dass neben dem Bahnhof auch die dazugehörenden Unterführungen mit Sichtschutzzäunen für die Öffentlichkeit gesperrt werden.