Der Traum vom neuen Hallenbad mit einem großen Freizeitbereich ist in Singen noch nicht ausgeträumt. Auch der Chef der Singener Bäder, Edwin Bucher, hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Doch weil das Geld für so eine Riesen-Investition fehlt, bleibt das neue Bad vorerst eine Zukunftsvision. Statt sich mit Detailplänen zu beschäftigen, verbringt Bucher diesen Sommer wieder im Keller. Das bestehende Hallenbad braucht nämlich jede Menge Pflege, um weiterhin betrieben werden zu können.

45 Jahre sind ein stolzes Alter für ein Hallenbad. Jeder Hausbesitzer kennt die Schwachstellen alter Haustechnik. Ein Bad steckt voller Kessel, Rohre, Kompressoren, Elektroleitungen, Lüftungsanlagen, Heizungs- und Steuersysteme. Das Kernstück der Technik sind die Filterbecken.

Im Singener Hallenbad gibt es drei solcher Becken, mit Hilfe derer das verbrauchte Wasser wieder gereinigt wird. Ein Filterbecken sorgt für die Sauberkeit des Nichtschwimmerbeckens. Das Wasser des Schwimmerbeckens wird in zwei weiteren Becken gefiltert. Doch deren Lebensdauer ist begrenzt. Alle 15 bis 20 Jahre müssen der Kies und Sand in den Becken ausgetauscht werden.

Edwin Bucher erklärt das so: "Anfangs ist der Sand rau. Mit den Jahren schleifen sich die Sandkörner und die Kieselsteine in den verschiedenen Schichten durch die ständige Bewegung ab und verlieren dadurch ihre Filterwirkung." Dann muss das Material ausgetauscht werden. Genau das geschieht in diesen Wochen, weshalb Edwin Bucher die meiste Zeit dieses Sommers im Keller des Hallenbades verbringt.

Das Wasser aus den Becken ist längst abgelassen und die gefliesten Wannen wirken noch viel größer als mit der Wasserfüllung. Die hellblauen Kacheln glänzen wie neu. Seit den Pfingstferien – oder mit Beginn der Aachbadsaison – ist das Hallenbad geschlossen und wird generalüberholt. Das erfolgt turnusgemäß.

Die Sanierung der Filter ist aber mit einem besonderen Kraft- und Finanz-Aufwand verbunden. Pro Filterbecken müssen zuerst 20 Tonnen Quarzsand und weitere 20 Tonnen Kies entfernt werden. Unter Sand und Kies befindet sich noch eine Schicht aus halben Röhren mit Löchern, durch die das gereinigte Wasser wieder abgeleitet und zurück in die Becken gepumpt wird. Pro Becken kostet die Filtersanierung 30 000 Euro. Zum Start der nächsten Hallenbadsaison wird die Stadt also 60 000 Euro in die beiden neuen Filter des Schwimmerbeckens investiert haben. Der Filter für das Nichtschwimmerbecken wurde schon früher erneuert.

Gewöhnlich trainieren die Schwimmsportvereine auch nach der Eröffnung des Aachbades bis zu den Sommerferien weiter im Hallenbad. Das war wegen der Arbeiten an der Filteranlage in diesem Jahr nicht möglich. Das Training musste im Aachbad stattfinden, was dort zu Engpässen führte. "Auch nach den Schulferien werden die Schwimmvereine noch zwei Wochen lang nicht im Hallenbad trainieren können", weiß Bucher.

Die Entscheidung für die Sanierung der Filter fiel im Herbst 2016. Damit wird klar, dass an ein neues Hallenbad in der näheren Zukunft nicht zu denken ist. Vorrang bei den sportlichen Großprojekten hat die lange geplante dreiteilige Sporthalle. Somit wird Edwin Bucher und sein Team sich auch in den kommenden Jahren mit Sanierungen um den Erhalt des Hallenbades kümmern müssen.

Auch für die Badegäste bedeutet das, dass sie auch weiterhin mit Kompromissen leben müssen. Denn die Öffnungszeiten sind eingeschränkt, weil Schul- und Vereinssport sich das Bad mit der Allgemeinheit teilen müssen.

Die Stadt Singen verfügt über zwei Bäder: das Aachbad, das auf eine lange Tradition als Flussbad zurückblicken kann und im Jahr 2003/2004 zu einem modernen Sport- und Freizeitbad umgebaut wurde. Das Schwimmerbecken hat sechs 50 Meter lange Bahnen. Es fasst 1,1 Millionen Liter Wasser. Das Nichtschwimmerbecken mit Strömungskanal ist mit 800 000 Litern Wasser gefüllt, während sich im Springerbecken 600 000 Liter Wasser befinden.

Das Hallenbad neben dem Hohentwielstadion ist 45 Jahre alt und hat ein kombiniertes Schwimer-Springer-Becken mit 25 Meter langen bahnen. Dieses Becken fasst 900 000 Liter Wasser. In dem kleinen Nichtschwimmerbecken befinden sich 90 000 Liter Wasser. Seit Jahren gibt es Pläne, das Hallenbad zu erweitern und aufzuwerten. Doch dafür fehlte es bisher am Geld. (gtr)